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Auszeit genommen

Abenteuer auf hoher See

Von Ana Ostric, 03.03.09, 18:20h, aktualisiert 04.03.09, 10:38h

Statt am Lise-Meitner-Gymnasium Deutsch und Religion zu unterrichten, nahm sich Lehrer Dominikus Klinke ein Jahr Auszeit. Er segelte auf einem Dreimaster nach Südamerika und schipperte anschließend durch die Antarktis.

Dominikus Klinke
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Lehrer Dominikus Klinke machte ein Sabbatjahr, um auf dem Segelschiff "Europa" zu arbeiten. (Bild: Ralf Krieger)
Dominikus Klinke
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Lehrer Dominikus Klinke machte ein Sabbatjahr, um auf dem Segelschiff "Europa" zu arbeiten. (Bild: Ralf Krieger)
Leverkusen - Nein, sein Großvater war kein Seefahrer. Abenteuerliche Geschichten von den sieben Weltmeeren bekam Dominikus Klinke vorm Einschlafen nicht erzählt. Bootstouren mit den Eltern? Ebenfalls Fehlanzeige. „Ich bin in unserer Familie ein Exot“, muss der 41-Jährige zugeben. Trotzdem hatte er diesen Wunsch: „Einmal über den Ozean fahren.“

Nun hätte sich Dominikus Klinke ein Ticket für eine erholsame Kreuzfahrt kaufen können. Sich wie auf dem „Traumschiff“ in die Karibik schippern lassen, am Pool Cocktails schlürfen und abends im Smoking zum Essen im Restaurant erscheinen. Genau das wollte der Lehrer vom Lise-Meitner-Gymnasium aber nicht. „Ich wollte auf einem richtigen Segelschiff über den Atlantik fahren“, erzählt er. Doch damit nicht genug. Klinke wünschte sich, den Weg über den Großen Teich mitzugestalten. Erste Erfahrungen sammelte er auf stillem Gewässer, als er während des Studiums einen Segelschein für Binnengewässer machte. Im September 2007 war es dann endlich soweit: Dominikus Klinke ging auf große Reise.

Statt Deutsch und Religion zu unterrichten, nahm Klinke ein Sabbatjahr. Er wandelte seine Vollzeit- in eine Drei-Viertel-Stelle um, arbeitete drei Jahre lang trotzdem 100 Prozent und hatte das vierte Jahr frei. Im Internet fand er ein niederländisches Segelschiff, auf dem er als so genannter Trainee anheuerte. Zweieinhalb Monate war er als zahlender Gast auf dem Dreimaster „Europa“ (Baujahr 1911) und arbeitete stundenweise an Bord. Von Amsterdam über Lissabon und Teneriffa nach Argentinien führte die Route. 3800 Euro zahlte der Lehrer für die Verwirklichung seines Kindheitstraums. „Jeder macht alles“, beschreibt er das Leben als Trainee. Kabinen säubern und Küchendienst, aber auch Ausguck machen und beim Setzen und Bergen der Segel helfen zählten zu seinen Aufgaben. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schildert er die ersten Tage auf dem Segelschiff. „Learning by doing“, also Lernen durch Handeln, lautete sein Motto. Sturm und Wellengang machten Klinke nichts aus, „ich wollte rauf auf die Masten“. Nach zweieinhalb Monaten erreichte das Segelschiff mit 50 Personen an Bord die südargentinische Stadt Ushuaia.

In der Antarktis

„Von dort aus bin ich nach Buenos Aires geflogen, um Spanisch zu lernen“, erzählt der Deutschlehrer. Anschließend wollte er Südamerika erkunden, doch am Silvestertag 2007 erhielt er ein Angebot, das er nicht ausschlagen konnte. Der Kapitän der „Europa“ schlug ihm vor, als Mannschaftsmitglied in die Antarktis zu fahren: „Das war die Chance meines Lebens“.

Zehn Tage später begann das nächste Abenteuer auf hoher See. Als Teil der Crew ging Dominikus Klinke diesmal an Bord. „Das bedeutete Hand gegen Koje“, erklärt er. Für die Teilnahme an drei Expeditionen musste er nichts bezahlen. Im Schichtdienst arbeitete er mit einer internationalen Crew zusammen, untergebracht in Sechs-Bett-Kabinen. Anpacken beim Segelsetzen, aber auch Reparaturen und das Anleiten der Trainees gehörten nun zu seiner täglichen Arbeit. Außerdem begleitete er die Gäste bei ihren Landgängen und Bootstouren. Zwei dreiwöchige Fahrten in die Antarktis begleite Klinke. Die dritte Expedition führte ihn wieder in die Antarktis und anschließend nach Kapstadt in Südafrika, wo er im April 2008 an Land ging.

Brenzlige Situationen

Unberührte Natur, Eisberge, Gletscher, Kolonien von Pinguinen und Robben - diese Eindrücke von der antarktischen Halbinsel haben sich bei Dominikus Klinke besonders eingeprägt. Er hat nach Eisbergen Ausschau gehalten, ist auf den 32 Meter hohen Mast geklettert, hat das Gekrächze der Pinguine und das Knacken des Eises gehört. Brenzlige Situationen hat es auch gegeben. Wenn Touristen im Ausflugsboot ganz nah an die Seelöwen herangefahren werden wollten. Oder als er nach einer Unachtsamkeit kopfüber in den Masten hing, in der Sicherung zwar, aber auf Hilfe angewiesen.

Seit August ist Dominikus Klinke wieder im Schuldienst. Was er auf dem Schiff erlebt habt, vor allem die Naturgewalten, versucht er seinen Schülern näher zu bringen. Dazu wählt er einen Vergleich: „Das ist kein Videospiel, man kann keine neuen Leben aufladen“. Auch von der Teamarbeit auf dem Schiff erzählt er gerne, „die fehlt mir hier“. In den Sommerferien möchte der Pädagoge noch einmal auf einem Segelschiff auf Fahrt gehen. Von Irland nach Kanada. Auf dass er noch viele Geschichten von hoher See erzählen kann.



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