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Lebenslänglich

V-Mann als Mörder verurteilt

Von Ulrich Willenberg, 17.02.09, 12:10h

Der Deutsch-Iraker hat mit einem Komplizen drei georgische Autohändler umgebracht und wurde nun zu lebenslanger Haft verurteilt. In dem LKA-Dienstwagen fanden sich auch Spuren der Frau, die als „Phantom“ gesucht wird.

FRANKENTHAL - Wegen des Mordes an drei georgischen Autohändlern hat das Landgericht Frankenthal gestern zwei Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Täter: Ein V-Mann des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz und ein mutmaßlicher Islamist, die sich vor Gericht gegenseitig beschuldigten.

Es ist wohl einer der bizarrsten Kriminalfälle der letzten Jahre. Ein Iraker mit zweifelhaftem Ruf wird von der deutschen Polizei engagiert, um die islamistische Szene zu beobachten. Der 40-Jährige Talib O., der mit alten Autos handelt, liefert über Jahre hinweg Informationen. Das LKA zeigt sich zufrieden, zahlt ihm 4500 Euro und hilft bei der Einbürgerung. Talib O. wird auch auf den jetzt mitverurteilten 26-jährigen Somalier Ahmed H. angesetzt. Der wird verdächtigt, der „Sauerland-Gruppe" mehrere Sprengzünder für Anschläge übergeben zu haben. Und dann gibt es noch eine Merkwürdigkeit: In dem Wagen des V-Mannes wurden Spuren jener meistgesuchten Verbrecherin Deutschlands gefunden, die als „Phantom“ Schlagzeilen machte und den Mord an einer Heilbronner Polizistin begangen haben soll. Aber wann sie die Spuren hinterließ und ob sie Kontakt zu dem V-Mann hatte, ist unklar. Dass sie mit dem Mord an den Georgiern zu tun hat, gilt aber als ausgeschlossen.

Die drei Männer aus Georgien waren nach Deutschland eingereist, um Gebrauchtwagen zu erwerben. Dass sie rund 12 000 Euro in bar dabei haben, wird Pavle E., Spartak A. und Giorgi G. zum Verhängnis. Im pfälzischen Ludwigshafen steigen sie am 30. Januar 2008 in den Ford Escort des V-Mannes ein, den ihm das LKA für seine Spitzeltätigkeit überlassen hat. Talib O. gibt vor, den Georgiern einen zum Verkauf stehenden Wagen zu zeigen. Später steigt im benachbarten Frankenthal der Somalier zu. Nach etwa einer halben Stunde stoppt das Auto in der Dunkelheit. Zu spät merken die Georgier, dass sie in eine Falle gelockt wurden. Talib O. forderte den Somalier auf, die drei zu fesseln. Dann erschießt der V-Mann zwei der Georgier, den dritten erdrosselt er. Sein Todeskampf dauert mehr als zehn Minuten. „Ich habe drei Kinder", fleht eines der Opfer. Doch der Mörder kennt kein Erbarmen. Dann packen die beiden Angeklagten die drei Leichen in das LKA-Fahrzeug und versenken sie im Altrhein bei Mannheim. Die Beute teilen sie auf. Am Abend gehen sie ins Fitnessstudio und in ein Restaurant. Diesen Tatablauf sehen die Richter als erwiesen an und stellten bei dem Deutsch-Iraker die besondere Schwere der Schuld fest. Seine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Auch wenn der mitangeklagte Somalier die drei Männer nicht getötet habe, sei er als Mittäter anzusehen.

Der Prozess offenbarte erhebliche Lücken in der Führung des V-Mannes. So entging dem LKA, dass das GPS-Gerät des Ford Escorts nicht richtig funktionierte, weil man es nicht für nötig hielt, die Daten regelmäßig abzufragen. Es hatte auch keine Konsequenzen, dass der Mann mehrfach in den Irak reiste - in das Land, in dem er angeblich verfolgt wurde. Gerhard Härdle, der den Somalier verteidigte, gibt dem LKA daher eine Mitschuld an dem Verbrechen. Niemals hätte Talib O. engagiert werden dürfen.



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