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Bergung des Archivguts

„ Eine neue archäologische Zone“

Von Martin Oehlen, 09.03.09, 21:19h, aktualisiert 10.03.09, 18:27h

Die Archiv-Direktorin Bettina Schmidt-Czaia sieht das Archivgut zwar in einem furchtbaren Zustand, hat aber auch einige Kostbarkeiten retten können.

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Aus den Trümmern des Archivs geborgene Siegel. (Bild: Rakoczy)
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Aus den Trümmern des Archivs geborgene Siegel. (Bild: Rakoczy)
Köln - „Es gibt eine neue archäologische Zone in Köln“, sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff vor der Presse am Montag. Sobald die zweite vermisste Person gefunden sei, werde man sich mit großer Sorgfalt den verschütteten Objekten des Historischen Archivs der Stadt Köln widmen. Doch derzeit gelte: „Wir bergen nur dann Kulturgut, wenn es bei der Personenrettung anfällt - im Moment ist es eine Nebenerscheinung.“

Die eh schon malträtierten Archivalien werden weiterhin gefährdet dadurch, dass die Stätte der Katastrophe immer noch nicht vor dem Regen gesichert ist. Der Aufbau des Daches auf dem instabilen Untergrund erweist sich als schwieriger als zunächst vermutet. Möglicherweise wird es erst am heutigen Dienstag stehen.

Die Lage des Archivguts ist nach Aussage von Kulturdezernent Georg Quander „unübersichtlich und katastrophal“. Der Schaden sei tatsächlich weit größer als beim Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Von den Druckwerken habe es in der Regel noch ein zweites oder drittes Exemplar gegeben. Bei den Objekten aus dem Stadtarchiv hingegen handele es sich um einmalige Urkunden. Die Aufbereitung des bisher geretteten Archivgutes sei sehr zeit- und arbeitsintensiv. Zum Teil seien die Objekte extrem vermengt mit dem Schutt: „Es ist eine sehr dreckige Arbeit.“

Groß ist die Unterstützung für Köln aus allen Himmelsrichtungen. Sie zeige, so Quander, dass die Fachschaft sofort erkannt habe, welche Katastrophe sich hier ereignet habe. Der Kulturdezernent zählt als Kölner Hilfen auf: sämtliche Archive, das Joseph-DuMont-Berufskolleg, der Frauengeschichtsverein, die Universität zu Köln, Restauratoren aller Museen, der Verband der Restauratoren, ehemalige Kollegen des Stadtarchivs und die Fachhochschule. Und außerhalb von Köln: die Kommunalarchive aus Bonn, Düsseldorf und Neuss, die Uni Bonn, die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe, das Landesarchiv NRW, die Archivschule Marburg sowie Studenten aus Bern, die fachkundig in der Foto-Restaurierung sind. Das Büro des Kulturstaatsministers in Berlin habe „jegliche Hilfe“ zugesagt, namentlich durch das Bundesarchiv, und Hilfsangebote gebe es auch von der Landesregierung in Düsseldorf.

Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia erklärte vor der Presse, dass es „furchtbare Zustände“ gebe. So sei das städtische Wohnungsarchiv für die Zeit nach dem Krieg so zerrissen, dass es kaum zu restaurieren sein werde. Immerhin wurden aber auch schon einige Kostbarkeiten aus dem so reichen Bestand des Archivs gerettet. Von den beiden Autographen des Albertus Magnus sei einer gefunden worden. Und von den fünf Büchern des Hermann von Weinsberg, der eine plastische Schilderung des Kölner Lebens im 16. Jahrhundert zu Papier gebracht hat, seien immerhin vier Bände gesichert. Allerdings vermochte Schmidt-Czaia nicht zu sagen, in welchem Zustand die Werke sich befinden. Auch blieb vorerst unbekannt, um welche Albertus-Schrift es sich handelt.

Sie selbst habe diese Objekte noch nicht in Augenschein nehmen können, sondern sei lediglich darüber informiert worden. „Es muss sehr schnell gearbeitet werden“, so die Archiv-Direktorin. Was die Feuerwehr aus dem Trümmerfeld herausreiche, werde in drei Schichten rund um die Uhr gesichtet und verpackt. Sobald Archivstücke mit Schutt vermischt seien, werden diese an eine Außenstelle geschickt, wo sie gesäubert werden. Mit der Aufgabe der Sortierung und Verpackung seien ständig 30 bis 50 Personen befasst. Erst wenn die vermisste Person gefunden sei, könne man „ruhiger und disziplinierter“ ans Werk gehen.

Die künftige Sicherung des Kulturgutes, bei der die Feuerwehr in „engster Zusammenarbeit“ mit der Archivleitung vorgehen werden, werde wohl Monate dauern, so Feuerwehrchef Neuhoff. Dann auch werde man darauf achten, dass Bestände nicht auseinander gerissen werden. Doch „im Moment werde nur genommen, was man greifen kann“.



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