Von Marianne Kolarik, 29.01.09, 19:59h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Becker, es ist auffallend, dass Ihnen immer wieder die gleichen Fragen nach Ihrem exzessiven Lebenswandel gestellt werden. Geht Ihnen das nicht auf die Nerven?
BEN BECKER: Doch, immer wieder. Aber so ist das halt. Es ist sowieso eine schräge Situation, Interviews zu geben. Warum soll ich mit Leuten reden, die ich nicht einmal kenne? Ich muss ganz ehrlich sagen: Am liebsten würde ich meine Kunst für sich stehen lassen. Aber es ist ja nun mal so, dass man Sachen verkaufen muss, weil Kunst kostet. In Film-Verträgen steht, dass man auf Promotion-Tour gehen muss. Mir macht das oft gar keinen Spaß.
Auf der einen Seite besitzen Sie einen ausgeprägten Freiheitsdrang, auf der anderen Seite wünschen Sie sich, dass man Ihnen als Kind engere Grenzen hätte ziehen müssen.
BECKER: Ja, aber ich kann die Uhr nicht zurück drehen. Deswegen habe ich vermutlich eines Tages damit begonnen, meine eigenen Grenzen zu suchen, um zu sehen: Wie weit kann ich gehen? Wann haut man mir auf die Finger oder wann verbrenne ich sie mir selber - wann tut's weh? Die Wurzeln dafür sind bestimmt in meiner Kindheit zu finden.
Aus denselben Wurzeln ist auch ein großer Freiheitsdrang entstanden. . .
BECKER: Das ist richtig. Sonst würde ich nicht so viele schöne bunte Bilder erfinden.
Stimmt es, dass Sie das kindliche Bedürfnis zu Spielen als Erwachsener auf der Bühne ausleben?
BECKER: Ich spiele für mein Leben gern. Auch wenn ich zu Hause bin.
Sie lesen bei Ihrem Gastspiel in Köln aus der Bibel vor - wieso?
BECKER: Ich erzähle unheimlich gerne Geschichten, denke mir gerne welche aus und trage sie auch gerne vor - ob das nun Erich Kästner ist oder die Bibel.
Und diese rührt an das kollektive Gedächtnis der Menschheit.
BECKER: Ich sage immer: Alle Menschen werden Brüder.
Und was ist mit den Schwestern?
BECKER: Die sind da mit eingeschlossen.
Akzeptiert.
BECKER: Dieser Aufschrei nach Menschlichkeit ist ganz tief in der Bibel verwurzelt. Beschrieben wird aber auch, dass der Versuch, zusammen zu kommen, immer wieder scheitert. Samson und Delilah ist eine wunderschöne Liebesgeschichte. Sie liebt den Mann und verrät ihn.
Ihre Großmutter war Komikerin - haben Sie von Ihr ein komisches Talent geerbt?
BECKER: Da gibt es einige in meiner Familie, bei denen ich mir da was abgeguckt habe. Auch von meinem Ziehvater Otto Sander. Der macht das natürlich auf die feine englische Art, ich bin mehr ein Kind der Pop-Art. Ich mag anarchischen Humor, der alles aus den Angeln hebt.
Worüber können Sie lachen?
BECKER: Ich lache tierisch gerne. Ich kann über Abstrusitäten und Unverschämtheiten lachen. Ich bin ein Meister der Telefonstreiche.
Max Reinhardt hat gesagt, das Theater sei der „seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich auf und davon gemacht haben“. . .
BECKER: Ich muss langsam aber sicher kapieren, dass man die Bühne auch mal verlassen muss. Es gibt ja auch ein ganz reales Leben, was ich nie einsehen wollte. Das fällt mir nach wie vor schwer, aber ich merke, dass ich nicht drum herum komme, Verantwortung zu übernehmen und auf mich selber aufzupassen, um auf andere aufpassen zu können. Das habe ich nie wirklich gelernt.
Das heißt, Sie wollen erwachsen werden?
BECKER: Ich werde mich wahrscheinlich mein Leben lang ein bisschen dagegen sträuben. Und irgendwo sage ich auch: hoffentlich. Ich werde in diesem Leben bestimmt nicht mehr bei der Deutschen Bank anfangen.
Als Schauspieler kann man sich so einen Beruf sicher gut vorstellen.
BECKER: Es gibt sogar eine ganz ernsthafte Sehnsucht danach. Ich kenne es sehr gut, dass man durch die Stadt geht und in irgendwelche spießigen Wohnungen reinguckt und die Lichter darin sieht. Dann träume ich sofort von einem geordneten Leben und Heimeligkeit: den ganzen Anarchismus aufzugeben, um endlich einmal in Ruhe zu kuscheln.
Sie haben immer wieder betont, dass sie eine große Zuneigung zu Menschen haben.
BECKER: Eine große Liebe, ja, ich beobachte Menschen sehr genau und sehr gerne. Ich gebe mir große Mühe, alle zu verstehen. Es gelingt nicht immer, aber ich versuche, sehr weit zu gehen.
Fritz Kortner hat von der „Tyrannei der Durchschnittlichkeit“ gesprochen...
BECKER: Da ist der Kortner härter als ich. Die Tyrannei der Durchschnittlichkeit kann grausam sein, aber es gibt auch die weiche, zugängliche Seite der Durchschnittlichkeit, und sei es die Strickliesel über der Klorolle im Auto. Das hat ja durchaus etwas Liebenswertes.
Haben Sie Spielzeug zu Hause?
BECKER: Oh ja, ich gehe total gerne durch Spielzeugabteilungen und kaufe mir welches: ferngesteuerte Autos finde ich großartig. Hier in der Hotelbar mit einem ferngesteuerten Auto rum zu fahren, fände ich geil. Da habe ich einen Spleen.
Das Gespräch führte Marianne Kolarik
Ben Becker
02.02.2009 | 08.49 Uhr | lydwia
Guten Morgen,
eigentlich mag ich den Ben Becker recht gern .. finde das Interview allerdings irgendwie sehr hohl ..
vielleicht geht das anderen…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige

Frankfurter Rundschau
Protest gegen Urheberrechtsabkommen ACTA - 2000 demonstrieren in FrankfurtBundesweit Proteste gegen Urheberrechtspakt - „Legt ACTA ad acta“

EXPRESS
3:0-Sieg gegen Schalke - Currywurst-Prämie! Fohlen scharf auf TitelDSDS nach Recall-Abbruch - Kann Ole die Jury diesmal überzeugen?

Spiegel Online
Talfahrt von Hertha BSC: Berliner Offenbarungseid in StuttgartHertha vor dem Absturz: Skibbe auf der Schippe