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Who Is Afraid Of The Big Bad Wolf

Songs von der Schattenseite des Lebens

Von Peter Limbach, 16.02.09, 19:36h, aktualisiert 18.05.09, 18:43h

Das Trio um Wolfgang A. Noethen, Katharina Hoffmann und Sarah Zabel spielte im Kulturbunker Mülheim Songs von der Schattenseite des Lebens und bewies, dass die Melancholie ein Kunstgenuss sein kann.

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Songs von der Schattenseite des Lebens: Katharina Hoffmann (v.l.), Wolfgang A. Noethen und Sarah Zabel bei der Klangprobe. (Bild: Grönert)
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Songs von der Schattenseite des Lebens: Katharina Hoffmann (v.l.), Wolfgang A. Noethen und Sarah Zabel bei der Klangprobe. (Bild: Grönert)
Mülheim - Die meisten Menschen fliehen aus dem Dunkeln gerne ins Helle. Der Süden ist dafür immer eine gute Adresse. Da ist es hell und freundlich. Und es scheint, alle Probleme schmelzen unter der Sonne dahin. In der Minderzahl sind dagegen jene, die sich ganz bewusst im Schatten aufhalten. Nicht selten sind es Künstler - wie Wolfgang A. Noethen. Zwar wies der Musiker beim Konzert seines Projektes Who Is Afraid Of The Big Bad Wolf? im Kulturbunker amüsiert darauf hin, dass ihm und Geistesverwandten die Vorliebe für dunkle Kleidung und Themen oft als Attitüde ausgelegt werde. Dass es ihm aber ernst damit ist, hätte er gar nicht mehr betonen brauchen. Der 40 Jahre alte Berufsmusiker überzeugte bei der Klangprobe live erneut - nach einem Konzert mit seiner Band Backyard Poetry vor drei Jahren - als Meister der Melancholie.

Die ist als Lebensentwurf wie als Kunstform eigentlich nichts anderes als die Neugier auf das Verborgene, das andere. Das Leben wird so reichhaltiger. Warum also nicht mal als langjähriger Indie-Rock-Gitarren-Klang-Experte in Gefilden der Klassik wildern. Die Cellistin Katharina Hoffmann und die Geigerin Sarah Zabel hat Noethen deshalb für Who Is Afraid Of The Big Bad Wolf? engagiert. Sein atmosphärisches Trauerspiel auf der Akustik-Gitarre wird von zwei Instrumenten begleitet, die für düstere Moll-Töne bestens geeignet sind. So ist die Musik beim Konzert im Kulturbunker ein langer trüber Fluss aus vielfältigen Pastell-Klangfarben, der sich in immer wieder überraschenden Kurven von der Bühne ins Publikum ergießt. Dass sich zuweilen - etwa in Pizzikato-Zupfern der Streicherinnen - die Sonne darauf glitzernd spiegelt und für freundlichere Moment sorgt, das darf ruhig sein. Wo Schatten ist, kann Licht ja nicht so fern sein.

Derart schillernd ist auch der Gesang der Drei. Noethens dunkel-sehnsüchtiges Timbre verzieren Katharina Hoffmann und Sarah Zabel mit ihren helleren Stimmen - hin und wieder klingen die beiden wie Echos aus einer besseren Vergangenheit oder Zukunft. Ein wenig Hoffnung kann nicht schaden, denn die Lyrik des „großen bösen Wolfs“ ist ziemlich grimmig. Im Song „Showdown“ heißt es: „You say that there is hope that comforts everyone / but not for me / Now this is showdown / The final curtain / Du sagst, es gibt Hoffnung, die jeden tröstet / Aber nicht für mich / Das ist der Showdown, der letzte Vorhang.“ Eines der vielen Lieder über den Abschied, nicht wenige erinnern an geliebte Menschen, die gestorben sind, eine Freundin, die Mutter . . .

Einen lustigen Song gibt es auch im Programm. „How The Story Ends“ hat Noethen ebenfalls selbst verfasst, aber im Stil des Irish-Folk, und das ist dann wieder typisch. Die Iren feiern zwar wild, aber im Bewusstsein, dass über allem der Schatten des Vergänglichen schwebt. Jedes Fest kann ein Abschied sein.

Noch lange währen soll die Zusammenarbeit mit Wolfgang A. Noethen, wünschen sich die zwei Musikerinnen an seiner Seite. Katharina Hoffmann, die Cellistin - studierte Musikwissenschaftlerin - schätzt, „dass ich im Vergleich zur Klassik weit mehr spielen kann, was ich wirklich fühle“. Zwar gibt Chef Noethen die Streicher-Arrangements exakt vor, doch lässt er dem Duo genügend Spielraum, sie mit eigenen Emotionen zu versehen. Den großen Tonumfang des Cellos zum Beispiel reizt Katharina Hoffmann dabei aus, von pechschwarzen Abgründen bis hin zur bittersüßen Ausgelassenheit.

Blick in die Zukunft

Am Ende des Konzerts gewährt Noethen einen Blick in die Zukunft. Mit Hilfe einer Loop-Maschine lässt er eine zarte Percussion-Begleitung einfließen. Welch gute Idee, so spannend die Musik auch ist, auf Dauer könnte sie noch mehr die Reibung mit Rhythmen vertragen. Wolfgang A. Noethen denkt daran, das Trio zu erweiteren, zunächst um einen Percussion-Spieler vielleicht. Der Big Bad Wolf wird sich so schnell nicht verabschieden, er bleibt hungrig auf Klangabenteuer.



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