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Brand-Interview

„Es hat eben nicht gereicht“

Von Jörg Hanau, 28.01.09, 19:55h

Heiner Brand hat bsilang eine aufreibende WM hinter sich gebracht. Jetzt geht es noch um den fünften Platz. Im Interview spricht der Gummersbacher über Niederlagen, Schiedsrichter und den Stolz auf die Leistungen des neuen Teams.

Heiner Brand
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Gegen Dänemark ohne Faust, aber resigniert: Heiner Brand. (Bild: afp)
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Gegen Dänemark ohne Faust, aber resigniert: Heiner Brand. (Bild: afp)

HERR BRAND, wie tief sitzt die Enttäuschung, so knapp vor dem Halbfinale ausgeschieden zu sein?

HEINER BRAND: Natürlich ist die Enttäuschung groß. Wir waren vier Mal in diesem Turnier am Halbfinale dran, haben es aber nie geschafft, den Sack zuzumachen.

Beinahe wären Sie ja noch als lachender Dritter in die Runde der besten vier Mannschaften eingezogen, hätten die Polen nicht fünf Sekunden vor Schluss den Siegtreffer zum 31:30 gegen Norwegen erzielt.

BRAND: Das hätte nicht in dieses Turnier hineingepasst, wenn wir plötzlich Glück gehabt hätten. Aber ich habe eh nicht daran geglaubt, dass wir über diesen Umweg ins Halbfinale kommen könnten. Auch wenn es am Ende sehr knapp war.

Welche verpasste Chance schmerzt Sie am meisten?

BRAND: Alle tun gleich weh. Nach dem Unentschieden gegen Serbien, sagt man sich zwar, „okay, wir haben ja noch zwei Chancen.“ Schließlich waren wir mit 4:0 Punkten in die Hauptrunde gegangen. Es hat aber nicht gereicht. Jetzt spielen wir gegen Ungarn um Platz fünf - das ist auch ein hervorragendes Ergebnis für uns.

Sie sind nach dem verlorenen Spiel gegen Norwegen mit erhobener Faust auf den Schiedsrichter losgestürmt. Hat diese Aktion Ihnen und Ihrer Mannschaft geschadet? Sie wurde bestimmt in der Internationalen Handball-Föderation diskutiert.

BRAND: Daraus haben die bestimmt ein Thema gemacht, die wissen ja was wichtig ist im Welthandball.

Klingt, als seien Sie noch immer ziemlich angefressen. Fühlen Sie sich bei der WM um etwas Großes betrogen?

BRAND: Was heißt was Großes? Wir wären ins Halbfinale gekommen, das wäre sicherlich etwas überragendes gewesen mit dieser Mannschaft. Aber ob es dann gereicht hätte, um ins Finale zu kommen, bleibt die Frage. Bei der Überlegenheit der Franzosen und der Kroaten wäre ein weiteres Vordringen sehr schwierig gewesen. Aber ein Halbfinale zu erreichen, wäre schon etwas Großes gewesen. Was die Leistung der Mannschaft aber nicht einschränkt. Was die gegen Dänemark geleistet hat, war auch was ganz Großes.

Es wurde nicht nur nach den Spielen über die Schiedsrichter geschimpft, sondern auch während der 60 Minuten. Es schien phasenweise, als würden Ihre Spieler beinahe über jede Entscheidung mit den Referees diskutieren. Finden Sie das gut?

BRAND: Mir ist das erst gar nicht so aufgefallen, ich bin aber nach dem Spiel gegen Dänemark unter anderem von Kurt Klühspies darauf angesprochen worden. Ich habe das sofort in der Mannschaftssitzung angesprochen, und wir werden das auch abstellen. Ich will eine disziplinierte Truppe, die sich aufs Spiel konzentriert und nicht auf Diskussionen mit den Schiedsrichtern. Wer sich nicht daran hält, bekommt notfalls Härte zu spüren. Es geht nicht, dass wir uns wegen Meckerns Gelbe Karten abholen.

Sind die Nachfolger der so genannten „goldenen Generation“ schon weiter, als Sie gedacht hätten?

