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Internetgeneration

Gestank in den Regalschluchten

Von Rasee Takana, 30.01.09, 22:07h

Warum noch Laufen? Es gibt doch das Internet! In einer Bibliothek komme ich nicht mehr klar. Warum sich den Aufwand machen und bis zur Bücherei zu marschieren, wenn man auch alles online viel schneller haben kann?

Internetgeneration
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Die Internetgeneration kommt in Bibliotheken nicht mehr klar. (Bild: dpa)
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Die Internetgeneration kommt in Bibliotheken nicht mehr klar. (Bild: dpa)
Verloren in der Bibliothek stehe ich da, umgeben von unzähligen Regalen, und suche vergeblich nach einem Buch. Es stehe im Regal SIMV IV, hieß es. Bitte ich um Hilfe, so erhalte ich Codes, die sich „gleich hinten, um die Ecke“ befinden sollen.

Wozu die ganze Lauferei? Es gibt doch das Internet! In einer Bibliothek komme ich nicht mehr klar. Warum sich den Aufwand machen, bis zur Bücherei zu marschieren und sich dort wie auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu fühlen, wenn man auch alles online viel schneller haben kann?

Während ich hier ziellos herumlaufe, aktualisiert sich das Internet im Sekundentakt, denke ich mir. Und dann noch der Gestank. Schon als Kind fand ich diese dicken alten Schinken einfach nur eklig. Diese Leute, die mir ständig erzählen, wie toll der Geruch von 1000 Blatt Papier sei; wie sinnlich das Gefühl des Umblätterns von Papier im Gegensatz zum Internet-Scrollen - die gehen mir einfach auf den Keks. Waren die eigentlich noch nie in einer Parfümerie?

Die FAZ nannte Menschen wie mich „Digital Native“: Wir gehöre zur ersten Generation Volljähriger, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann. Per Handy Tag und Nacht erreichbar, die Musik im i-Pod, Filme online sehen im Kino. Ich bin so aufgewachsen. Ich kenne es gar nicht anders. Will ich auch nicht.

Planlos bin ich deshalb nicht, ich nutze nur andere Wege. Wer keine Bücher liest, ist ja nicht gleich blöd. Meine Lieblingsromane lade ich mir einfach online runter. Schließlich weiß ich auch, dass Lesen bildet. Hausaufgaben online am PC kosten mich nur wenige Minuten, während ein Gang zur Bibliothek schon allein für den Weg eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Auch Songtexte meiner Lieblingsband, die neuesten Nachrichten oder Diät-Pläne - das alles bietet mir das Internet, gut strukturiert und gegliedert. Während ich in der Bibliothek für meine Facharbeiten nur Wälzer mit fremdwort-gespickten Bandwurmsätzen finde, legt mir das Internet eine Auswahl verschiedener literarischer Genres vor, vom Interview bis zum Diskussions-Forum, in dem man Experten fragen kann.

Natürlich weiß ich: Wer im Internet Informationen sucht, muss auch kritisch sein. Wer aber regelmäßig surft und das Internet als „Privatlehrer“ nutzt, der weiß, dass es mehr Webseiten gibt als Wikipedia und Google.

Zurück in der Bibliothek. Am Ende der Regalschluchten sehe ich auf einmal Licht. Da steht ein Computer! Bücher hin oder her, am Ende lande ich doch wieder im Internet, sogar im Heiligtum des bedruckten Papiers. Warum denn nicht gleich!

Die Autorin (xx)gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Köln-Stadt. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.



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