Von Christian Löer, 19.01.09, 09:24h, aktualisiert 20.01.09, 11:10h
Denn seit diesem Montag ist gewiss: Der 1. FC Köln hat es tatsächlich gekonnt und erneut ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen zu einem positiven Ende gebracht. Lukas Podolski, der verlorene Sohn der Stadt, wird sein bayrisches Exil nach der laufenden Saison verlassen und zum 1. Juli 2009 seine Arbeit beim 1. FC Köln wieder aufnehmen. Es ist der Abschluss eines monatelangen Millionenpokers und die größte Investition der Kölner Vereinsgeschichte.
Etwa zeitgleich hat sich Podolskis Management das Recht genommen, die Welt über den Wechsel des Nationalspielers in Kenntnis zu setzen. „Hallo Leute, ich habe mich mit dem 1. FC Köln auf einen Vertrag ab dem 1. Juli 2009 geeinigt“, wird Podolski auf seiner Internet-Seite in saloppen Worten zitiert. Wenig später bestätigen auch die beteiligten Klubs den Abschluss. Und obwohl es sich eigentlich nur noch um eine Vollzugsmeldung handelt, bleibt es eine Sensation.
FC-Trainer Christoph Daum spricht später von „einem weiteren Meilenstein“, und tatsächlich hat der 1. FC Köln in den vergangenen Jahren einen Weg des Wandels hinter sich gebracht. Den Sechziger, Siebziger und sogar Achtziger Jahren mit all den Titeln und Triumphen war eine Phase des Niedergangs gefolgt; Jahre, in denen Köln erst andere vorbeiziehen ließ und eines Tages den Anschluss an die Spitze verlor. Mit den Abstiegen begann der Verein, eine tiefe Abneigung gegen die Gegenwart zu entwickeln - und die Zukunft wurde zu etwas, das nicht hoffen ließ, sondern Angst machte. Der Klub flüchtete sich in die Wärme der guten, alten Zeit, in die Tradition.
Was irgendwann unter dem Begriff „Realitätsverlust“ als vermeintlicher Urzustand des 1.FC Köln firmierte, ist eigentlich ein zeitgenössisches Phänomen: Den melancholischen Blick zurück auf die Zeit der Größe und der alten Helden gibt es in Köln erst, seit der Erfolg ausbleibt. Erst aus dieser Haltung hat sich jener Personenkult entwickeln können, der es zuließ, dass ein Verein sämtliche Hoffnung in Namen aus der Vergangenheit investierte. Unter einem Präsidenten Wolfgang Overath, dem Weltmeister, dem Besten, den sie je hatten beim FC, müsste es doch möglich sein, den Weg zurück ans Licht zu finden. Doch beständiger Erfolg wollte sich nicht einstellen. Die Sehnsucht blieb.
Manager für das scheinbar Unmögliche
Der Chronologie folgend wünschten sich die Kölner darauf jenen Mann, mit dem sie Ende der Achtziger Jahre letztmalig um Titel gespielt hatten: Christoph Daum, den sie unter mysteriösen Umständen gefeuert hatten und der an schließend mit dem VfB Stuttgart und Bayer 04 Leverkusen die ganz große Bühne erobert hatte. Mittlerweile war auch Manager Michael Meier zurück beim 1.FC Köln, wo er seine Laufbahn begonnen hatte. Mit Meier hatte der FC seinen Mann für das scheinbar Unmögliche ge funden: Meier war verwegen genug, den ewigen Traum von Daum nicht bloß mitzuträumen, sondern erfüllen zu wollen. Dieser Meier würde später nicht zu eitel sein, als Manager eines Aufsteigers die Mission auf sich zu nehmen, einen aktuellen deutschen Nationalspieler von Bayern München zurückzuholen. Und genau so kam es.
Der 1. FC Köln stellt nun nicht nur eine in der ersten Bundesliga wettbewerbsfähige Mannschaft, der Verein bekommt zur nächsten Saison auch noch Lukas Podolski zurück. Die Lage hat sich gedreht: Die Gegenwart ist mindestens erträglich - und die Zukunft leuchtet rosarot. Die Träume sind fort. Nicht etwa, weil sie geplatzt sind. Sie sind wahr geworden. Gemeinsam ist den Rückkehrern, dass sie in der Fremde zwar Erfolge, aber auch schwere Rückschläge er lebt haben. Michael Meier, der Borussia Dortmund zwar zum Weltpokalsieger machte, den Verein aber auch an den Rand des Ruins führte. Und Christoph Daum, der auf dem Weg war, der nächste Bundestrainer zu werden, dann aber über eine Kokain-Affäre stürzte.
