Von Joachim Sprothen, 10.03.09, 17:36h
Die derzeit rund 1300 Vereinsmitglieder aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland befassen sich mit „Arachniden“. Das sind Lebewesen, die nicht unbedingt als knuffige Streicheltierchen gelten. Die DeArGe hat sich der Spinnentiere angenommen, zu denen neben „echten“ Spinnen auch Milben, Weberknechte und Skorpione zählen. Dass der Verein seinen Sitz in Nemmenich hat, ist dem Dorfbewohner Boris F. Striffler zu verdanken. Seit dem 12. März 2006 ist der freiberuflich tätige Diplom-Biologe Vorsitzender der DeArGe. Während in der mit 300 Mitgliedern wesentlich kleineren „Arachnologischen Gesellschaft“ überwiegend Wissenschaftler zusammengeschlossen sind, bietet die DeArGe vor allem Hobbyzüchtern Informationen über Spinnen, die laut Striffler früher kaum zu bekommen waren.
In diese Angebotslücke ist der 35-Jährige selbst gesprungen. Er ist Autor von mittlerweile sechs Fachbüchern, bereiste für den Privatfernsehsender Vox ferne Länder, um Spinnen in ihrer natürlichen Umgebung zu filmen, und informierte in der WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks & Co“ über die achtbeinigen Gesellen. Derzeit beherbergt er in Nemmenich auch Skorpione: „Das Paar wurde mir übergeben, um die Art exakt zu bestimmen.“
Lange Jahre war Schwerte der Standort der 1995 in Ludwigsburg gegründeten DeArGe. Vor einigen Monaten zog Striffler mit seiner Ehefrau Barbara nach Nemmenich um und mit ihm der Vereinssitz. Barbara Striffler ist Heilpädagogin und bietet therapeutisches Reiten an. In dem Zülpicher Außenort fanden die beiden ein Haus mit Grundstück, das Platz für Pferde bietet. So ganz nebenbei zogen auch noch Hunde, Katzen und Rennmäuse mit um. Zu der Menagerie gehören aber auch Spinnen. Etwa 50 Arten züchtet Striffler in seinen Terrarien. Nemmenich war ihm nicht ganz unbekannt. Striffler wurde im Februar 1974 in Euskirchen geboren und machte sein Abitur an der Marienschule.
Mit neun Jahren entdeckte der kleine Boris seine Liebe zu den achtbeinigen Krabbeltieren. Zu seinem ersten „Mitbewohner“ wurde eine heimische „Hauswinkelspinne“, die in seinem Kinderzimmer in einem Einmachglas ein neues Zuhause fand. Ein recht dicker Brummer, der mit seinem Durchmesser von sechs bis sieben Zentimetern selbst aus der Sicht Strifflers „ziemlich eindrucksvoll“ ist. Gegen die meisten seiner heutigen Pfleglinge ist die Hauswinkelspinne aber ein recht mickriger Vertreter der Arachniden-Sippe.
Bei Strifflers Schützlingen handelt es sich überwiegend um Vogelspinnen, mit denen sich auch die DeArGe schwerpunktmäßig befasst. Der Körper einer Riesenvogelspinne kann Ausmaße eines Bierdeckels annehmen. Mitsamt Beinen erreicht das Tier einen Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern. Bei diesen größten bekannten Vogelspinnen kann auch schon mal eine Ratte auf dem Speisezettel stehen. Derartige Fütterungsmethoden, die in reißerischen Filmen vor allem im Internet präsentiert werden, lehnt Striffler kategorisch ab: „Ich bin dagegen, Wirbeltiere an Wirbellose zu verfüttern.“ Und das nicht nur, weil er „eine Maus für intelligenter als eine Spinne“ hält: „Das Gift der Spinnen ist vor allem bei ihrer Hauptbeute, den Insekten, hochwirksam.“ Der Todeskampf einer Maus könne sich nach dem Biss indes über eine qualvoll lange Zeit hinziehen.
Striffler hat durchaus auch Exemplare in seinem „Sortiment“, die selbst für Menschen nicht ganz ungefährlich sind. „Schwarze Witwen“ darf sich laut Striffler in Nordrhein-Westfalen zwar jeder Laie auf Börsen anschaffen, gehören aber sicherlich nur in die Obhut erfahrener und verantwortungsbewusster Fachleute. Die recht kleine Spinne, die man in den Sommerferien auch in Italien antreffen kann, hat schon zu Todesfällen bei Menschen geführt. Striffler: „Nach einem Biss sollte man innerhalb einer Stunde im Krankenhaus sein.“ Irgendwie „beruhigend“ wirkte da angesichts der „Schwarzen Witwe“ in ihrem Einmachglas auf den Stadt-Anzeiger-Reporter diese Zusatzbemerkung: „Die Beschwerden können nach zwei oder drei Tagen auch von alleine weggehen. Dazwischen sollen dann aber höllische Schmerzen liegen.“
Striffler wurde in den vielen Jahren, in denen er Spinnen züchtet, noch nie gebissen. Aggressiv seien seine Schützlinge nicht. Eine „Schwarze Witwe“ werde nur dann zubeißen, wenn man ihr im wahrsten Sinne des Wortes zu nahe tritt. Und die Vogelspinnen, die das Gros Strifflers Terrarien bewohnen, sind gar nicht in der Lage, ihm großes Leid zufügen können. Mit diesbezüglichen Fehlinformationen räumt der Experte auf: „Deren Biss ist für den Menschen nicht gefährlicher als der Stich einer Wespe.“
Für abenteuerlich hält Striffler seine Passion ohnehin nicht. Gefährlich sei der Umgang mit den achtbeinigen Gesellen allenfalls für die männlichen Spinnen, die das Weibchen nach dem Geschlechtsakt nicht allzu selten zum Fressen gern hat. Den 35-Jährigen faszinieren die unterschiedlichen Jagdmethoden der Spinnen, das Paarungsverhalten, der Bau filigraner Netze und Kokons und die Häutung, bei der ein absolutes Ebenbild des lebenden Tieres herauskommt. Überdies stellten Spinnen keine allzu großen Ansprüche. Der Platzbedarf sei gering, und was Temperatur und Luftfeuchtigkeit angehe, müsse man nur wissen, wo die Tiere in der freien Natur beheimatet sind.
Spinnen besiedeln den gesamten Erdball von der heißen Trockenwüste über feuchte Tropenwälder bis hin zu arktischen Zonen im ewigen Eis. Das Verbreitungsgebiet von Menschen mit Spinnenphobie sei da weit kleiner. Bei Naturvölkern ist dieses Phänomen unbekannt. Striffler: „Angst vor Spinnen ist vor allem anerzogen.“ Bei ihm selbst schlugen derartige „Erziehungsversuche“ offenkundig fehl. Striffler: „Meine Mutter hat eine Spinnenphobie.“
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