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Interview-Uwe Krupp

„Ich arbeite mit dem Endprodukt“

Erstellt 06.02.09, 21:16h, aktualisiert 07.02.09, 00:27h

Bundestrainer Uwe Krupp spricht über die Olympia- Qualifikation und das deutsche Eishockey. Nach dem 7:1-Sieg über Japan trifft das DEB-Team am Samstag in Hannover auf Österreich.

Uwe Krupp
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Uwe Krupp (Bild: GI)
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Uwe Krupp (Bild: GI)
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Krupp, der Start in die Olympia-Qualifikation ist gut gelungen, aber erreicht ist noch nichts. Was würde ein Scheitern bedeuten?

UWE KRUPP: Für das deutsche Eishockey wäre es ein Rückschritt. Aber wenn es nicht klappt, musst Du die Ärmel hochkrempeln und sagen: Jetzt geht´s weiter.

Auch für Sie? Spielen Sie mit dem Gedanken, vor den vielen Problemen zu kapitulieren?

KRUPP: Nein, dafür ist mir meine Aufgabe zu wichtig. Ich habe mein Wort gegeben und solange ich nicht rausgeworfen werde, werde ich bis 2010 weitermachen, so wie ich es mit Franz Reindl vereinbart habe.

Sie haben sich sehr positiv über die Stimmung in der deutschen Mannschaft geäußert. Welche Rolle spielt das interne Klima?

KRUPP: Ich will keinen Querschläger in der Mannschaft. Wenn da jemand wäre, mit dem ich aus meiner Perspektive Probleme hätte zu arbeiten, dann muss er schon ganz, ganz, ganz gut sein, damit ich ein Auge zudrücke. Aber die Hauptsache sind immer die sportlichen Grundvoraussetzungen: Wie schnell ist er, was ist er für ein Spielertyp? Im internationalen Eishockey kannst Du nicht mit einer langsamen Mannschaft auftreten. Du musst erstmal mitlaufen können, ehe du mitspielen kannst.

Sie sind angetreten mit der Devise, den Abstand zu den großen Nationen zu verkürzen. Es sieht so aus, als träten Sie auf der Stelle.

KRUPP: Ich arbeite ja mit dem Endprodukt. Die Spieler, die ich bekomme, sind das Produkt der Ligen, der Nachwuchsarbeit, des Eishockeysports generell in Deutschland.

Drei der 16 DEL-Klubs haben einen Topscorer mit deutschem Pass. Das ist nicht viel.

KRUPP: Als ich anfing, war gar keiner da. 2006 gab es ganz wenige deutsche Spieler die überhaupt vorne in den DEL-Scorerlisten vertreten waren. Dann kam Michael Wolf, dieses Jahr hat Christoph Ullmann in Köln den nächsten Schritt gemacht und spielt eine tragende Rolle. Es gibt mehr deutsche Spieler, die sich in der DEL durchsetzen. Wo wir uns verbessern müssen, ist die Breite in der Nachwuchsarbeit.

Es geht in kleinen Schritten voran. Wie viel Geduld haben Sie?

KRUPP: Die Kommunikation zwischen den Säulen des deutschen Eishockey, zwischen DEB, DEL, ESBG (Organisation der Zweitligisten, d. Red.) und den Landesverbänden bei übergreifenden Themen ist zum Teil zäh. Aber wir kommen nirgend wohin, wenn wir jammern. So lange wir andere Nationen haben, die uns zeigen, wie es geht, so lange sind wir eben nicht auf diesem Niveau. Das muss man anerkennen und dran arbeiten. Also: Weniger Beschwerden von meiner Seite, so sehe ich meine Sache mittlerweile.

Der Eindruck war nicht, dass Sie zu viel jammern, sondern dass Sie ihre Rolle unterspielen. Wer, wenn nicht Sie mit ihrer Vita, könnte sich Gehör verschaffen?

KRUPP: Nur bedingt. Die Probleme sind ja immer wieder angesprochen worden. Von Hans Zach, von Franz Reindl von Ernst Höfner, von mir. Es gibt keinen, der noch nie gehört hat, dass wir mehr Nachwuchsarbeit machen müssen. Jetzt ist die Frage: Wie schaffen wir das? Ich will nicht mehr hören, warum dieser und jener Verein es nicht machen kann. Nein - sag mir, wie es geht. Sag mir, dass du es geschafft hast, trotz einigem Gegenwind in deiner Laufschule 80 Kinder zu haben.

Wie stehen Sie zur DEL-Diskussion um die Wiedereinführung von Auf-und Abstieg?

KRUPP: Ich glaube, dass in der deutschen Sportszene Auf-und Abstieg einfach dazu gehören. Es gibt ja auch eine lautstarke Stimme der Fans, die das fordert. Aber wir hatten den Abstieg mal, jetzt haben wir ihn nicht, vielleicht führen wir ihn wieder ein. Das ist typisch: Wir machen Entscheidungen oft nur für zwölf Monate, ohne den langfristigen Effekt zu bedenken.

Acht Spieler und vier Spielerinnen wurden in letzter Zeit wegen Problemen mit der Meldepflicht für Dopingkontrollen verwarnt. Warum ist das für Eishockeyspieler so schwer?

KRUPP: Generell ist es einfach unheimlich schwierig, für drei Monate im Voraus anzugeben, wo man sich alle 24 Stunden aufhält. Aber auch hier keine Jammerei, wir stellen uns hinter den Kampf gegen Doping und wenn ein Spieler in der Nationalmannschaft spielen will, muss er mitziehen.

Die Meldepflicht bedeutet sicherlich eine Einschränkung der persönlichen Freiheiten.

KRUPP: Es ist knüppelhart. Wissen Sie, wo Sie in den nächsten drei Monaten sein werden? Und dann wird Ihre Schwiegermutter krank, Sie fahren hin und haben die erste Verwarnung, weil Sie vergessen haben, sich abzumelden.

Es gibt eine Initiative in Belgien, die gegen die Meldepflicht klagen will. Würden Sie mitkämpfen?

KRUPP: Aufbäumen hat keinen Zweck. Du gehst zuerst gegen die deutsche Bundesregierung an, die sich in dieser Art und Weise hinter den Anti-Doping-Kampf stellt. Wir haben uns im letzten Jahr vor einen Spieler gestellt (Florian Busch, d. Red.), der eine Auseinandersetzung mit einem Doping-Tester hatte. Aber es ist nun mal so, im Anti-Doping-Kampf haben wir in der heutigen Situation im Sport praktisch die Beweislast-Umkehr. Die Regeln sind so, wie sie sind, entweder du ziehst mit oder du spielst nicht mehr.

Sie haben sich besorgt um den Standort Köln, ihren Ex-Klub, geäußert. Was haben sie gemeint?

KRUPP: Wenn bekannt wird, dass ein Verein finanzielle Problem hat, macht man sich Sorgen, ob es dort in dem bekannten Maß weitergeht. Es wäre schade für Köln und schlecht für uns, wenn es nicht so wäre. Köln ist ein Vorzeige-Standort bei der Nachwuchsarbeit, die Rodion Pauls aufgebaut hat. Als ich in Köln gespielt habe, gab es das nicht.

Es hat bei Ihnen trotzdem bis zum Stanley-Cup-Sieg gereicht.

KRUPP: Na ja, man sollte die Kombination aus Verbissenheit, Sturköpfigkeit und das notwendige bisschen Glück niemals unterschätzen.

Das Gespräch führte Christian Oeynhausen



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