Und Podolski? Der wechselte als „Bester Nachwuchsspieler“ der WM 2006 zum FC Bayern München. Damals war er 21 Jahre alt. Noch ein paar Jahre mit den Münchner Superstars und er würde bereit sein für die große Karriere im Ausland. Podolski, ein deutscher Leistungsträger bei einem der großen Klubs in Spanien, Italien oder Eng land. Doch daraus wurde nichts. Zwar gewann er Titel mit den Bayern und spielte eine gute Europameisterschaft. Doch man hatte ihm mehr zugetraut. Der Nationalstürmer hat die Hoffnungen nicht erfüllt. Jetzt will er zeigen, dass es nicht an ihm gelegen hat.
Podolskis Rückkehr bedeutet einen letzten Haken auf der Liste. Einen Torwarttrainer Toni Schumacher wird es nicht geben, außerdem ist ja Weltmeister Thomas Hässler schon Techniktrainer. Was aus der glorreichen Vergangenheit in die Zukunft zu holen war, ist da. Man wolle nun „zur Tagesordnung zurückkehren“, hat Christoph Daum am Montagmorgen gesagt, das klingt nach ehrlicher, unglamouröser Trainingsarbeit. Das ist ein schönes Vorhaben, aber vielleicht auch ein bisschen viel verlangt. Richtig zur Ruhe kommen soll ein Klub wie der 1.FC Köln ja gar nicht. Am Ende ist der FC immer noch ein Profi-Fußballverein, der seine Heimspiele vor 50.000 Zuschauern in einem tosenden Stadion aus Glas und Stahl austrägt. Die ganz große Show ist nichts, das es zu verhindern gilt. Sie ist der Zweck des Ganzen. Jedenfalls der eine.
Stolz auf die Vergangenheit
Der andere ist sportlicher Erfolg. Die Heimkehr von Lukas Podolski mag den 1. FC Köln mit der Gegenwart versöhnt und die Zukunft zu einem Ort gemacht haben, an dem es sich aushalten lässt. Die Wünsche nach Personen sind erfüllt, der 1. FC Köln könnte nun ein ganz normaler Traditionsverein werden, der stolz ist auf seine Vergangenheit, statt ihr nachzutrauern. Nun sollen diese Personen gemeinsam handeln, damit am Ende ein 1. FC Köln steht, der nicht nur im Verwirklichen von Träumen ganz vorn dabei ist. Sondern auch im Mannschaftssport Fußball. Denn auf diesem Sektor sind noch Wünsche zu erfüllen.
Daran arbeitet Christoph Daum am Montagmorgen auf dem Rasen platz in Belek. Scheinbar stoisch, doch die Gedanken des Trainers sind auch bei Lukas Podolski, der aus der Champions League zurückkam an den Ort seiner ersten Erfolge. Wie er selbst. „Natürlich sehe ich Parallelen“, sagt Daum, er hat es ja an der eigenen Seele erlebt. Er weiß um die Anziehungskraft des 1. FC Köln. „Wen dieser Verein einmal in sein Herz geschlossen hat, den lässt er nicht mehr heraus.“
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tatsächlich: prima!
21.01.2009 | 11.22 Uhr | wasauchimmer
Ohne die letzten Kommentare wäre es mir gar nicht aufgefallen - vielleicht auch, weil an diesem Artikel im Nachhinein noch sehr, sehr viel geändert…
Wer bitte ist Podolski?
20.01.2009 | 17.43 Uhr | Black Cat
Lieber KStA,
tickt ihr eigentlich noch ganz richtig?! In der heutigen Ausgabe des KStA auf mindestens sechs (!!) Seiten das Thema Podolski in…
Respekt!
20.01.2009 | 16.14 Uhr | nehsog
Sensationeller Artikel Herr Löer! Nachdem ich mich in der Vergangenheit häufig über von Ihnen verfasste Berichte aufgeregt habe, musste dies nun…
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