Von Simon Müller, 13.02.09, 21:45h, aktualisiert 13.02.09, 21:52h
Ende Januar durchsuchte die Polizei das Heim, nachdem Angehörige auf mögliche Misshandlungen hingewiesen hatten. Das gesamte Pflegepersonal wurde daraufhin vernommen. Die Beschäftigten sagten, sie seien von den beiden Vorgesetzten eingeschüchtert worden, um die Zustände im Heim zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es im St. Josefshaus weitere Fälle von Misshandlungen gab. Der Träger, die „Franziskus Seniorendienste“, hält die Vorwürfe indes für „gegenstandslos“. Erst im vergangenen Jahr hatte es einen Wechsel des Trägers (vorher Caritas) und der Heimaufsicht gegeben; die Beschuldigten waren zur Heimleiterin und Wohnbereichsleiterin befördert worden.
Angehörige schalteten Polizei einDie Tatvorwürfe beziehen sich auf eine Nacht im Juni 2007. Nach Angaben der Polizei schlief das Opfer bei geöffnetem Fenster, als die beschuldigte Pflegerin es schließen wollte - angeblich, um Heizkosten zu sparen. Damit war die Bewohnerin nicht einverstanden. Sie stand auf, um das Fenster erneut zu öffnen, woraufhin die Pflegerin ihr mehrmals mit den Fäusten gegen die Brust geschlagen haben soll. Die Seniorin sei dadurch zurück auf ihr Bett gefallen. Tags darauf vertraute sich die betagte Dame einer befreundeten Mitbewohnerin an und zeigte ihren mit blauen Flecken übersäten Oberkörper. Die Mitbewohnerin erzählte ihrer Enkelin von dem Vorfall. „Sie hat uns bei einem Besuch im November 2008 von Mängeln in der Pflege berichtet“, so Enkelin Tanja Schopp. „Und sie sagte auch, es wäre vielleicht besser, die Kritik nicht zu laut zu äußern - schließlich sei hier schon einmal jemand geschlagen worden.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Marcus schaltete Tanja Schopp die Polizei ein.
Der Staatsanwaltschaft zufolge ist unklar, ob die Nacht im Juni 2007 ein Einzelfall war. In der Zeit nach dem Vorfall soll die Beschuldigte ihr Opfer und weitere Bewohner sowie das Heimpersonal unter Druck gesetzt und eingeschüchtert haben. Dabei soll sie von der Heimleiterin gedeckt worden sein. Marcus Schopp: „Anderen Pflegerinnen wurde mit Kündigung gedroht, sollten sie nicht dichthalten.“ Außerdem habe man die 86 Jahre alte Seniorin dazu gedrängt, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie das Ereignis frei erfunden habe. Die alte Dame führe akribisch Tagebuch und notiere darin, wie sie behandelt werde und welche Medikamente sie nehme, so Schopp. Auch die Geschehnisse in der Nacht im Juni 2007 soll sie aufgeschrieben haben. Ein Unbekannter habe jedoch den Nachttisch der Seniorin geöffnet und die entsprechenden Seiten aus dem Tagebuch entfernt. Bei der Heimdurchsuchung stellte die Polizei das Tagebuch sicher.
Eine Zimmernachbarin des Opfers, die den Übergriff mitbekommen haben soll, soll die Heimleitung auf andere Art zum Schweigen gebracht haben. „Sie hat ein größeres Zimmer mit eigener Toilette und einen neuen Rollator bekommen“, sagt Schopp. Das 86-jährige Opfer leide bis heute unter der Tat. „Sie hat wörtlich zu mir gesagt, dass sie sich umbringen will.“
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