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Karnevals-Exzesse

Der Trend zu mehr Gewalt

Von Beatrix Lampe, 20.02.09, 18:56h, aktualisiert 22.02.09, 22:06h

Rettungskräfte und Polizei ziehen eine alarmierende Bilanz: Die Eröffnung des Straßenkarnevals war in diesem Jahr aggressiver als in vorangegangenen Jahren. Ein Mediziner kritisiert die Toleranz gegen Alkoholmissbrauch.

Straßenkarneval Rausch
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Viele Betrunkene - viele Gewaltbereite. (Bild: ksta)
Straßenkarneval Rausch
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Viele Betrunkene - viele Gewaltbereite. (Bild: ksta)
Köln - Fünf Jugendliche, die mit akuter Alkoholvergiftung zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden - das ist allein die Bilanz des Weiberfastnachtstages, die dem ärztlichen Direktor der Kinderklinik Amsterdamer Straße Sorgen bereitet. Prof. Michael Weiß warnt schon seit Jahren entschieden davor, Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu verharmlosen: „Ein erster Rausch, möglicherweise mit Bewusstlosigkeit und Krankenhausaufenthalt, sollte auch ohne weitere Folgen nicht als kleine Panne heruntergespielt werden“, sagt der Arzt. Er vertritt damit eine entschiedene Gegenposition zu einer „zunehmenden, unverständlichen gesellschaftlichen Toleranz“ für den erheblichen Alkoholkonsum in jugendlichem Alter.

Nach Weiß' Erfahrungen kommen seit der Verbreitung von „Alkopops“ immer mehr Jugendliche mit stationär behandlungspflichtigen Alkoholvergiftungen in die Kliniken. Dabei handele es sich meist um Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren, Mädchen wie Jungen, die „offenbar hochprozentige, gut schmeckende Alkoholika in der Menge und möglichen Gefährdung nicht einschätzen können“. Zwar seien laut Bundesregierung seit der Einführung der Alkopop-Sondersteuer die Verkaufszahlen für diese Fertigmixturen zurückgegangen, doch würden Jugendliche seit der Versteuerung oft mit Vergiftungen durch Wodka-Mischgetränke eingeliefert. Im vorigen Jahr waren es zu Weiberfastnacht sogar sieben Mädchen und vier Jungen unter 16 Jahren, die mit Alkoholpegeln bis zu 2,2 Promille stationär in der Klinik Amsterdamer Straße behandelt werden mussten.

Der Kinderarzt spricht von einer auffälligen Zunahme der Mädchen unter den Patienten. Das könne daran liegen, dass Jungen auf Parties oft Bier tränken - mit der Folge, dass sie „früher den eintretenden Alkoholisierungseffekt mit Übelkeit“ spürten; als Folge stiegen die Promillewerte nicht ungebremst weiter. Mädchen, denen Bier nicht schmecke und die lieber Süßes tränken, spürten den hohen Wodkagehalt ihres Mischgetränkes lange nicht und erlitten Alkoholvergiftungen bis zur Bewusstlosigkeit. Besonders gefährdet seien Mädchen ohne vorherige Erfahrung mit Alkohol.

Trotz der Aufklärungsmaßnahmen von Bundesregierung, Krankenkassen, Schulen und Verbänden sei es für Jugendliche verführerisch leicht, auch harte Alkoholika zu bekommen, hat Weiß aus Gesprächen mit den jungen Patienten erfahren. Betrüblicherweise spielten dabei manchmal auch die Eltern eine begünstigende Rolle, indem sie die Heranwachsenden zum Trinken ermunterten und die darauf folgenden Exzesse unterschätzten. Weiß legt Wert darauf, dass die Toleranzschwelle höher gelegt wird. Kinder- und Jugendärzte sollten offen mit den Jugendlichen und mit Eltern über regelmäßigen oder exzessiven Alkoholkonsum sprechen. Bei der Aufklärung auf Elternabenden schon in der Grundschule könnten Ärzte Hilfe anbieten - mit medizinischen Erklärungen und mit durchaus abschreckenden Beispielen.



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