Von Emmanuel van Stein, 18.03.09, 21:56h, aktualisiert 18.03.09, 21:59h
Vor ein paar Jahren gab der Mentor vieler deutscher Lyriker und Erzähler die letzten von insgesamt 27 000 Dokumenten in die Obhut des Archivs. Dabei handelt es sich überwiegend um die Korrespondenzen mit bekannten deutschen Nachkriegsautoren wie Rose Ausländer, Günter Kunert und Rolf Dieter Brinkmann. Bender: „Die ersten 20 Jahre waren bereits wunderbar geordnet.“ Doch es gab auch Konservierungsprobleme, wie Eberhard Illner, der frühere Abteilungsleiter für Nachlässe im Historischen Archiv, Anfang 2008 dieser Zeitung erklärte: „Bender ist »sauer«. Seine Manuskripte müssen dringend entsäuert werden, um sie vor dem Verfall zu retten.“ Hans Bender, der am 1. Juli 90 Jahre alt wird, fühlte sich nach dem Einsturz des Archivs „wie zerschmettert“. Allein 70 Prozent der gesamten „Akzente“-Korrespondenz scheint verloren. Allesamt literarische Zeitdokumente. Von den Briefen des Kölner Schriftstellers Brinkmann besitzt Bender wenigstens Kopien, ebenso von der Korrespondenz mit Elias Canetti und Peter Huchel: „Die hatte ich mir besorgt, damit ich nicht immer zum Archiv laufen musste.“
Zu Benders großen Vorlieben als Herausgeber gehörten subjektivistische Autoren wie Nicolas Born, F. C. Delius und Jürgen Theobaldy. Von ihnen stammt, so Bender, der weitaus größte Teil der nun verlorenen Briefe. Glück im Unglück: „Mein Fotoarchiv hatte ich noch nicht abgegeben“, überwiegend Schnappschüsse diverser Begegnungen. Eine Mappe, die den Briefwechsel mit Hermann Lenz, Wilhelm Lehmann und Reiner Kunze enthält, hatte sich Bender erst kürzlich nach Hause geholt. Die Texte des 1977 in die Bundesrepublik übergesiedelten Kunze veröffentlichte Bender, als der Autor noch in der DDR lebte. Was Bender einen Eintrag in Kunzes Stasi-Akte bescherte.
Seit der Katastrophe im Severinviertel verfolgt Hans Bender, der im Jahr 2000 mit dem Kölner Kulturpreis für seine Verdienste um die kulturelle Ausstrahlung der Stadt ausgezeichnet wurde, alle einschlägigen Nachrichten. Jedes Mal, wenn wieder ein Aktenordner oder ein Dokument aus dem Schuttberg geborgen wird, hofft er, dass sich darunter auch seine Archivalien befinden: „Es kann doch nicht alles verloren sein.“
EMMANUEL VAN STEIN
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