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Neue Hoffnung

Im Irak wächst die Zuversicht

Von Birgit Cerha, 27.02.09, 20:59h, aktualisiert 27.02.09, 23:00h

Im gequälten Nachkriegs-Irak hat tatsächlich eine neue Phase der Zuversicht begonnen. Schon länger dominieren nicht mehr Mord, Tod und Explosionen das Tagesgespräch. Der Wiederaufbau soll nun forciert werden. Auch Rufe nach voller Eigenverantwortung werden lauter.

Irakische Polizisten
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Irakische Polizisten feiern in einem Bagdader Distrikt die Übernahme der Sicherheitskontrollen, die bisher eine US-Einheit ausübte. (Bild: afp)
Irakische Polizisten
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Irakische Polizisten feiern in einem Bagdader Distrikt die Übernahme der Sicherheitskontrollen, die bisher eine US-Einheit ausübte. (Bild: afp)
Gott sei Dank ist es uns gelungen, uns von Rassismus und „blutigem Hass zwischen Angehörigen unterschiedlicher religiöser Gruppen „zu befreien“. Hocherhobenen Hauptes verkündet Iraks schiitischer Premier Maliki dem Volk, dass es gar nichts von einem Abzug der US-Truppen in Phasen, wie ihn US-Präsident Obama vorsieht, zu befürchten hätte. „Wir vertrauen auch voll darauf, dass unsere Streit- und Sicherheitskräfte das Land schützen, Sicherheit und Stabilität konsolidieren werden.“

Ein Blick in die lokalen Medien und die von Politikern jüngst angeschnittenen Diskussionsthemen lässt auch deutlich erkennen, dass im gequälten Nachkriegs-Irak tatsächlich eine neue Phase der Zuversicht begonnen hat. Sie wird begleitet von einer starken Wiederbelebung nationaler Gefühle, einer sich mehr und mehr manifestierenden Sehnsucht, ja Ungeduld, endlich selbst und allein Entscheidungen über die Zukunft des Landes zu treffen, dabei ruhig auch Fehler selbst zu machen, vor allem aber Erfolge für sich verbuchen zu können.

So dominieren nun schon länger nicht mehr Mord, Tod und Explosionen das Tagesgespräch. Da verkündet Maliki, man wolle den zweitreichsten Ölstaat der Welt aus der Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“ lösen. Nun soll die volle Konzentration auf den Wiederaufbau beginnen. Medien berichten, dass die Stromversorgung den Vorkriegsstand erreicht hat. In der zweitgrößten Stadt, Basra, die britische Besatzungs-Truppen im Ende 2007 verlassen hatten, hat ein einigermaßen normales politisches Geschehen begonnen und auch wirtschaftlicher Fortschritt eingesetzt.

Euphorisch, als Beweis endlich gefundener Stabilität, begrüßt Maliki ausländische Staatsgäste, wie den deutschen Außenminister Steinmeier und Frankreichs Präsidenten Sarkozy. So manche politische Kreise im Irak stimmen Kommentaren französischer Medien zu, dass neue Beziehungen zu Frankreich den Irakern helfen würden, sich aus der „politischen Vormundschaft“ der USA zu lösen.

Dennoch ist der Irak von Stabilität weit entfernt. Deshalb entschied auch Obama, den Großteil der US-Kampftruppen erst im Januar 2010 abzuziehen, damit sie in der potenziell explosiven Kampagne für die Parlamentswahlen im Dezember 2009 noch für Ruhe sorgen können.

Fehlende Versöhnung

Ob Iraks von den USA ausgebildeten Streitkräfte ohne US-Hilfe den Herausforderungen gewachsen sind, erscheint höchst fraglich. Laut US-Militärkreisen fehlt es den 600 000 Soldaten und Polizisten an Logistik, erfahrenen Mechanikern, einem effizienten Geheimdienst und vor allem einer Luftwaffe. Neu bestellte Kampfflugzeuge werden nicht vor 2013 zur Verfügung stehen. In den letzten Monaten hatte sich wiederholt gezeigt, dass die Iraker Kämpfe gegen Rebellen nicht allein siegreich beenden können.

Trotz der einigermaßen erfolgreich durchgeführten Provinzwahlen am 31. Januar bleiben die politischen Fortschritte, insbesondere Versuche einer nationalen Versöhnung, höchst bescheiden. Unter arabischen Sunniten, manchen Schiiten, vor allem aber unter den Kurden wächst die Sorge über Malikis Machtgelüste. Immer noch konnte man sich auf kein Öl-Gesetz einigen, die genaue Struktur des Föderalismus bleibt umstritten, über den Status der von den Kurden beanspruchten Ölstadt Kirkuk zeichnet sich keine Einigung ab.

Während die Türkei weiterhin nach Lust und Laune im Nord-Irak militärisch agiert, versetzen die US-Abzugspläne die Kurden in Panik. Deren Premierminister Nechirvan Barzani warnt vor Gewalt, sollten die Amerikaner nicht vor ihrem Abzug die wachsenden Probleme zwischen Bagdad und der Regionalregierung Kurdistans regeln. Zwar haben sich so manche arabisch-sunnitische Gruppen, die lange die neue Ordnung bekämpft hatten, nun von den Vorzügen der Demokratie überzeugen lassen, die sie - etwa in Mosul - wieder in die Lokalverwaltung brachte. Doch jüngste Terrorakte gegen schiitische Pilger gelten als Warnung, dass die Ursachen der Gewalt längst nicht behoben sind.



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