Von Thomas Schmitz, 17.03.09, 18:41h
Erst im vergangenen Herbst feierte Brauns „Baby“, die Konzert-Veranstaltungsagentur „Eifel-Events“, den zehnten Geburtstag. 1996 hatte es den ehemaligen Mitarbeiter von Sony Entertainment in die Eifel verschlagen. Schnell erkannte er den Mangel an handgemachter, ehrlicher Blues-Musik in der Region. Gemeinsam mit seinem Kumpel Horst Wenzel veranstaltete Harry Braun im Saal Lux in Eicks das erste Eifel-Events-Konzert.
WDR-Rockpalast
In den folgenden Jahren kamen weltbekannte Bands und Musiker wie Manfred Mann's Earth Band, Ex-Rolling-Stone Bill Wyman, Konstantin Wecker, David Knopfler, Mitch Ryder, Big Brother and the Holding Company, Mother's Finest oder Cutting Crew in die Eifel, manchmal sogar vom Tross des WDR-Rockpalasts begleitet, der dann auf Burg Satzvey Konzerte aufzeichnete. Aber auch jungen Künstlern gab Braun immer wieder die Chance, bekannt zu werden, allen voran dem schon erwähnten Joe Bonamassa, den er förderte.
Ständig schwebte das Damoklesschwert des finanziellen Ruins über Eifel-Events. Zum zehnjährigen Geburtstag der Agentur im vergangenen September gestand Harry Braun, dass er mehr als einmal die Brocken hatte hinwerfen wollen. Querelen mit Nachbarn seiner Spielstätten hatten ihm auch gesundheitlich zugesetzt. Bereits 2004 waren ihm Tumore aus dem Hals entfernt worden.
Doch Braun klagte nicht und stand immer wieder auf. Er lebte für die Musik im Allgemeinen und den Blues im Speziellen. Und wer ihn gekannt hat, der weiß auch, dass er ein brillanter Geschichtenerzähler war. Vor, während und nach den Konzerten berichtete er immer wieder gerne von den Treffen mit Stars wie den Rolling Stones oder Bon Jovi, die alle in seinem „früheren Leben“ bei Sony stattgefunden hatten. Wie er die Anekdoten präsentierte, darin ähnelte er dem Film-Charakter Edward Bloom aus Tim Burtons Meisterwerk „Big Fish“, in dem es um die Kunst des Fabulierens geht. Braun schmückte die kleinen Geschichten gerne aus, machte sie spannend und interessant.
Es war eines seiner besonderen Anliegen, den Blues, aber auch aktuelle Rockmusik, Folk und andere populäre Musikrichtungen in der Eifel zu präsentieren - vor allem authentische Künstler, die abseits der ausgetretenen Pfade des Mainstream unterwegs sind. Was ihm immer wieder vorzüglich gelang. Harry Braun verpasste der Eifel und speziell dem Kreis Euskirchen ein anderes kulturelles Gesicht. Sein früher Tod ist deshalb ein herber Verlust. Ob jemand Eifel-Events weiterführen wird, ist zurzeit nicht klar. Alle Veranstaltungen wurden erst einmal abgesagt.
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