Von Peter Limbach, 09.03.09, 18:49h, aktualisiert 09.03.09, 18:51h
Das kann die Band aber so gut, dass sie sich eine andere Herausforderung gesucht hat: das neue, akribisch ausgetüftelte Album „Blue Traxs“ einmal „zu seiner Präsentation fast original-getreu auf der Bühne nachzuspielen, es aufzuführen“, formulierte Delbrügge. Dazu hatten sich die Floorjivers Gäste eingeladen hatten, die auch auf dem Album dazu beitrugen, die am Hörer vorbeiziehenden Klanglandschaften noch ein bisschen üppiger zu gestalten. Eleganten Funk steuerte Gitarrist Till Kersting bei. Violinistin Nina Leonards - die zuweilen ein wenig lauter hätte abgemischt werden können - bereicherte mit süß-herbem Balkan-Swing und mit jenen Streicher-Grooves, die schon Disco- und Soul-Klassikern aus den 70er Jahren ihren Charme verliehen.
Warum Sängerin Christiane von Kutzschenbach, die aus München angereist kam, noch nicht zum Weltstar avanciert ist, verwundert auf der einen Seite doch sehr. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ihre wunderbare Stimme zu reizvoll ist, nicht charts-tauglich, nicht oberflächlich genug. Ihr verführerischer, leicht brüchiger, aus der Tiefe der Seele hervorbrechender Vortrag rieb sich aufregend mit den relaxten Sounds der Floorjivers, in einer Version des Soul-Hits „Fever“ zum Beispiel. Für kreative Kontraste sorgte zudem die Video-Show des Kölner Künstlers Uli Sigg. Zur entspannt fließenden Musik lieferte er rasant geschnittene, scharfkantige Bilder aus Natur und Industriewelten.
Am Ende der Live-Aufführung von „Blue Traxs“ war klar: Das Album bietet entspannten, aber niemals oberflächlichen, höchst detailreichen „Electro-Lounge“, bei dem es viel zu entdecken gibt. Auf der Bühne aber ist die Freistil-Version der Floorjivers noch ein Stück faszinierender. Die gab es als ausgedehnte Zugabe. Da waren sie wieder die tollkühnen Musikanten in ihren fliegenden Kisten, die ohne Zielvorgabe, improvisiert losfliegen.
Auch Thomas Malzkorn überlässt beim Musizieren „vieles gern dem Zufall“. Mit seinem Projekt Malzkorn startete der 44-Jährige den Abend höchst abenteuerlich. Als Popmusik bezeichnet er die Melange aus schrägen Orgeltönen, allerhand futuristischer Elektronik und Fiepsen, knarzigen Beats aus Samples und Loops sowie mehr oder weniger verfremdeten Stimmen - in die dann noch Gerd Türke mit Gitarre und Bass dazwischen-funkt. Der wird unter dem Namen Turquoise schon seit einigen Jahren von Elektro-Pop-Freunden geschätzt. Als Malzkorn verschwendeten die zwei bei der Klangprobe großzügig eine Reihe wunderschöner Melodien und knackiger Grooves, die an und für sich charts-tauglich wären. Doch die Experimentierfreudigkeit, die Lust aufs pure Musizieren ohne kommerziellen Hintersinn, ist einfach zu groß. Wer die deutsche Science-Fiction-TV-Serie Raumpatrouille Orion kennt, der kann ungefähr ermessen, wie viel Fantasie es braucht, um zu solch einer futuristischen Musik tanzen zu können.
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