BRAND: Wenn man schon diesen Vergleich anstellt, darf man nicht vergessen, dass ein Volker Zerbe erst mit 33 Jahren seine erste Medaille gewonnen hat. Christian Schwarzer war 29, Klaus-Dieter Petersen war auch fast 30. Diese goldene Generation hat auch einige Zeit gebraucht, bis sie da oben stand. Die jetzige Generation ist zwar schon relativ weit, ansonsten waren größere Schwankungen zu sehen, die aber völlig normal sind. Zumal Michael Kraus zu Beginn und am Ende des Turniers nicht dabei war und auch Pascal Hens nach seiner langen Verletzungspause Probleme hatte. Es hat nur wenige in Handball-Deutschland gegeben, die dem Rest dieser Truppe so eine Leistung zugetraut hätte. Aber es muss jetzt eine weitere Entwicklung folgen. Man sieht doch, wie viele Mannschaften auf einem Level spielen. In unserer Gruppe die Dänen, Norweger, Polen und Serben, in der anderen Gruppe die Ungarn, Schweden und die Slowaken. Alle auf Augenhöhe. Die anderen holen auch auf. Die Österreicher bauen gerade für die Heim-EM 2010 eine gute Mannschaft, die Schweiz wird immer besser.

Klingt, als hätten Sie Angst, der deutsche Handball könnte mittelfristig den Anschluss verlieren.

BRAND: Die WM hat gezeigt, welch enormes Potenzial im Handballsport liegt. Die Einschaltquoten bei RTL haben gezeigt, dass da sehr viel zu bewegen ist mit der Nationalmannschaft. Damit sind vor allem die Bundesligaklubs und den Manager angesprochen. Die Schwenkers und Holperts, die sich doch sehr auf Distanz halten. Aber da sind auch die Zuschauer angesprochen, die Geduld für junge deutsche Spieler entwickeln müssen, und die Schiedsrichter, die sich solidarisch mit der Nationalmannschaft zeigen müssen und nicht nur an sich selbst denken. Nur so können wir in Zukunft wieder eine Supermacht im Handball werden.

Wie geht es jetzt für diese Mannschaft weiter? Bleibt Sie so zusammen, oder werden Sie Veränderungen vornehmen?

BRAND: Mit dem Großteil dieser Spieler lohnt es sich, weiterzuarbeiten. Sie haben gezeigt, was in Ihnen steckt. Es werden aber auch neue Spieler berufen, ich werde den Konkurrenzkampf hochhalten.

Nennen Sie mal ein paar Namen . . .

BRAND: . . . am Kreis sicherlich Manuel Späth, den ich hier schon im Auge hatte. Auf Linksaußen wird Uwe Gensheimer wird dazukommen. Im Rückraum haben wir Sven-Sören Christophersen und Andreas Rojewski, um den Konkurrenzkampf anzufachen oder gewappnet zu sein, wenn Pascal Hens oder Holger Glandorf mal was passiert.

Die Entdeckung des Turniers dürfe für Sie Martin Strobel gewesen sein.

BRAND: Martin hat sich als 22-Jähriger bei diesem Turnier sehr gut entwickelt. Er hat sich stetig verbessert, ich hoffe, dass seine Entwicklung so weitergeht. Aber wir brauchen mehr Spieler, die in jungen Jahren auch in der Bundesliga Verantwortung übernehmen dürfen. Es kann nicht sein, dass einer wie Michael Müller erst mit 24 Jahren in die Bundesliga kommt. Der nimmt jetzt natürlich eine schöne Entwicklung, aber er könnte auch schon weiter sein.

Kann sich Ihre Mannschaft noch einmal motivieren, um sich am Donnerstag gegen Ungarn mit einem Erfolgserlebnis aus dem Turnier zu verabschieden?

BRAND: Die Mannschaft wird mit Leidenschaft in dieses Spiel gehen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden alles aus den Körpern herausholen. Das sind wir unseren Fans und dem deutschen Handball schuldig. Ich kann aber nicht versprechen, dass wir gewinnen. Wir haben jetzt schließlich acht Spiele am Limit gespielt. Das schlaucht.

Das Gespräch führte Jörg Hanau.



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