Von Günter Jeschke, 11.03.09, 16:59h
Für das Verständnis der hebräischen Gebetsgesänge sorgten die ausführlichen Erläuterungen im Programmblatt.
Einblicke in Liturgie
So lernte man eine Reihe von gesungenen Gebeten kennen, die überwiegend im Mittelalter entstanden. Simon Horvath, Synagogalsänger der liberalen jüdischen Gemeinde Köln und Schüler am Albert-Magnus-Gymnasium in Bergisch Gladbach, interpretierte sie durch die Kirche schreitend, von der Empore und vom Altar aus - teils als Solist, teils in Orgelbegleitung. Mit festem, sicherem Bass-Bariton und ausstrahlender Konzentration zog er die Zuhörer in seinen Bann. Mit der Hymne „Lecha Dodi“ („Komm, mein Freund, der Braut entgegen“) begrüßte er den Sabbat und lobte mit Psalm 92 den Feiertag, „Mizmor shir“ („Ein Lied für den Sabbat“). „Schma Israel“ („Höre Israel“) und „V'Ahavta“ („Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben“) gaben Einblicke in die jüdische Liturgie und die zentralen Gebote des Judentums.
Den christlichen Teil des Konzertes gestalteten die 25 Sängerinnen und Sänger des Kammerchores der Gemeinde unter Leitung von Doris Röskenbleck: Aus dem Mittelalter von Johann Hermann Schein aus dessen „Israelsbrünnlein“ und aus dem 20. Jahrhundert die Interpretationen zu den Psalmen 130 („Aus der Tiefe rufe ich“) von Heinrich Kaminski und Psalm 121 („Ich hebe meine Augen auf“) von Willy Burkhard.
Die vier- und fünfstimmigen Werke präsentierte der Chor nach anfänglicher Textunverständlichkeit überzeugend gut. Insbesondere bestach der Sopran mit weichem Klang auch in den höchsten Lagen. Die Männerstimmen rundeten den Gesamteindruck positiv ab, auch wenn sie im Psalm 121 Sicherheit vermissen ließen. Den instrumentalen Teil intonierte die Kantorin an der Orgel mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Präludium c-Moll op.37 und der Sonate B-Dur op.65 Nr.4. Die langsamen Sätze der Sonate klangen ruhig, teils wie Klarinetten- und Gemeindegesang. Die Ecksätze bildeten einen extremen Kontrast dazu, der im Kirchenhall mit seiner Lautstärke fast erschlug.
Weich und ausdrucksvoll, fast selig zelebrierte Thomas Blees mit dem Cello das „Kol Nidrej-Gebet“, das zur Einleitung des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur gesungen wird. Im Zusammenklang mit der von Martin Dickel gespielten Orgel stiegen die Melodien von Max Bruch aus Tiefen in himmlische Höhen zu Sanftheit und Ruhe. Einen ausgezeichneten Abschluss fanden die Gesangskünstler in dem gemeinsamen Auftritt mit dem jüdischen „Shalom Aleichem“ („Frieden für alle“) und dem Gesang von Hugo Distler „Verleih uns Frieden“, den die Kantorin erst solistisch und dann gemeinsam mit dem Chor vortrug. Eine einzige Stunde Musik bringt selten so viele Eindrücke zusammen wie dieses jüdisch-christliche Begegnungskonzert. Großer Applaus.
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