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Modernisiert

„Die Ausrichtung bleibt“

Von Rainer Braun, 03.02.09, 20:47h

Jakob Augstein will mit der modernisierten Wochenzeitung seine Leser überzeugen - Zusammenarbeit mit dem britischen „Guardian“ ist unter Dach und Fach. Ab Donnerstag ist der neue „Freitag“ auf dem Markt.

Augstein nud Hustedt
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Haben gemeinsam den Relaunch des „Freitags“ gestemmt: Verleger Jakob Augstein (re.) und Geschäftsführer Detlev Hustedt. (Bild: Freitag)
Augstein nud Hustedt
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Haben gemeinsam den Relaunch des „Freitags“ gestemmt: Verleger Jakob Augstein (re.) und Geschäftsführer Detlev Hustedt. (Bild: Freitag)
Jakob Augstein will mit der modernisierten Wochenzeitung seine Leser überzeugen - Zusammenarbeit mit dem britischen „Guardian“ ist unter Dach und Fach.

Wer in ökonomisch schwierigen Zeiten in traditionelle Medien investiert, muss Mut haben und einen langen Atem dazu. Beides darf Jakob Augstein für sich in Anspruch nehmen. Im vergangenen Sommer hat er die Wochenzeitung „Freitag“ übernommen und ihr nun eine Modernisierungs- und Erneuerungskur verordnet. Ab morgen erscheint das Blatt in neuem Gewand und mit deutlich erweitertem Umfang - die „klare Ausrichtung nach links aber bleibt“, versichert Augstein im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Wichtig ist dem 41-Jährigen schließlich auch die Haltung, die nach seiner Ansicht jeden „guten Journalismus“ auszeichnet

Wie viel Geld der Sohn von Rudolf Augstein, der nach wie vor dessen Erben in der Gesellschafterversammlung des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ vertritt, in das ehrgeizige Projekt bislang schon gesteckt hat, will er allerdings nicht verraten. Aber er weiß ohnehin, dass man „»Freitag«-Leser nicht kaufen kann, sondern überzeugen muss“. Fakt ist, dass er den Umfang der Zeitung um ein Drittel und die Redaktion von acht auf nunmehr 20 Beschäftigte- deutlich aufgestockt hat.

Konzeptionell wird die bisherige Seite „Alltag“ nunmehr zu einem eigenen Ressort ausgebaut, in dem sich Lesestücke und Porträts finden - hier soll das Blatt „weicher“ werden. Neu ist auch die Kooperation mit dem britischen „Guardian“, auf die Augstein besonders stolz ist. Der Vertrag sieht vor, dass auf alle Artikel des britischen Qualitätsblatts, die politisch ähnlich ausgerichtet ist, ein Zugriffsrecht besteht. Das signalisiert zugleich eine Öffnung, die ökonomisch wie inhaltlich notwenig ist.

Denn zuletzt verkaufte das undogmatisch-linke Blatt im Durchschnitt nur gut 12 000 Exemplare. Das ist nicht nur im Segment der Wochenzeitungen - die „Zeit“ verkauft über eine halbe Millionen Exemplare - äußerst bescheiden. Die Konkurrenz linker Tageszeitungen - von der „taz“ bis „Neues Deutschland“- kann mit rund 50 000 verkauften Exemplaren täglich auf weit höhere Auflagen verweisen.

Das war zu Wendezeiten noch anders, als der „Freitag“ aus der Fusion des renommierten DDR-Wochenblatts „Sonntag“ und der dezidiert linken „Deutschen Volkszeitung“ (Deutschland West) entstand. Nicht von ungefähr stand seit dem auch der Zusatz „Die Ost-West-Wochenzeitung“ programmatisch unter dem Titel. Kein anderes Blatt hierzulande nahm unter dem Mitbegründer und ehemaligem „Spiegel“-Chefredakteur Günter Gaus dezidiert für sich in Anspruch, intellektueller Seismograph für das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten zu sein. Zuletzt aber stieß genau diese Ausrichtung, die zudem in reichlich angestaubtem Layout angeboten wurde, auf immer weniger Interesse, was für ein Blatt nicht Gutes verhieß, dessen Werbe-Erlöse kaum der Rede Wert waren.

Konsequenzen gezogen

Schon alleine deshalb hat Jakob Augstein Konsequenzen ziehen müssen, weil er davon ausgeht, dass sich seine Investitionen langfristig amortisieren müssen. „Das Thema Ost-West wird ein Schwerpunkt bleiben“, versichert er, künftig aber ziert nicht von ungefähr der Schriftzug „Das Meinungsblatt“ die Unterzeile des „Freitag“. Denn er sieht Globalisierung und soziale Gerechtigkeit als die zentralen Fragen unserer Zeit, die noch stärker als bisher konturiert werden sollen. Das Blatt soll sich auch für abweichende Meinungen zum linken Mainstream öffnen, wenn diese denn gut begründet sind. Schließlich setzt Augstein vor allem auch auf einen lebendigen Dialog mit den Leserinnen und Lesern. Hierfür wurde der Online-Auftritt des „Freitag“ ebenfalls runderneuert und zum diskussionsfreudigen Forum ausgebaut wie der ambitionierte Verleger in Zukunft auf stärkere Synergien von neuen und traditionellen Medien setzt.

Respekt verdient das Engagement von Jakob Augstein schon deshalb, weil er einen Verleger-Typus verkörpert, den man zuletzt in diesem Lande gerade auch auf dem schwierigen Medienmarkt immer seltener antraf. Denn publizistische Nachhaltigkeit stand gerade bei jenen nicht hoch im Kurs, die TV-Sender wie auch Zeitungen vor allem als Objekte für hohe Renditen betrachteten. Als Journalist, der für die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Zeit“ schrieb, kennt Jakob Augstein die Branche bestens - als Verleger sammelte er erste Erfahrungen mit der Übernahme von „Rogner & Bernhard“. Das sind wahrlich keine besonders schlechten Voraussetzungen für die runderneuerte Ausgabe des „Freitag“, der ab morgen für 2,90 Euro an den Kiosken liegt.



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