Von Tilmann P. Gangloff, 06.02.09, 22:11h, aktualisiert 06.02.09, 22:13h
Streitbare Anwältin
Patriarch Durmus Korkmaz (Erol Sander), ein Bauunternehmer, ist äußerst wohlhabend und hat als ein angesehenes Mitglieder der Bremer Gesellschaft beste Beziehungen zum Senat. Auch unter Designer-Kopftüchern, so die streitbare Anwältin Ilhan kann sich fundamentalistisches Gedankengut verbergen. Deshalb führt die Spur geradewegs in die Familie, als Korkmaz älteste Tochter ermordet wird: Sie ist das schwarze Schaf der Familie, als Jugendliche ausgerissen, hat Medizin studiert, sich in einen Deutschen verliebt und ist schwanger geworden. Natürlich lebt der Film vor allem vom vermeintlichen Widerspruch: Die archaischen Familienstrukturen, in denen die Männer alles und die Frauen nichts sind, verbindet man automatisch mit einfachen Menschen. Den Kontrast verkörpert vor allem Korkmaz junior (Elyas M. Barek): hier die erlesene Garderobe und der teure Sportwagen, dort die ungezügelte Wut, wenn seine Schwestern der Familie Schande bereiten. Prompt ist Anwältin Ilhan (Dorkas Gryllus), eine enge Freundin der Toten, das nächste Opfer: Sie hat jungen Türkinnen geholfen, dem Teufelskreis aus Zwangsheirat und Familienehre zu entkommen. Natürlich steht der jähzornige Ferhat bei Hauptkommissarin Lürsen (Sabine Postel) und ihrem Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) ganz oben auf der Liste. Hauptverdächtiger ist allerdings zunächst der Witwer (Roman Kni~ka), doch es kommt, wie die Ermittler befürchten: Der jüngste Sohn (Kostja Ullmann) nimmt die Tat auf sich; er würde mit einer Jugendstrafe davonkommen.Dorn und Ates gestalten die Geschichte ungeheuer komplex; schon allein die vielen Mitglieder der türkischen Familie sind faszinierende Figuren, die zudem ausnahmslos ausgezeichnet verkörpert werden (Regie: Mark Schlichter). Gerade Erol Sander, ansonsten fast ausnahmslos in Degeto-Schnulzen als feuriger Liebhaber besetzt, spielt den türkischen Familienvater ganz vorzüglich. Trotzdem lebt der Film in erster Linie vom aufeinander prallen der Kulturen. Entsprechend deplatziert ist ein als Comedy-Einlage gedachter Seitenstrang mit dem Hund der Kommissarin, der allerlei Unfug macht.
Frau Ates, gut gemacht.
09.02.2009 | 09.32 Uhr | hörnchen
ich schließe mich meinem Vorredner an. Es kann nicht die Aufgabe des deutschen Volkes sein, diese Probleme aufzufangen. Dennoch ist viel zu lange…
Hut ab ...
07.02.2009 | 22.52 Uhr | brad08
..vor Seyran Ates, die im richtigen Leben als Anwältin und Frauenrechtlerin einen wirklich guten Job zu machen scheint. Dennoch wird mal Zeitzeuge in…
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