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Kommentar zur „CSD-Charta“

Demo oder Karneval?

Von Anja Katzmarzik, 10.02.09, 21:48h, aktualisiert 10.02.09, 22:02h

Eines ist klar: Peitschenhiebe und Menschen an Hundeleinen gehören nicht in den Christopher Street Day. Dies hat auch nichts mehr mit den Ursprüngen der Demo zu tun - und es schadet den Anliegen einer großen Mehrheit der anderen Teilnehmer. Doch viele Zuschauer haben eine gewisse Doppelmoral.

Latex, Leder und Masken
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Latex, Leder und Masken: Schlafzimmer-Fantasien auf dem CSD. (Bild: Grönert)
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Latex, Leder und Masken: Schlafzimmer-Fantasien auf dem CSD. (Bild: Grönert)
Das sollte eigentlich jeder im Elternhaus gelernt haben: Sich öffentlich zu entblößen und andere zu erniedrigen oder zu beleidigen gehört sich nicht. Vor allem und erst recht nicht, wenn man für die eigene Gleichberechtigung kämpft.

Die Kölner Parade zum „Christopher Street Day“ bewegt sich seit Jahren in einem schwierigen Spannungsverhältnis von Demonstrationsfreiheit und Karneval im Sommer. Sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit, Peitschenhiebe und Menschen, die an der Hundeleine geführt werden, sind inzwischen regelmäßig zu sehen. Das stößt viele Zuschauer vor den Kopf und hat nichts mehr mit dem Ursprung des Demonstrations-Gedankens zu tun. In der Sado-Maso-Abteilung des Zuges sind überdies längst nicht mehr nur Homosexuelle zu sehen.

Wenn sich Zuschauer über Entblößungen und Anstößiges aufregen, zeigt das eine gewisse Doppelmoral. Es ist doch gerade diese Grenze zum Verbotenen und Unbekannten, die viele Zuschauer zum CSD lockt. Sähen alle Teilnehmer unauffällig aus, hätte die Parade (leider) nicht eine derart große Aufmerksamkeit.

Doch die Provokation ist politisch fatal: Exhibitionistisches Verhalten bestätigt Schwulen-Feinde in ihrem Schubladen-Denken. Es macht zugleich all die Homosexuellen „unsichtbar“, die sich gesittet verhalten - oder zumindest nicht ungezügelter als Jecke an Weiberfastnacht in der Altstadt.



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