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Leitartikel zu KVB

U-Bahn-Bau ohne Kontrolle

Von Peter Berger, 15.03.09, 23:45h, aktualisiert 19.03.09, 11:56h

Es gab und gibt keine öffentliche Kontrolle der Bauarbeiten an der Nord-Süd-Stadtbahn. Die KVB durften ihre Arbeiten selbst überwachen. Stadt und KVB sind nun in der Pflicht, dieses Unglück und eigenes Fehlverhalten sorgfältig und schonungslos aufzuklären.

U-Bahn-Bau Köln
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Eine Baugrube der Nord-Süd-Bahn in der Severinsstraße. (Bild: dpa)
U-Bahn-Bau Köln
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Eine Baugrube der Nord-Süd-Bahn in der Severinsstraße. (Bild: dpa)
Wir hatten keine Veranlassung zur Kontrolle, - diese Aussage der Kölner Umweltdezernentin Marlis Bredehorst macht die beunruhigende Hilflosigkeit der Stadtspitze und der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) beim Katastrophen-Management nach dem Einsturz des Stadtarchivs deutlich.

Vor allem zeigt sich nun die unzulängliche Art und Weise, mit der der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn angegangen wurde: Es gab und gibt keine öffentliche Kontrolle der Bauarbeiten an der U-Bahn. Die Bezirksregierung Köln hatte grünes Licht gegeben, die Stadt Köln das Kommando im Sommer 2002 an die KVB weitergereicht - und die musste sich dann selbst kontrollieren. Sie hat diese Kontrolle - in Teilen - an Firmen weiterdelegiert.

Beim Heumarkt und am Unglücksort Waidmarkt behielt die KVB allerdings die Aufsicht für den Bau. Sollte sich nun erweisen, dass die ungenehmigten elf Brunnen und das in diesem Umfang unzulässige Abpumpen von Grundwasser das Unglück verursacht oder wesentlich dazu beigetragen haben, wird zumindest die Frage der Verantwortung klarer: Sie läge dann bei der KVB und der Stadt, die ihre hundertprozentige Tochter mit dem U-Bahnbau beauftragt hatte.

Doch schon jetzt stellen sich drängende Fragen: Warum hat die KVB-Spitze nicht reagiert, als sie im Dezember 2008 die Rechnungen für die ungenehmigten Brunnen erhielt? Warum hat KVB-Vorstand Walter Reinarz nicht nachgehakt? Warum hat die KVB überhaupt einen Teil der Kontrolle über das Milliarden-Projekt aus der Hand gegeben, zumal sie zum ersten Mal eine U-Bahn-Strecke in eigener Regie baute? Und warum hat die Stadt der KVB zuvor die gesamte Bauüberwachung überlassen?

Bauunternehmen haben ihre Anzeigepflicht verletzt. Das scheint schon jetzt klar zu sein. Das konnten sie sich leisten, weil KVB und Stadt ihre eigene Verantwortung nicht wahrnehmen wollten. Das Ansehen Kölns wird nun davon abhängen, ob es der Stadt gelingt, dieses Unglück und eigenes Fehlverhalten sorgfältig und schonungslos aufzuklären.



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