Schriftgröße

Fußball-Fans

Rechte Symbole im Stadion

Von Simon Müller, 29.01.09, 15:01h, aktualisiert 29.01.09, 20:58h

Zu sehen sind sie auf rechtsextremen Demos oder Konzerten - und immer öfter auch in Fußballstadien: Rechte Modemarken wie „Thor Steinar“ oder „Consdaple“. Inwieweit der 1. FC Köln davon betroffen ist, wurde am Mittwochabend im Rheinenergie-Stadion diskutiert.

Neonazi
Bild vergrößern
Rechte Symbole und Kleidungsmarken halten auch in Fußballstadien Einzug. (Bild: ddp)
Neonazi
Bild verkleinern
Rechte Symbole und Kleidungsmarken halten auch in Fußballstadien Einzug. (Bild: ddp)
Köln - Gedränge im „Treffer“, dem Fantreffpunkt in den Katakomben der Nordkurve. Etwa 80 Zuhörer lauschen Michael Weiss. Weiss ist Experte für Jugendkulturen beim Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) und beobachtet, wie rechte Modemarken zunehmend in den Markt Fußball vorstoßen. „Das ist für die ein großes Geschäft“. Auf etwa zehn Millionen Euro schätzt er die jährlichen Umsätze rechter Bekleidungsfirmen.

Beim Design der Klamotten bedienen sich die Hersteller bei Symbolen und Begriffen, die im Nationalsozialimus verwendet wurden. Das Logo von „Thor Steinar“, eine Rune, wurde wegen Ähnlichkeit zu nationalsozialistischen Symbolen gerichtlich verboten. Die Firma reagierte, indem sie das Logo leicht bearbeitete. Weiss: „Die Symbole werden so verändert und chiffriert, dass sie nicht eindeutig erkennbar sind.“ Zumindest für Außenstehende. Fast alle Träger würden die Bedeutung genau kennen und diese ganz bewusst mit ihrem Äußeren vermitteln wollen. In den entsprechenden Kreisen würden die Botschaften schließlich auch codiert verstanden. „Ein rechts angehauchter 16-Jähriger aus dem Kölner Umland erkennt dann im Stadion ganz leicht seine Gesinnungsgenossen und kann sich ihnen anschließen.“

Mit der Frage nach der Situation im Rheinenergie-Stadion begann die Diskussion. „Bei uns im Stadion sind mir solche rechten Kleidungsstücke noch nicht im großen Stil aufgefallen“, sagte Udo Litjens, Sicherheitsbeauftrager beim FC. Felix Schorre vom Fanclub „Wilde Horde“ und Holger Richter vom Dachverband der aktiven Fanclubs bestätigten, dass unter Kölner Fans Rechtsextreme nur vereinzelt zu finden seien. Andere Eindrücke hingegen hat eine Zuhörerin, selbst regelmäßig im Stadion: „Vor allem in der Nordkuve gibt es eine ganze Gruppe von Rechten“. Dass das Wort „Jude“ als Beschimpfung verwendet werde, falle ihm auf der Tribüne häufig auf, sagte ein anderer.

Unterschiedliche Ansichten auch bei der Frage, ob ein Verbot von „Thor Steinar“-Kleidung sinnvoll wäre. „Wenn man eine Firma verbietet, kommt sofort die nächste auf den Markt. Irgendwann haben wir dann eine seitenlange Stadionordnung, die niemandem mehr hilft“, sagte Rainer Mendel, FC-Fanbeauftragter. Vereine wie Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin oder Dynamo Dresden verbieten „Thor Steinar“ in ihren Stadien. Dort gebe es aber auch ein viel größeres Problem mit rechtsextremen Stadionbesuchern, sagt Michael Weiss. Aber auch in Köln hielte er ein Verbot für ein wichtiges Signal. „Das wäre die ganz klare Ansage: Wir wollen sowas bei uns nicht.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Unser FC-Reporter twittert


Anzeige


Umfrage

Was ist der FC-Sieg wert?
Was bedeutet der 1:0-Auswärtssieg des 1. FC Köln gegen den 1. FC Kaiserslautern?

Bildergalerien


Bundesliga Liveticker


Aktion


Quiz


Forum


ksta.tv



1. Bundesliga


Service


Service


Top-Links (Anzeige)


Extra


Dienste