Von Julia Hohenadel, 01.02.09, 17:54h
Der Workshop ist Teil des großen Jubiläumskongresses der Notärzte und Rettungsassistenten, der am Samstag über die Bühne ging. Rund 230 Retter waren im Bürgerhaus zusammengekommen, um Vorträge zu hören. Ab morgens konnten die Teilnehmer Referaten zu notfallmedizinischen Themen lauschen: Wiederbelebung, schwergewichtige Patienten, Schock beim Kind oder Geburtshilfe waren nur einige Punkte auf der Tagesordnung. Für 15 Kongressbesucher ging es danach noch weiter in die Mendener Straße. In der Werkshalle wurden zwei Szenarien geboten: Ein Autofahrer ist nach einem Unfall in seinem verbeulten Wagen eingeklemmt. Die Feuerwehr kümmert sich mit schwerem Gerät um das Blech. Die Notärzte kümmern sich um die Wirbelsäule des Insassen. Nebenan bereitet man sich im „Straßencafé“ schon auf den bevorstehenden „Massenanfall an Verletzten“ vor.
Seit fünf Jahren treffen sich die Retter regelmäßig in Königswinter, um sich fortzubilden, neueste Techniken und Forschungsergebnisse kennen zu lernen und Kontakte zu Kollegen zu knüpfen. Üblicherweise verfolgen bei den Seminaren rund 40 bis 60 Gäste die Vorträge der Referenten, weiß Initiator Andre Schmitz. „Doch die Teilnehmerzahl beim Jubiläumskongress hat alle unsere Erwartungen gesprengt“, freut sich Schmitz, der Ärztlicher Leiter des Notarztstandortes Troisdorf am St. Josef Hospital ist. Die Abteilung für Notfallmedizin ist Veranstalterin des Kongresses. Schützenhilfe bekamen die Retter von der Fachhochschule in Bad Honnef. Studierende der Fachrichtung Event-Management hatten die Organisation übernommen - als praktische Ergänzung zum theoretischen Seminarstoff.
Im „Straßencafé“ darf derweil das Unglück seinen Lauf nehmen. Wagen kracht in Wagen, das letzte Fahrzeug ist soeben durch die arglosen Kaffeetrinkenden gerast. Die 15 Notärzte verteilen sich zwischen den Stöhnenden und Schreienden. Was nun folgt, nennt sich „Disko-Schema“, weiß Rainer Stens vom Maltester Hilfsdienst Bad Honnef. Die Disko dient deshalb als Eselbrücke, „weil das Klischee sagt, dass Frauen-Aufreißen genauso abläuft: Ansehen, Ansprechen, Anfassen“, erklärt Stens betont dienstlich. Für Notärzte heißt das: Ist der Patient ansprechbar? Schlägt er die Augen erst auf, wenn man ihn kneift? Oder reagiert er gar nicht mehr? Die Notärzte verteilen große Brustbeutel mit Papp-Karten. Deren Farbe symbolisiert den Ernst der Lage: Grün bedeutet leichte Blessuren und gelb schwere; „rot“ heißt Lebensgefahr. Schwarze Karten markieren den Tod. Im „Straßencafé“ versehen die Übungsteilnehmer alle Patienten mit Karten. Dabei behalten die Retter einen kühlen Kopf. Dass hysterische Verletzte versuchen, ihnen das Arbeitsmaterial aus der Hand zu reißen, gehört zum Job. Am Ende meistern alle die Herausforderung. Derart aufwändige Übungen sind für Ärzte und Rettungsassistenten die Ausnahme. Vielleicht wurden sie nicht zuletzt deshalb angeboten, weil die Troisdorfer sogar Anmeldungen aus Hamburg und Würzburg erhielten.
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