Von Jörg Allmeroth, 17.02.09, 21:37h, aktualisiert 17.02.09, 22:29h
Eine „einfache Entscheidung“ sei das gewesen, sagt Salomon: „Einfach, weil hier Falsch und Richtig klar auf der Hand liegen. Wenn Israel einen arabischen Athleten ausgesperrt hätte, würden wir genau so entscheiden. Nämlich ein solches Turnier nicht zu übertragen.“ Zwei Tage nach dem späten Ausschluss der 22-jährigen Israelin Peer wird der Scherbenhaufen für Dubais Regierung, aber auch die an der eigentlichen Visa-Entscheidung nicht unmittelbar beteiligten Turniermanager immer größer. In den USA und Europa formiert sich Widerstand gegen das Verdikt des Golfstaats, „das dem gesamten Sport einen schweren Schaden zufügt“ (Los Angeles Times). Da schien es wenig zu nützen, dass die Turnierleitung am Dienstagmittag in einem Statement „Sicherheitsbedenken“ für das Visa-Verbot geltend machte. Man respektiere zwar Frau Peer als professionelle Tennisspielerin und könne ihre Enttäuschung verstehen, hieß es da, aber das Turnier habe nach den Ereignissen im Gazastreifen zur Zielscheibe von schweren Protesten werden können, bis hin zu einem Boykott: „Wir wollen den Sport nicht politisieren, aber wir müssen sensibel sein nach den Vorgängen in der Region. Es geht auch um das Wohlbefinden der anderen Spielerinnen und der Zuschauer verschiedenster Nationalitäten.“
Sponsoren drohen mit Rückzug
Noch während die Kritik über die Diskriminierung Peers über die Macher hereinprasselte, zeichnete sich die nächste Krisensituation schon am Horizont ab: Denn nach Informationen dieser Zeitung beabsichtigt der israelische Doppelspieler Andy Ram, an dem am nächsten Montag beginnenden Herrenturnier in Dubai teilzunehmen. Angeblich liegt ein Visa-Antrag Rams schon länger auf den Tischen der Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Schon mutmaßen Insider, dass Rams Antrag wieder bis zur letzten Minute verschleppt und dann wie im Fall Peer abgelehnt werde. Das zynische Kalkül dahinter: Die Profigewerkschaft ATP werde es sich nicht leisten können, das Turnier noch so spät abzusagen, wenn bereits die meisten Spieler an Ort und Stelle seien. An dem Wettbewerb sollen Stars wie Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray und Andy Roddick teilnehmen. Nach Angaben der Veranstalter gibt es bereits keine Karten mehr für das Turnier, das inoffiziell den Status einer Masters Series-Veranstaltung erreicht hat.
WTA-Boss Scott ließ inzwischen durchblicken, dass hinter dem Fernbleiben der israelischen Weltklasse-Kombination Andy Ram / Jonathan Erlich im vergangenen Jahr in Dubai ebenfalls Visaprobleme gestanden hätten. Die damaligen Australian-Open-Sieger waren kurz vor den Dubai Championships 2008 aus dem Teilnehmerfeld verschwunden, angeblich wegen einer kritischen Sicherheitslage. Er wolle wegen der Affäre Peer „ohne Zeitdruck“ entscheiden, sagte Scott jetzt, „ich muss erst mit den Turnierdirektoren und den anderen Spielerinnen sprechen.“ Zu der Entscheidung des „Tennis Channels“, seine Übertragungen einzustellen, sagte Scott vieldeutig: „Wir haben ähnliche Gefühle, aber unsere Entscheidung ist viel komplizierter.“ Zugleich ließ sich Scott wenig Spielraum bei einer Entscheidung über die Zukunft des Standorts Dubai im Turnierkalender: „Alle Spieler müssen gleich behandelt werden. Das ist eine der Prinzipien im Sport, und fundamental für die Glaubwürdigkeit unserer Organisation.“ Peer selbst drückte in einem Statement die Hoffnung aus, „dass die WTA angemessene Reaktionen ergreifen und sicherstellen wird, dass sich solch eine Ungerechtigkeit in Zukunft nicht mehr wiederholt.“
Unterdessen verkündete der Chef des Tennis-Weltverbands ITF, der Italiener Francesco Ricci-Bitti, in London an, er sei „bitter enttäuscht“ über das Verhalten der Emirate. Man werde die Verantwortlichen des Landes und der dortigen Tennisorganisation erinnern, „dass die ITF keine Diskriminierung eines Sportlers duldet.“ Die Entscheidungsgremien der WTA und der ATP kommen im März in Indian Wells zu zusammen, angeblich soll schon dann über die Zukunft der beiden Dubai-Turniere entschieden werden, die mit Millioneninvestitionen in die Spitzenliga des Wanderzirkus aufgestiegen waren. Für das Jahr 2011 war ein Umzug in die Dubai Sports City vorgesehen, ein Projekt mit einem Gesamtwert von über vier Milliarden Dollar.
Die Europa-Ausgabe des Wall Street Journals zog nun als erster Sponsor seine finanziellen Zusagen für das Turnier zurück. "Unsere Philosphie sind freie Märkte und freie Menschen und diese Visa-Verweigerung läuft dem zuwider", hieß es in einer Erklärung des Blattes.
Im „Guardian“ wies Kolumnist Richard Williams auf den Umstand hin, dass ein möglicher Champions-League-Sieger FC Liverpool 2010 zur erstmals in den Emiraten stattfindenden Klub-WM reisen müsse. Was aber passiere mit Liverpools israelischem Star Yossi Benayoun?
Sport und Politik
18.02.2009 | 10.32 Uhr | MannOhMann
...sollten nicht vermischt werden. Richtig!
Wer vermischt Sport und Politik?
In diesem Fall ist es Dubai und letztes Jahr war es China!
Um diese…
immerhin 1 und 1
18.02.2009 | 10.14 Uhr | wasauchimmer
immerhin 1 Sponsor und ein (Tennis-) TV-Sender sind fristlos ausgestiegen.
Wie sich Tennisspielerinnen "solidarisch zeigen" (im Gegensatz zur…
Wo bleiben die Konsequenzen?
18.02.2009 | 10.00 Uhr | Klartext
Wirklich passieren wird in diesem Fall wahrscheinlich wieder: nichts! Wo sind denn die Kolleginnen der Tennisspielerin, die aus Solidarität ihre…
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