Von Philipp Sümmermann, 22.01.09, 18:58h, aktualisiert 23.01.09, 14:23h
Früher Abend in der Kölner Südstadt: Auf den ersten Blick wirken die in dem Café Sitzenden wie ein ganz normaler Stammtisch. Die zumeist männlichen Besucher unterhalten sich angeregt, Neuankömmlinge werden per Handschlag begrüßt. Erst beim zweiten Hinsehen fallen die vielen Laptops und Handys auf. „Wie lautet nochmal der Schlüssel fürs W-Lan?“, ruft einer durch den Raum. „Was, Du hast kein UMTS?“, erwidert jemand lachend aus einer anderen Ecke des „Spielplatz“.
Die Begeisterung für Technik ist den rund 40 Versammelten beim „Webmontag“ anzumerken. Bei dieser Mischung aus Stammtisch und Konferenz trifft sich die Kölner Internetgemeinde, um hier ihre neuesten Projekte vorzustellen. Seit 2005 gibt es die Veranstaltung in Deutschland, das Kölner Treffen war das Erste.
„Wir wollen mit unserer Seite Berufspendlern die Möglichkeit geben, Mitfahrer zu finden“, erzählt Carolin Mertens. Sie steht vorne am Beamer, um eine Online-Mitfahrzentrale vorzustellen. „Pendla.de vermittelt dabei den Kontakt, auf einer Karte kann man Angebote aus der Region sehen.“
Ursprünglich stammt die Idee zum Webmontag aus den USA, im Silicon Valley trafen sich die ersten Enthusiasten zum Gedankenaustausch. Die kalifornische Gegend ist weltweit das Symbol für technische Entwicklung. Wie Hollywood für die Filmbranche steht, so ist das Tal Synonym für die Computerbranche.
Larry Page und Sergey Brin, zwei junge Studenten, gründeten dort im September 1998 ein Unternehmen, welches die Welt erobern sollte: Google. Facebook, mit einem geschätzten Wert von 15 Milliarden Dollar das wichtigste soziale Internetnetzwerk der Welt, hat ebenfalls seinen Hauptsitz in der Region. Der Gründer Mark Zuckerberg ist mittlerweile 24 Jahre alt.
Es sind solche Erfolgsgeschichten, die die Internetgemeinde beflügeln. Träume vom Durchbruch mit der eigenen Idee, dem globalen Erfolg. Der Begründer des deutschen Webmontags, Tim Bonnemann, lebt und arbeitet im kalifornischen San José, er brachte mit der Veranstaltung einen Teil der Kultur nach Deutschland.
Die Offenheit der Veranstaltung ist Grundgedanke des Webmontags. Der Termin wird im Internet bekannt gegeben, dort organisiert sich auch das Programm. Wer etwas vorstellen möchte, trägt dies ein. Wer teilnehmen will, setzt sich auf die Liste. Alles ist unverbindlich, Eintritt oder Anmeldepflicht gibt es nicht. Reden kann jeder, das Mikrofon steht allen zur Verfügung.
Pendla.de ist ein neues Projekt, mit ihrem Vortrag möchte Carolin Mertens es der Öffentlichkeit bekannt machen. Fünf Minuten Zeit hat sie für die Präsentation, vier Stück wird es an diesem Abend geben. Im Anschluss an jeden Vortrag gibt es die Gelegenheit zu Fragen. „Was ist das Geschäftsmodell?“, ist die wohl häufigste. Denn neben großen Ideen geht es auch um deren Finanzierung. „Es ist bekannt, dass regelmäßig Venture Capital-Leute zum Webmontag kommen“, berichtet René Bredlau, der seit dem ersten Mal dabei ist und die Abende moderiert. Nicht jede Idee hat Erfolg im Web, viele Firmen gehen schnell wieder unter. Einige wenige schaffen es aber, ihr Erfolg ist umso größer. „Venture Capital“, Wagniskapital, wird daher die Investition in ein „Startup“, eine junge Firma, genannt. Die Geldgeber kaufen Beteiligungen, am Erfolg der Firma sind sie somit direkt beteiligt. „Gespräche mit Geldgebern haben sich hier schon angebahnt“, so Bredlau. Gleich mehrmals haben Leute beim Webmontag eine neue Stelle gefunden. Die Branche ist weiterhin im Wachstum, an dem Abend gibt es wieder drei Arbeitsangebote für Programmierer.
David Neu geht es bei seiner Demonstration nicht um Geld. Sechs Tage ist der 24-Jährige mit dem Fahrrad durch den Oman gefahren, seine Reiseroute speicherte ein Satellitenempfänger. An dem Abend stellt er vor, wie er die Strecke grafisch am Computer ausgewertet hat. Auf einer Karte ist seine Fahrstrecke zu sehen, ein Höhenprofil zeigt den Schwierigkeitsgrad. „Wer Interesse hat, kann das Programm gerne haben“, bietet er an. Bei ihm steht der Spaß an der Entwicklung im Vordergrund.
Spaß, darin sind sich alle einig, ist das Wichtigste. Und den Traum vom Durchbruch des eigenen Projekts sollte man nie aufgeben . . .
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