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Mässige Parodie

Wirft die ARD Oliver Pocher raus?

Von Jan-Philipp Hein, 28.01.09, 13:48h

Im Internet können derzeit Wetten auf die berufliche Zukunft von Oliver Pocher abgegeben werden. Vor einigen Monaten war es das Nazometer, das die Mitglieder des ARD-Rundfunkrates in Wallung brachte - nun nimmt der SWR-Rundfunkrat Anstoß an Pochers Cruise-Stauffenberg-Parodie.

Oliver Pocher
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Comedian Oliver Pocher agiert in der ARD-Sendung "Schmidt & Pocher" am Donnerstag Stauffenberg-Uniform. (Bild: dpa)
Oliver Pocher
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Comedian Oliver Pocher agiert in der ARD-Sendung "Schmidt & Pocher" am Donnerstag Stauffenberg-Uniform. (Bild: dpa)
Volker Stich, Vorsitzender des Landesrundfunkrates Baden-Württemberg, erklärte noch dazu, dass er froh über das anstehende Ende von „Schmidt & Pocher“ sei: „Wir sind absolut unzufrieden mit dem Format.“ Nun endet die Zusammenarbeit mit Harald Schmidt ohnehin im April, mit einem vorzeitigen Rausschmiss ist nicht zu rechnen. Aber am Ende wird man Pocher doch dankbar sein. Die Reaktion der SWR-Rundfunkräte bestätigt nämlich die Befürchtung, dass manche Gremienmitglieder ihren Job bisweilen recht frei interpretieren.

Ob die Stauffenberg-Nummer nun den Rundfunkräten gefällt oder nicht, ist nämlich völlig irrelevant. Das Gremium hat Programmverstöße zu ahnden, keine Geschmacksurteile abzugeben. Am 27. März soll Pochers Satire erneut Gegenstand der SWR-Rundfunkratssitzung sein. Das dürfte ausgehen wie das Hornberger Schießen. Denn auch Rundfunkrätin Therese Wieland, die Pocher ebenfalls „niveaulos“ findet, kann keinen Programmverstoß erkennen.

Doch das Ansinnen der Kontrollstelle wirft durchaus ein Licht auf die Vorgänge der nächsten Wochen. Da sollen die Rundfunkräte, nicht nur der des SWR, nämlich Schiedsrichter sein, wenn es um neue Programm-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender geht. Nach einer heftigen Debatte um den Online-Auftrag von ARD und ZDF machte der neue Rundfunkstaatsvertrag die Räte zur Genehmigungsinstanz. Sie sollen in einem „Drei-Stufen-Test“ die Zulässigkeit öffentlich-rechtlicher Angebot prüfen. Privatsender und Zeitungsverlage fürchten nicht von Ungefähr, dass die Räte dafür nicht unabhängig genug sind.

In den Intendanzen aber machen sich auch Befürchtungen breit. „Da träumt schon mancher von einem Zimmer neben dem Intendanten“, scherzte der vormalige ARD-Vorsitzende Fritz Raff noch im Dezember, und erklärte: „Manch ein Rundfunkrat glaubt, er könne jenseits der Mauer fressen", will sagen: Die Rundfunkräte könnten den Ehrgeiz entwickeln, selbst Programmdirektor zu spielen, indem sie Vorgaben und Bedingungen an neue Projekte knüpfen, was letztlich einem Eingriff in die Auto nomie der Programmdirektionen gleichkäme.

Ungewisser Verlauf

Nun wird man gespannt sein, welchen Verlauf die Geschmacksdebatte um Pocher nehmen wird. Wenn die Räte den Intendanten nahe legen, nun Pocher aus der ARD zu werfen, und die partout auf ihrem Quotenbringer beharren wollen, wie man bei ARD-Programmdirektor Volker Herres vermuten darf, könnten sich die Gremien an anderer Stelle dafür revanchieren: Überall dort, wo ihre Stimmen bei Personalbesetzungen oder Haus halten gebraucht werden. Vielleicht sollten Schmidt & Pocher am Ende mal einen Drei-Stufen-Test parodieren - als Lackmustest für die Gremien.

Die Internet-Buchmacher bieten indes mehrere Wetten an: 1. Pocher geht nach regulärem Ablauf des Vertrages zu einem Privatsender; 2. Er wird Sportdirektor bei Hannover 96; 3. Er wird Zeugwart bei den Hannoveranern. Sollte Pocher noch vor Jahresende 2010 beim ZDF Nachfolger von Thomas Gottschalk werden, gäbe es für jeden darauf gesetzten Euro sogar 20 Euro zurück. Eine fünfte Variante fehlt noch: Der WDR produziert einen Piloten für eine neue Pocher-Sendung. Mal sehen, wie die Gremien reagieren.



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