Schriftgröße

Google

„Das Wissen ist oft nur oberflächlich“

Erstellt 01.02.09, 23:19h

Stefan Keuchel, Sprecher von Google-Deutschland, spricht im Interview mit Jan-Philipp Hein über Datensicherheit. Seiner Ansicht nach sind Internet-User nicht ausreichend über das Thema informiert.

Google
Bild vergrößern
Stefan Keuchel. (Bild: Google)
Google
Bild verkleinern
Stefan Keuchel. (Bild: Google)

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Keuchel, dieses Interview haben wir beide per E-Mail vorbereitet. Unser kleiner Mailwechsel liegt immer noch auf Ihren Servern, da ich Googlemail hierfür genutzt habe. Wo und zu welchem Zweck ist unser Notenwechsel gespeichert?

STEFAN KEUCHEL: Es ist nicht ungewöhnlich, dass alte Mails gespeichert werden können. Sämtliche Mail-Dienste bieten Nutzern diese Möglichkeit. Das ist doch auch Sinn und Zweck eines E-Mail-Kontos.

Wenn Sie wollten, könnten Sie ein Dossier über mich anfertigen. Durch meine Suchanfragen wissen Sie, welche Themen mich interessieren, durch meinen Mailaccount wissen Sie, mit wem ich mich worüber unterhalte. Wie können Sie der Versuchung widerstehen, diese Daten zusammenzuführen?

KEUCHEL: Google erstellt weder Nutzerprofile noch verkaufen wir Daten an Dritte wie beispielsweise werbetreibende Unternehmen. Auch wichtig zu wissen ist, dass wir anhand einer IP-Adresse, die unser Server bei Suchanfragen erkennt, keinen Rückschluss auf Ihre Identität ziehen können.

Wenn ich mein Googlemail-Konto vom selben Rechner aus nutze, könnten Sie das sehr wohl und Sie müssten meine Daten nur noch zusammenfügen. Welch eine Versuchung.

KEUCHEL: Der wir ganz einfach widerstehen können. Googles Erfolg steht und fällt mit dem Vertrauen der Nutzer. Wenn weltweit auch nur ein Fall bekannt würde, in dem wir Schindluder mit Daten getrieben oder Nutzerprofile erstellt hätten, wäre unser Erfolg über Nacht vorbei.

Googles Image hat sich stark gewandelt. In den ersten Jahren galten Sie als sympathischer kleiner Laden, jetzt als Herrscher der Online-Welt, der gigantische Datenarsenale über jeden Nutzer hat. Warum steuern Sie da nicht entschlossener gegen, wenn Sie doch beispielsweise keine Nutzerprofile erstellen?

KEUCHEL: Sie haben Recht. Das Image hat sich gewandelt. Insbesondere in Deutschland. In keinem anderen Land führen wir die Diskussion um das Thema Datenschutz so intensiv wie hier. Und das ist auch gut so. Doch erstaunlicherweise ist das Wissen um das Thema Datenschutz im Internet oft recht oberflächlich. Den wenigsten Menschen scheint bewusst zu sein, dass man sich im Internet nicht anonym bewegt, sondern eine Datenspur hinterlässt. Jede Webseite, die Sie besuchen, setzt so genannte Cookies. Google ist da keine Ausnahme.

Sie sind ein Schleusenwärter, der entscheidet, welche Information beim Nutzer ankommt. Können Sie vor dem Hintergrund nicht die drastischen Warnungen vor Ihrer Macht verstehen? Eine Forschungsgruppe der TU Graz fordert gar, dass Google zerschlagen werden müsste.

KEUCHEL: Diese Forderung ist kaum nachzuvollziehen. Kein Mensch ist gezwungen, Google-Dienste zu nutzen. Es gibt zahllose Mitbewerber und einen knallharten Wettbewerb. Der Nutzer wird sich immer für den besten Service entscheiden. Und den versuchen wir zu bieten.

Das Gespräch führte Jan-Philipp Hein



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste