Von Thomas Wüpper, 16.01.09, 23:08h
Zweifel daran sind angebracht. Der Weltagrarbericht, verfasst von 400 Wissenschaftlern im Auftrag der Weltbank und der Unesco, stellte im vorigen Jahr eindrucksvoll klar, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann. Das Fazit der Experten lautet ganz anders als Aigners Vorgabe: Entscheidend im Kampf gegen den Hunger sind gerade nicht noch mehr Wachstum und Produktivität. Entscheidend ist vielmehr, dass Produktions- und Lebensmittel dort vorhanden sind, wo sie gebraucht werden. Besonders regionale, kleinbäuerliche Strukturen sollten daher gezielt gefördert werden.
In der Praxis passiert seit Jahrzehnten zumeist das Gegenteil. Wachsen oder weichen - so lautet bis heute das Motto in der Agrarbranche. Den Welthandel, seine Regeln und die Subventionspolitik bestimmen die reichen Industrieländer und ihre mächtige Agrarindustrie. Immer größere Agrarfabriken, Chemie- und Düngerhersteller, Gentechnikfirmen, Fleisch- und Molkereikonzerne lassen kleinen regionalen Anbietern immer weniger Raum.
Deutschland hat Weltagrarbericht nicht unterzeichnetDeutschland hat, anders als sechzig andere Staaten, den Weltagrarbericht bis heute nicht unterzeichnet und sich nicht einmal daran beteiligt. Etwa weil darin die Benachteiligung der Entwicklungsländer durch die bisherige Politik, die hohe Belastung von Klima, Boden und Wasser durch die Agrarkonzerne, ungeschminkt benannt und nüchtern analysiert werden, ebenso wie übrigens die Sackgasse der Gentechnik? Wer den Hunger in der Welt wirklich nachhaltig bekämpfen will, darf nicht nur Fensterreden halten, sondern muss umdenken und neue Wege gehen. Politik von gestern hilft nicht weiter. Fairer Welthandel, regionale Produktion, Umwelt-, Klima- und Tierschutz müssen ganz oben stehen. Die Agrarminister könnten viel bewegen. Sie müssen nur wollen.
Bester Ansatzpunkt wären die 50 Milliarden Euro Steuergeld, die jedes Jahr allein in der Europäischen Union an die Landwirtschaft verteilt werden. Man könnte die unsinnige Förderung von Biosprit und unfaire Exportsubventionen streichen, Zuschüsse viel strenger an soziale und ökologische Vorgaben knüpfen. Damit wäre vielen regionalen Erzeugern rund um den Globus schon geholfen. Und weniger Menschen müssten hungern, weil Essen fehlt oder kaum noch bezahlbar ist.
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