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studio dumont

„Kein klarer Kurs im Pontifikat erkennbar“

Von Matthias Pesch, 26.02.09, 23:20h, aktualisiert 26.02.09, 23:22h

Im studio dumont gab es eine kontroverse Diskussion über Papst Benedikt XVI. und die Pius-Bruderschaft. Der Theologe Höhn und der Philosoph Hoeres stritten über die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

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KÖLN - Kontroverser konnten die Positionen kaum sein. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Öffnung der Kirche zur Welt „hat die Aufweichung des Glaubens eingesetzt“, stellte der Philosoph Walter Hoeres fest. „Die größten Häresien kommen zunächst immer fromm daher“, hielt der katholische Theologe Hans-Joachim Höhn dagegen, „weil sie die anderen, die sich scheinbar mit der Welt einlassen, der Aufweichung und der falschen Kompromisse denunzieren.“ Es waren fundamentale Gegensätze, die sich bei der Podiumsdiskussion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im voll besetzten studio dumont offenbarten. „Rom im Rückwärtsgang?“ fragte Moderator Joachim Frank, stellvertretender Chefredakteur des „Stadt-Anzeiger“.

Hintergrund war die Entscheidung Papst Benedikts XVI., die Exkommunikation von vier Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft zurückzunehmen. Höhn („Ich kann keinen klaren Kurs im Pontifikat Benedikts erkennen“) warf dem Vatikan vor, er sei auf die „perfide Strategie der Bruderschaft hereingefallen“. Vor der Rücknahme der Exkommunikation hätten die strittigen inhaltlichen Fragen geklärt werden müssen. Dabei geht es vor allem um die unterschiedliche Interpretation und Wertung von Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) etwa zur Ökumene, zum Dialog mit den nicht-christlichen Religionen oder zur Religionsfreiheit geht. Dies sei nicht passiert, stattdessen habe die Bruderschaft „ein Entgegenkommen Roms im Verfahren bereits als Entgegenkommen in der Sache“ gewertet, der Vatikan habe dadurch „das Heft des Handelns aus der Hand gegeben“.

Heroes Sympathisant der Pius-Bruderschaft

Hoeres, der sich selbst als Sympathisant der Pius-Bruderschaft bezeichnete, hält einige der Konzils-Dokumente für „interpretationsbedürftig, weil in sich vieldeutig“. So könne er beispielsweise die „Welteuphorie“ und den Fortschrittsoptimismus, wie sie in der Schrift „Gaudium et spes“ formuliert seien, „unter keinen Umständen akzeptieren“. Es gebe zudem keine Glaubensweisheit, die nach dem Konzil nicht von Theologie-Professoren „bis zur Unkenntlichkeit verwässert“ worden sei. Warum, fragte er, würden nicht die Priester exkommuniziert, die die Heilige Messe „mit Gags, Fastnachtsscherzen und ähnlichem“ entehrten.

Nathanael Liminski vom Jugend-Netzwerk „Generation Benedikt“ wies darauf hin, dass es „die klar definierte Aufgabe“ des Papstes sei, die Einheit der Kirche zu wahren. Daher sei es „eine legitime Entscheidung“ Benedikts gewesen, den „Versöhnungsprozess“ mit der Priesterbruderschaft einzuleiten. Liminski („Die Debatte, der Papst wolle das Konzil zurückdrehen, ist hirnrissig“) kritisierte allerdings, dass „das Bild, das die Priesterbruderschaft zurzeit abgibt, kein gutes ist und keines, das auf den Dialog mit Rom aus ist“.

Mit Blick auf den Holocaust-Leugner Richard Williamson, einen der begnadigten Bischöfe, betonte Höhn, dass in dessen zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen „antisemitische Äußerungen in nicht zu kleiner Zahl“ belegt seien. „Bei einer sorgfältigen Recherche kann man das nicht übersehen.“



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