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Bud Spencer und Franco Nero

Ein Halleluja für zwei Fäuste

Von Eric Pfeil, 06.03.09, 19:49h, aktualisiert 06.03.09, 19:51h

In der deutschen Krimikomödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ sind die Italiener Bud Spencer und Franco Nero in ausgedehnten Gastrollen zu sehen. Eine Begegnung mit den Helden einer unschuldigen Kinoära.

Bud Spencer und Franco Nero
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Bud Spencer (l.) und Franco Nero bei der Premiere von „Mord ist mein Geschäft, Liebling“. (Bild: dpa)
Bud Spencer und Franco Nero
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Bud Spencer (l.) und Franco Nero bei der Premiere von „Mord ist mein Geschäft, Liebling“. (Bild: dpa)
Franco Nero, deutlich vom Jetlag geplagt, hat sich hinter seiner getönten Brille gemütlich gemacht. Sein Italo-Englisch klingt, als versuche sich ein amerikanischer Komiker an einer Mafia-Parodie; das Vokabular ist präzise, aber der Akzent ist von charmanter Klobigkeit. Seine Analyse der Zustände des italienischen Kinos fällt lakonisch aus: „Es liegt am Boden. Früher lief das so: Wir haben pro Jahr hunderte Erfolgsfilme gedreht. Western, Gangsterfilme, Komödien, alles . . . Und mit diesen Filmen haben wir dann die künstlerischen Werke finanziert. Ein guter Deal. Heute dreht man in Italien weder tolle Genrearbeiten, noch Kunst, sondern einfach irgendwelche Filme.“

Kaum mehr zu glauben: um 1970 war Italien auf dem Sektor des Unterhaltungsfilms konkurrenzlos. Mehr als vierhundert Filme entstanden pro Jahr: rüde Polizei-Kracher, sinnliche Psychothriller, politisierte Mafiastreifen, hitzige Sexfilme. Die drei großen italienischen Filmstudios Cinecittà, Elios und Laurentiis brachten Superstars hervor: den Kubaner Tomas Milian etwa oder Einheimische wie Giuliano Gemma oder Gian Maria Volonté; doch auch Klaus Kinski, Mario Adorf und Helmut Berger oder die Amerikaner Charles Bronson, Clint Eastwood und Henry Fonda lieferten hier ihre faszinierendsten Auftritte ab.

Das Schöne am italienischen Unterhaltungskino: Es ist ein Kino ohne falsche Scham, ein Kino des absoluten Zeigens und der drastischen Darstellung. Es kannte auch keine Angst vor dem Experiment, und so sorgten Regisseure wie Sergio Leone, Dario Argento oder Sergio Corbucci mit jedem Film für neue Impulse, die Hollywood erst nur irritiert zur Kenntnis nahm, dann jedoch begierig aufsaugte. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar: Der in Babelsberg gedrehte kommende Film des Italo-Fans Quentin Tarantino ist ein Remake eines ungewaschenen italienischen B-Kriegsfilms von Enzo Castellari.

Auslöser dieses beispiellosen Booms war der Italo-Western, der ab 1965 die Kinos der Welt flutete. Auch die Karrieren zweier Herren, die dieser Tage in einer deutschen Produktion zu bewundern sind, wurden durch Spaghetti-Western erst auf den Weg gebracht: Franco Nero, 67, und Bud Spencer, 79. In der bisweilen arg unter hiesigen TV-Humor-Gepflogenheiten krankenden Komödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ sind beide in ausgedehnten Gastrollen zu sehen.

Laut Carlo Pedersoli, wie Spencer bürgerlich heißt, könnten die beiden gar nicht unterschiedlicher sein: „Franco Nero ist ein großer Schauspieler, ich bin einfach ein Typ, und den stelle ich immer wieder dar.“ Auf die Frage, worauf in seinem ereignisreichen Leben er besonders stolz sei, fällt die Antwort des ehemaligen Leistungssportlers denn auch originell aus: „Mein Flugführerschein“, brummt Pedersoli. „Ich war 45 damals und habe 2000 Flugstunden abgerissen, um einen Jet fliegen zu können, das war mein Traum. Das bedeutet mir wirklich etwas, die Schauspielerei habe ich dagegen nie so ernst genommen.“

Ganz anders Franco Nero - 1965 erhielt er die Rolle, mit der er zum Star, ja, zur Ikone werden sollte: In Sergio Corbuccis grimmigem Western „Django“ spielt er den mundfaulen Titelheld, der ständig einen Sarg hinter sich her zieht. Inhalt der Kiste: ein Maschinengewehr. So etwas hatte man bis dato noch nicht gesehen; bis heute läuft der Film im TV nur in geschnittener Fassung, im New Yorker Museum Of Modern Art liegt seit eine Kopie.

