Erstellt 10.01.09, 19:58h, aktualisiert 11.01.09, 10:25h
"Das ist Fakt. Er wurde tot aufgefunden. Mehr kann ich nicht sagen. Die Ermittlungen laufen", sagte Polizeiführer Bernd Kopke am Abend auf sid-Anfrage. Die Managerin des Athleten, Kerstin Pohlers, erklärte, Herms' Schwiegermutter habe die Leiche gefunden.
Gegenüber ksta.de zeigte sich der ehemalige deutsche Spitzenlangstreckenläufer und Diplom-Trainer Thomas Eickmann (LAZ Troisdorf-Siegburg) erschüttert: "Alles deutet derzeit darauf hin, dass es hier zu einer Verkettung unglücklicher Umstände gekommen ist. Rene hat ja offenbar gerade einen Grippe hinter sich gehabt. Wenn eine Schädigung des Herzmuskels vorgelegen hat, dann kann auch die extreme Kälte ein Auslöser gewesen sein. Aber das ist reine Spekulation. Wir müssen die Untersuchungen abwarten." Ein permanentes Gesundheits-Kontrollsystem des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für Spitzenläufer gebe es nicht. "Das ist kaum machbar. Zu Hause ist jeder Athlet für sich selbst verantwortlich. Wer mit der Nationalmannschaft unterwegs ist, wird dann natürlich intensiv betreut. Außerdem werden mehrmals im jahr leistungsdiagnostische Untersuchungen vorgenommen."
Die in Hannover arbeitende Ehefrau, der Herms 2004 bei der DM in Braunschweig einen öffentlichen Heiratsantrag gemacht hatte, habe sich wegen des ausbleibenden Kontakts gesorgt und darauf ihre Mutter am Samstagmorgen um einen Besuch in der Wohnung gebeten. Der Notarzt habe die Kriminalpolizei eingeschaltet, die Leiche sei zur Obduktion freigegeben.
"Ich habe noch am Montag mit ihm die komplette Hallensaison abgestimmt. Es ging ihm gut, es war alles okay, außer, dass seine Nase noch ein wenig verschnupft war. Dies waren die Nachwirkungen einer Grippe, die er über Silvester hatte", sagte Pohlers.
Der Vereinsvorsitzende der LG Braunschweig, Bernhard Bröger, hat am Samstag eine offizielle Email versendet, die über den Tod von René Herms informierte. In der Stellungnahme des Vereins wird auf einen grippalen Infekt hingewiesen, der René Herms zuletzt geplagt haben soll. Eine Herzmuskelerkrankung und die Folgen könnten somit eine mögliche Todesursache gewesen sein, heißt es dort.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) reagierte zutiefst betroffen. "Das ist für die ganze Leichtathletik eine schockierende Nachricht. Es ist ein erdrückendes Gefühl, das kann man ganz schwer beschreiben. Jetzt liegt es an der Polizei, herauszufinden, was die Todesursache war", sagte Siggi Schonert, Teammanager der deutschen Nationalmannschaft.
Herms' früherer Trainer hatte am Donnerstagmittag noch telefonischen Kontakt zum Athleten. "Wir haben telefoniert, weil er mit meiner Trainingsgruppe in ein Trainingslager nach Kienbaum aufbrechen wollte", erklärte Klaus Müller.
Herms war von 2001 bis 2006 deutscher Meister über die 800 m sowie von 2002 bis 2007 Hallenmeister über dieselbe Distanz. 2003 wurde er U23-Europameister, 2004 erreichte Herms das Halbfinale der Olympischen Spiele in Athen.
Rene Herms hatte seine sportliche Laufbahn als Handballer begonnen und war erst 2000 von der 400-m-Strecke auf die doppelte Distanz gewechselt. Seit dem 1. Januar 2007 startete er für die LG Braunschweig.
(joe, sid, eb)
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