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Recycling-Kunst

Träumen unterm „Jaffa“-Himmel

Von Susanne Hengesbach, 22.01.09, 18:58h

Taschen aus indonesischen Waschmitteltüten, Lampenschirme aus Strohhalmen und Paravents aus Blechresten: Die Verfremdung von Alltagsgegenständen ist das Thema im ehemaligen Ehrenfelder Güterbahnhof zur IMM.

Himmelbett
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Ulla Kather hatte die Idee vom Himmelbett aus Obstkisten und Schrubbtuch-Vorhängen. (Bild: Grönert)
Himmelbett
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Ulla Kather hatte die Idee vom Himmelbett aus Obstkisten und Schrubbtuch-Vorhängen. (Bild: Grönert)
Ehrenfeld - Die Verfremdung von Alltagsgegenständen ist das Thema im ehemaligen Ehrenfelder Güterbahnhof.

Manfred Breuersbrock hat es sich mit der Beschaffung seines Kunstmaterials wahrlich nicht leicht gemacht. Öl auf Leinwand, das kann ja (fast) jeder, dachte sich der Kölner Künstler, aber Bilder aus Rohöl machen? Allerdings war es gar nicht so einfach, an diesen sowohl wertvollen als auch gefährlichen Rohstoff heranzukommen. „Die Herren Shell und BP haben mir natürlich einen Vogel gezeigt“, erzählt der 50-Jährige, dessen Bilder nun an einer der spannendsten „Passagen“-Standorte zu sehen sind: beim Ehrenfelder Verein für Beschäftigungsförderung „Jack in the Box“, Vogelsanger Straße 231.

Also musste Breuersbrock anderweitig nach „Farbe“ für seine Bilder suchen. Und das tut er konsequent. Wo immer sich auf einem der Weltmeere eine Ölkatastrophe ereignet, wie etwa 2001, als die „Baltic Carrier“ vor Dänemark havarierte, reist der Künstler los, um die Kernsubstanz seiner Bilder direkt aus dem Wasser zu schöpfen. Er „malt“ seine Bilder nicht mit dem Pinsel, sondern benutzt Spachtel oder Konditortüllen, um die zuvor aufgekochte schwarze Masse flächig zu verteilen.

Recycling, also die Wiederverwertung von Materialien oder die Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen, ist Thema bei allen Künstlern, die sich ihm Rahmen der IMM in der Werkhalle des ehemaligen Güterbahnhofs Köln-Ehrenfeld präsentieren. Da wäre die Hamburger Manufaktur „Lockengelöt“, die das klassische Schlüsselbrett ablöst, indem sie ausgemusterte Bücher verschließt, mit Haken versieht und im durchnieteten Zustand an die Wand bringt. Da ist Sibylle Hansen, die Taschen aus indonesischen Waschmitteltüten, Lampenschirme aus Strohhalmen und Paravents aus Blechresten herstellt, die bei der Dosenproduktion abfallen. Da steht die Neusser „Lichtkanzlei“, in Gestalt von Horst Baur und Frank Bufler, die in Origami-Technik aus Papierbögen Lampenschirme falten, und da ist Ulla Kather, die Möbel aus „Jaffa“-Kisten herstellt und sich darüber wundert, wie wenig Menschen sich heute noch an das 70er-Jahre-Studentendesign erinnern. Ganz so schmucklos wie seinerzeit sind die Exponate von Kather jedoch nicht. Ihre hinreißende Himmelbett-Kreation mit Vorhängen aus aneinandergenähten Aufnehmern zum Putzen dürfte nicht nur Nostalgiker begeistern. Am 23. und 24. Januar gibt es bei „Jack in the Box“ ab 20 Uhr Live-Konzerte.



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