Nero, ein drahtiger sanfter Macho-Typ, wird ungemein munter, wenn er sich an seine Drehs mit Regisseur Corbucci erinnert: „Er war unglaublich faul, nicht zuletzt wegen seines niedrigen Blutdrucks. Abends hing er lange in Bars herum, zum Dreh kam er immer zu spät. Einmal nahm er mich zur Seite: »Franco«, flüsterte er, »schau dir die Crew an: Alle warten, dass ich mit einer Idee komme, und weißt du was? Ich hab keine Idee; lass uns einen trinken gehen.« Ich liebte den Mann.“ Später ging Nero in die USA, wo er den Film „Camelot“ drehte, der ihm eine Golden Globe-Nominierung und die Bekanntschaft mit seiner späteren Ehefrau Vanessa Redgrave einbrachte. Doch schon bald war er zurück in Italien und spielte wieder schießfreudige Outlaws.

„Es war eine tolle Zeit“, sagt er, „sehr unschuldig und naiv.“

Auch der Nicht-Schauspieler Carlo Pedersoli, der von seinem Alter Ego Bud Spencer oft in der dritten Person spricht, gibt sich recht wehmütig, wenn er von früher erzählt. „Das waren schöne Zeiten. Vor allem mit den Stuntmen, denen ich mich immer sehr verbunden gefühlt habe. Was Schlägereien angeht, haben die Italiener einfach die besten Leute. Uns ist nie etwas passiert beim Dreh, nur Terence hat einmal einen Tisch auf den Kopf gekriegt.“ Bud Spencer verzieht keine Miene, aber seine Augen lächeln unentwegt. Im schwarzen Anzug, auf einen Stock gestützt und mit gütigem Gesichtsausdruck sitzt er da und wirkt wie ein alter Padrone, der von früher erzählt. Als Pedersoli - der seinen Künstlernamen aus seinem Lieblingsbier „Budweiser“ und seinem Lieblingsschauspieler Spencer Tracy zusammensetze - anfing, Filme zu drehen, war er fast 40 und hatte schon Etliches hinter sich: Er war mehrfacher Familienvater, langjähriger italienischer Schwimmmeister, hatte Chemie und Jura studiert und in Südamerika gelebt. Sein Durchbruch als Hauptdarsteller neben Terence Hill fällt in eine Zeit, als die Brutalitäten des Italo-Western das Publikum zu langweilen begannen. „Die Leute wollten keine Leichen mehr sehen. Da kam unser Ansatz gerade recht.“ Streit zwischen den beiden habe es nie gegeben: „Terence Hill ist Schauspieler, und ich war vor allem dieser 150-Kilo-Typ. Mir ist egal, wo die Kamera steht und wie viel Text ich habe, dadurch gab es nie Reibereien wie sonst zwischen zwei Hauptdarstellern.“

Es ist indirekt Franco Nero zu verdanken, dass Spencer und Hill mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ zum Erfolgsteam werden konnten: „Mir wurden nach »Django« unzählige Western angeboten“, erzählt Nero, „Ich war auch für die eine Hauptrolle in »Die rechte und die linke Hand des Teufels« im Gespräch, dem ersten komischen Italo-Western, aber ich hatte andere Verpflichtungen. Also suchten die Produzenten einen Schauspieler, der mir möglichst ähnlich sah - und fanden Mario Girotti.“ Um Girotti auf dem internationalen Markt besser platzieren zu können, legten ihn die Produzenten eine Liste mit möglichen Pseudonymen vor. Er tippte auf den Namen, der ihm am besten gefiel: Terence Hill.

Die Idee, noch mal einen Film mit Hill zu machen, habe er nicht aufgegeben, sagt Bud Spencer. Auch privat stünden sie noch in Kontakt: „Terence kommt manchmal zum Spaghettiessen zu mir nach Hause. Bei ihm gibt es so was nicht, weil seine Frau Angst hat, er könne zu dick werden.“ Spencer mag das Filmgeschäft nicht allzu ernst genommen haben, aber die Begeisterung, die dem alten Mann bei seinem Deutschlandbesuch entgegenschlägt, ist ohne Beispiel: Jeder will sich mit ihm fotografieren lassen, bittet um ein Autogramm - und allen ist anzumerken, wie viel ihnen der Händedruck des Unikums aus unschuldigen Tagen bedeutet. Als sich Spencer nach dem Interview erhebt, um von seiner Dolmetscherin gestützt, langsam von dannen zu schleichen, wird er von einer jungen Italienerin angehalten, die fragt, ob sie ihn umarmen dürfe. Sie darf. Im Nahkampf bleibt er ungeschlagen.



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