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Hohenzollernbrücke

Liebesschwur zu Rumpelklängen

Von Jens Höhner, 12.02.09, 21:43h, aktualisiert 12.02.09, 21:43h

Die Deutsche Bahn hat ein Herz für Pärchen. Die stählernen Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke werden nun doch nicht geknackt. Eine Volkskundlerin will am Valentinstag sogar Studien treiben.

Schlösser
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Ewige Treue ist garantiert: Die Schlüssel zu den Schlössern liegen auf dem Grund des Rheins. (Bild: Jens Höhner)
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Ewige Treue ist garantiert: Die Schlüssel zu den Schlössern liegen auf dem Grund des Rheins. (Bild: Jens Höhner)
Innenstadt - Laura und Tobias, Elke und Rolf, Claude und Elmar. Sie haben es getan. Vielleicht gerade erst an einem kühlen Winterabend, vielleicht noch in einer lauen Sommernacht. Sie haben sich an den Händen gehalten, sie haben sich geküsst, da oben, hoch über dem Rhein. Und sie haben sich die ewige Liebe geschworen. Die Hohenzollernbrücke, jener graue Stahlkoloss, ist ein Ort voller Romantik - nicht mal das beharrliche Rumpeln der Eisenbahnzüge vermag Liebespaare dort zu stören. Wenn sich jemand belästigt fühlt, dann ist es wohl die Deutsche Bahn: Denn jene Paare haben Spuren hinterlassen.

Etwa 350 Vorhängeschlösser zieren dort den Sperrzaun zum Bahngleis - darauf Namen, Initialen, Daten. Immer fehlt der Schlüssel: Der landet nach dem Treueschwur tief unten im Fluss. Die Volkskundler indes stehen vor manchem Rätsel: Ein deutscher Brauch ist das nämlich nicht. Und von einem Brauch mag Dagmar Hänel, die Leiterin der Abteilung „Volkskunde“ im Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), eigentlich auch gar nicht sprechen. „Es ist vielmehr eine Geste, eine symbolische“, urteilt die 39 Jahre alte Wissenschaftlerin, die jüngst eine Erhebung gestartet hat, um dem Geheimnis der Schlösser auf den Grund zu gehen.

Ersten Umfragen zu Folge finden sich deutschlandweit nur noch an der Brücke über die Alte Jeetzel in Hitzacker, Kreis Lüchow/Dannenberg, solche Liebesbeweise. „Die Menschen, die sich auf unsere Aufrufe melden, berichten von Schlössern vor allem in Riga und Königsberg“, schildert Hänel. „Aber auch von Orten in Ungarn, Sibirien und China ist gelegentlich die Rede.“ Stets aber fällt der Name der italienischen Hauptstadt - Rom, immer wieder Rom.

Dort hängen sie zu Hunderten an den Laternen und Geländern der Milvischen Brücke, die über den Tiber führt. Eine Leuchte soll sogar schon unter der Liebeslast zu Boden gegangen sein - zumal der Schmuserocker Tiziano Ferro diese Geste und damit die „amorchetti“ (Liebesschlösser) in seinem Musikvideo zur Single „Ti scatteró una foto“ populär gemacht hat. „Im vergangenen Sommer sind dann die ersten Schlösser an der Hohenzollernbrücke aufgetaucht“, sagt die Volkskundlerin Hänel, die am Valentinstag auf die Pirsch gehen will, um zu sehen, ob Liebespaare weitere hinzufügen. „Das wird ganz sicher der Fall sein.“

Gerhard Felser hört das nicht allzu gern. Er vertritt den Eigentümer der in den Jahren von 1907 bis 1911 erbauten Brücke, die Deutsche Bahn. „Diese Schlösser werden geduldet - und nicht entfernt“, sagt der Bahnsprecher und spielt damit auf hitzige Diskussionen an. Zuletzt hat die Bahn klein beigeben: Sie war am Widerstand der Kölner gescheitert, die jene Liebesschlösser auf keinen Fall geknackt und entfernt sehen wollen. „Ansonsten kommentieren wir die Sache nicht weiter - das ist nicht mehr als ein Zeitgeist-Thema.“ Die Hohenzollernbrücke gilt übrigens mit mehr als 1200 Zügen täglich als die meist befahrene Eisenbahnquerung Deutschlands.

Immerhin beschäftigt die behangene Brücke nun die Forschung. Das Motiv von Schloss und Schlüssel reiche bis ins frühe Mittelalter zurück, sagt Dagmar Hänel und erinnert etwa an den Schlüssel zum Herz der Geliebten - ein Motiv, das sich später auch im Minnesang findet. In der Gegenwart jedoch haben die Liebesschlösser ebenfalls ihre ganz eigene Aussagekraft: „Sie stehen für den Wunsch der Menschen nach Stabilität“, glaubt Gunther Hirschfelder (47), Volkskundler und Kulturanthropologe am Germanistischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. „Und in einer so schnelllebigen Zeit wie der unseren ist das eine wunderschöne Geste: Sie ist so etwas wie ein natürlicher Reflex auf die schlechten Prognosen, die Ehen heutzutage haben.“



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