Von Hannah Schneider, 09.01.09, 21:14h, aktualisiert 09.01.09, 23:34h
Fernsehen im Internet ist angesagt. Das haben die Macher der US-amerikanischen Teenie-Soap „Gossip Girl“ jetzt auch gemerkt. Die Serie um eine versnobte New Yorker Society-Clique, die ab Frühjahr auch auf ProSieben laufen soll, stand in den USA fast vor dem Aus - wegen schlechter Einschaltquoten. Das Seltsame daran: Jeder kennt die Soap des Erfolgsgaranten Josh Schwartz (Erfinder von „O.C. California“), und für gut befunden wird sie von den Kritikern auch. Im Fernsehen hat sie trotzdem kaum einer geguckt. Zwischen zwei und drei Millionen Zuschauer hatte jede Folge im vergangenen Jahr durchschnittlich, doppelt so viele müssen es für den dauerhaften Erhalt einer Serie normalerweise mindestens sein. Die Quote fand woanders statt - nämlich still und kaum messbar im Netz. Entsprechende Techniken wurden bisher vernachlässigt, was der „Gossip Girl“-Sender The CW in Zukunft ändern will. Mit Experten wird jetzt an neuen Messmethoden gearbeitet.
Kostenlos zeigt The CW Folgen der Soap eine Woche nach ihrer Ausstrahlung. Die meisten Fans haben sich dann schon längst auf den neuesten Stand gebracht - schließlich tauchen die Folgen illegalerweise schon kurz nach ihrer Ausstrahlung im Netz auf: Auf Webseiten wie Surfthechannel.com ist das „Gossip Girl“ der meist geklickte Link - wer ihm folgt, wird auf Downloadseiten weitergeleitet.
Nicht nur die flexible Verfügbarkeit der Serien lockt die Leute ins Internet. Auf der „Gossip Girl“-Seite darf sich der Besucher fast so fühlen, als gehöre er dazu, zu der superexklusiven Teenie-Clique. So wird er zumindest angesprochen im Blog des „Gossip Girls“ höchstpersönlich, um den sich die ganze Soap dreht. Wochenweise ist da der neueste (fiktive) Tratsch aus dem Freundeskreis zu lesen, der Besucher wird ständig - unabhängig von der Serie - auf dem Laufenden gehalten. Da kann „normales“ Fernsehgucken natürlich nicht mithalten.
Sensationelle Internetzahlen
Ein anderes Format, aber in etwa die gleiche Zielgruppe wie das „Gossip Girl“, hat die ProSieben-Castingshow „Germany' s Next Topmodel“ („GNTM“). Auch deren Internetzahlen sind laut Andreas Kühner, Sprecher der ProSieben-Werbetochter SevenOne Media, „sensationell hoch.“ Die Show ist ebenfalls eine Woche nach der TV-Ausstrahlung online zu sehen. Der Webauftritt hat eher etwas mit Rundum-Freizeitbeschäftigung zu tun denn mit purer Glotzerei. Fans können „Model-Memory“ spielen, beim „Model-Quiz“ mitmachen, Model-Poster ausdrucken, über die Models mit anderen Fans in Foren quatschen - und schließlich auch mit den Models selber, nämlich im Life-Chat. Ein großer Teil von „GNTM“ findet also permanent im Netz statt. Praktisch für die Fans, schließlich ist nach Ablauf einer Staffel erstmal monatelanges Warten angesagt. Und wenn nach den Teilnehmerinnen der vergangenen Shows schon kein Hahn mehr kräht, informiert doch die Webseite ständig, was sich bei ihnen karrieretechnisch gerade so abspielt.
Dass das Internet das traditionelle Fernsehen eines Tages kannibalisieren könnte, glaubt Kühner dennoch nicht: „Wir hoffen, dass wir durch die Weitergabe unserer TV-Inhalte im Netz auch neues Fernsehpublikum gewinnen.“ Vor den Fernseher gezwungen werden können die Zuschauer laut Kühner nicht: „Es wird bei der kostenlosen Ausstrahlung unserer Unterhaltungsshows im Netz bleiben.“
Die Chefs des „Gossip Girl“-Senders The CW wollten es trotzdem mit Gewalt versuchen - und stellten die kostenlose Ausstrahlung der Folgen knallhart ein. Erfolglos, angesichts der vielen Möglichkeiten, an das „Gossip Girl“ auf andere Weise heranzukommen. Gegen die Maßnahme wurde rebelliert, kaum ein Jugendlicher mehr als zuvor setzte sich vor den Fernseher, die Einschaltquoten blieben konstant - und das „Gossip Girl“ läuft mittlerweile längst wieder online.
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