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Patrick McGoohan tot

Nummer 6 lebt

Von Christian Bos, 15.01.09, 20:30h, aktualisiert 16.01.09, 00:44h

Der britische Hauptdarsteller und Erfinder der 60er-Jahre Serie "The Prisoner" verstarb im Alter von 80 Jahren in Los Angeles. Obwohl er häufig Spione spielte, lehnte er das Angebot ab, Sean Connery als James Bond-Darsteller zu beerben.

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Patrick McGoohan Mitte der 60er Jahre in "Secret Agent" (Foto: AP)
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Patrick McGoohan Mitte der 60er Jahre in "Secret Agent" (Foto: AP)
Es gibt nicht wenige Menschen, die halten die Fernsehserie für die momentan lebendigste Kunstform. Amerikanischen Bezahlsendern und DVD-Verkäufen sei Dank, erblühte in den vergangenen Jahren die serielle Erzählung zu großen Familiensagen („Die Sopranos“), vielstimmigen Städtepanoramen (wie etwa Barack Obamas Lieblingsserie „The Wire“) und ausgetüftelten Mystery-Erzählungen („Lost“). Natürlich sprießt nichts einfach so aus dem Boden. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, gerade auf Shows wie „Lost“, hatte die kurzlebige britische Serie „The Prisoner“. In Deutschland lief sie unter dem Titel „Nummer 6“ Ende der 60er Jahre im ZDF.

An diesem Dienstag starb der exzentrische Hauptdarsteller und Erfinder der Serie Patrick McGoohan im Alter von 80 Jahren in Los Angeles. McGoohan war der bestbezahlte britische Fernsehschauspieler, als er 1966 seinem Produzenten sein Konzept um einen aus dem Dienst geschiedenen Geheimagenten, der in ein als Seekurort getarntes Hochsicherheitsgefängnis entführt wird, vorlegte.

Zuvor hatte McGoohan jahrelang in „Danger Man“ („Geheimauftrag für John Drake“) einen konventionellen Spion gespielt. Davon hatte der starrköpfige Katholik - der durchsetzte, niemals eine Kussszene spielen zu müssen - genug. Sogar das Angebot, Sean Connery als James Bond abzulösen, lehnte McGoohan ab. Stattdessen nutzte der irischstämmige Schauspieler für „The Prisoner“ Versatzstücke aus Science-Fiction, Spionageromanen und dem psychedelischen Geist der Zeit, um komplexe Allegorien über die Freiheit des Menschen auf den Bildschirm zu bringen. „Ich bin keine Nummer - ich bin ein freier Mensch“, ruft McGoohan als „Nummer 6“ zu Anfang jeder Folge aus.

„The Prisoner“ gelang es trotz seiner gerade mal 17 Episoden eine bewusst rätselhafte, dennoch stets überzeugende Welt zu erschaffen, über deren Interpretation noch heute täglich in Internet-Foren gestritten wird. McGoohan mag tot sein, Nummer 6 lebt. Gerade ist eine Neuinterpretation der Serie mit Ian McKellen abgedreht worden.

Vielen Fernsehkritikern gilt „The Prisoner“ als das erste Meisterwerk des Mediums. Für Gastregisseure hinterlegte McGoohan eine 40-seitige „Bibel“, die genaue Vorgaben zum Design und zu den Hintergründen der „Prisoner“-Welt gab, bis hin zur Lage des Abwassersystems. Soviel Gründlichkeit zahlt sich aus: „The Prisoner“ überzeugt noch heute als Fiktion. Ohne Nostalgiebonus. Patrick McGoohan hat die Zukunft der Serie erahnt.



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