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Kommentar - Podolski-Wechsel

Die Welt im Wandel

Von Karlheinz Wagner, 20.01.09, 00:02h, aktualisiert 20.01.09, 08:36h

Während Lukas Podolski seit seinem Wechsel zum FC Bayern fußballerisch stagnierte, hat sein ehemaliger künftiger Klub seit 2006 aufgerüstet - der FC ist jetzt ein Verein von nationaler Ambition.

Als Lukas Podolski, beinahe aus dem Nichts kommend, die große Bühne des Fußballs, nein, nicht betrat, sondern stürmte, da passten die Dinge nicht recht zueinander. Jeder, der zum Beispiel am 7. März 2005 Podolskis sensationellen Heber über den Torwart hinweg zum 3:0 gegen den 1. FC Saarbrücken gesehen hatte, ahnte, dass ein Spieler dieser Klasse seine Kollegen und den Klub dahinter um eine oder zwei Dimensionen überragte. Was da immer wieder zu sehen war, das war Fußball der Kategorie Schewtschenko und Ronaldo - höchstes Tempo, Technik im Überfluss und ein geradezu naiv-strikter Wille zum Torerfolg. So einer, das war offenkundig, kann und wird nicht beim 1. FC Köln bleiben.

Weil die Dinge so eindeutig waren, geschah etwas Rares, als sich die Meldungen über einen bevorstehenden Wechsel des Spielers zum FC Bayern verdichteten. Die Fans und Freunde des 1. FC Köln entwickelten so etwas wie Fremd-Stolz: Toll, dass dieser Podolski von „unserem“ FC eine so große Nummer ist und ja vielleicht, wartet nur ab!, noch viel größer wird. Selten noch ist ein Spieler mit einem solch aufrichtigen Mix aus Verständnis und Sympathie von einem Klub zum anderen verabschiedet worden. Die Kleinen winkten dem Großen hinterher, verbunden mit den besten Wünschen. Ein Wiedersehen würde es nicht geben, jedenfalls nicht in dieser Welt.

Dass das Wiedersehen jetzt beschlossene Sache ist, zeigt vor allem eines: Diese Welt hat sich verändert und die handelnden Parteien gleich mit. Lukas Podolski hat beim FC Bayern zu keiner Zeit das Versprechen eingelöst, das er der großen Fußball-Welt als Kölner gegeben hatte. In der Show-Branche gibt es zum Zweck des endgültigen Qualitätsnachweises die Stadt New York und den Broadway: „If I can make it there, I'll make it everywhere“ hat Frank Sinatra gesungen - wenn ich es dort schaffe, schaffe ich es überall. Und wer es nicht schafft, der ist eben eine Nummer zu klein.

Mit Podolskis Stagnation einher ging allerdings auf der anderen Seite die zielstrebige und mutige Aufrüstung des 1. FC Köln zu einem Klub von, sagen wir, nationaler Ambition. Ein Podolski mit einer Entwicklung in Richtung Real Madrid oder Manchester United wäre für den FC selbstverständlich immer noch unerschwinglich gewesen. Die Gunst der schwächelnden Stunde jedoch ermöglichte dem Klub den beherzten Zugriff in eine Sphäre knapp jenseits der eigentlichen Reichweite. Da wächst zusammen, was gerade und vielleicht nur in diesem Moment zusammenpassen könnte.

Das hat der 1. FC Köln gut gemacht. Der Rest ist dann wieder Fußball. Und der schreibt seine eigenen Geschichten.



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