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Kommentar zur Kinderpornographie

Der seltsame Fall des Jörg Tauss

Von Christian Rath, 06.03.09, 23:35h, aktualisiert 09.08.09, 17:06h

Es wäre schon interessant zu wissen, wie genau das „berufliche Interesse“ des SPD-Abgeordneten Jörg Tauss an den gefundenen Materialien aussah, wie er sie sich besorgt und warum er darüber nicht die Polizei informiert hat.

Jörg Tauss
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Der baden-württembergische SPD-Bundestagsabgeordnete, Jörg Tauss. (Bild: dpa)
Jörg Tauss
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Der baden-württembergische SPD-Bundestagsabgeordnete, Jörg Tauss. (Bild: dpa)
Der Fall Jörg Tauss polarisiert. Die einen halten den Verdacht der Kinderpornografie gegen den SPD-Abgeordneten bereits für erhärtet. Die anderen - und es sind erstaunlich viele - glauben, hier werde ein kritischer Abgeordneter von politischen Gegnern mit der „Kinderporno-Keule“ aus dem Feld geschlagen.

Bis das Ergebnis der Ermittlungen feststeht, sind beide Positionen spekulativ. Es fällt allerdings schwer zu glauben, dass ein medienversierter Mensch wie Tauss so viele belastende Datenspuren hinterlassen haben sollte, wenn er sich denn wirklich Kinderpornos für den Privatgebrauch beschafft hätte. Tauss weiß schließlich, wie man anonym und verschlüsselt im Internet kommuniziert.

Andererseits verwundert, warum der sonst so angriffslustige Politiker sich jetzt nur „gelassen“ abwartend zeigt, statt seinerseits in die Offensive zu gehen. Es wäre schon interessant zu wissen, wie genau sein „berufliches Interesse“ an den gefundenen Materialien aussah, wie er sie sich besorgt und warum er darüber nicht die Polizei informiert hat. Pikanterweise ist Tauss als vehementer Gegner von Regierungsplänen hervorgetreten, den Zugang zu Kinderporno-Seiten im Internet zu blocken. Hier werde eine allgemeine Zensur des Internets vorbereitet, warnte er.

Dass er nun selbst mit Kinderporno-Bildern in Verbindung gebracht wird, belegt aber noch nicht, dass die restriktiven Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) richtig sind. Tauss hat immer betont, dass Kinderporno-Konsumenten sich kaum im frei zugänglichen Internet bedienen, sondern in abgeschlossenen Computer- und Handy-Netzwerken. Auch er soll nun Bilder und Videos übers Handy erhalten haben, eine DVD sogar per Post. Egal, wie die Affäre ausgeht, neue Argumente für die Kontrolle des Internets liefert sie wohl nicht.



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