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Klangprobe

Drei kleine Superhelden

Von Norbert Ramme, 25.03.09, 15:47h, aktualisiert 05.04.09, 13:47h

Die Nachwuchs-Rocker sind erst elf und zwölf Jahre alt, haben aber bereits einen Plattenvertrag. Die Jungs von Apollo 3 dürfen schon vom "Rock am Ring" träumen.

Apollo 3
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Die Jungs von "Apollo 3". (Bild: Ramme)
Apollo 3
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Die Jungs von "Apollo 3". (Bild: Ramme)
"Ich glaub an dich, wie du an mich. Zusammen sind wir unschlagbar. Der Held in dir wird aktiviert. Du hast das Zeug zum Superhelden.“ So singen und rappen drei Jungs aus Köln. Gerade mal elf und zwölf Jahre alt sind sie und wohl derzeit eine der jüngsten Rockbands weltweit, die einen Plattenvertrag bei einer großen Firma in der Tasche hat - bei Sony. Sänger Henry (11), Gitarrist Dario (12) und der gleichaltrige Rapper Marvin nennen sich „Apollo 3“, sind mit Lederjacken und Nietengürteln wie echte kleine Rocker gekleidet und veröffentlichen am 24. April ihr Debüt-Album. Zuvor kommt am 3. April der „Superhelden“-Song als Single in die Läden. Der Sound ist rockig, eingängig und klingt durchaus ein bisschen wie eine Mischung aus Green Day und Linkin Park auf Deutsch. Dario: „Diese Bands mögen wir ja.“

Zu hören gibt es den „Superhelden“-Songs schon ab heute im Kino - als Titelsong des Films „Vorstadtkrokodile“. Deshalb durften Dario, Henry und Marvin - die nun auf Gymnasium und Gesamtschule gehen - vergangenen Samstag bei der Deutschland-Premiere des Kinofilms im Cinedom mit über den roten Teppich einlaufen. An der Seite von Nora Tschirner und Maria Schrader, Ralf Richter und Martin Semmelrogge und Rapper Smudo von den Fantastischen Vier. „Das war Hammer, großes Hollywood“, schwärmen die drei.

Entdeckt wurde Kölns jüngstes Rock-Trio von ihrer Klassenlehrerin Stefanie Hartmann an der Ehrenfelder Grundschule Nussbaumer Straße. Die brachte die drei talentierten Jungs mit ihrem Freund Niko Floss zusammen, der als Songwriter und Musikproduzent in den Düsseldorfer Troy-Studios arbeitet. Dort sind die 14 Songs fürs Album entstanden. „Aber Musik haben wir eigentlich schon immer gemacht“, erzählt Dario. „Ich habe mit sechs Jahren angefangen, Gitarre zu lernen. Damals war ich Fan von Tokio Hotel und bewunderte deren Gitarrist Tom Kaulitz.“ Immer noch Fan von denen? „Nee, der Dario ist inzwischen zur Vernunft gekommen“, meint Marvin mit schelmischem Lachen. Der sollte es wissen, denn die beiden kennen sich seit dem Kindergarten. „Ich gehörte zu den Einzigen, mit denen Dario seine Spielsachen teilte“, erinnerte sich Marvin und Dario nickt: „Stimmt. Ich war früher ein Geizkragen. Konnte schlecht was abgeben.“ Seine Vorbilder stammen eher aus der Welt seiner Eltern: Jimi Hendrix, Santana, Eric Clapton und Brian May.

Marvin, der schon von klein an immer gerne gesungen hat, hatte das Gitarrentraining schnell wieder aufgegeben und war zum Klavier gewechselt. „Da kann ich »Für Elise« aber auch den »Rosaroten Panther«.“ Mehr fasziniert ist er von Rap und Beatbox. „Das hat mir ein total durchgeknallter Junge aus der Nachbarschaft gezeigt. Dann habe ich es mir selbst beigebracht.“

Henry stieß in der dritten Klasse der Grundschule dazu. Seine Familie war aus der Nähe von Frankfurt nach Köln gezogen. „Das war mein schönstes Erlebnis.“ Früher hatte er auch Gitarrenunterricht genommen, heute singt er nur noch. „Gesang ist mir im Moment wichtiger.“ Die Stimme trainiert er regelmäßig mit einer Gesangslehrerin. Sein Lieblingslied aus dem eigenen Repertoire ist „Warum“, weil der Text so berühre: „Warum ist Papa nicht mehr da, ist nichts so, wie's mal war? Warum hast du mir nichts gesagt, hast du mich kein Mal gefragt? Bitte bring ihn wieder her. Ich würd so gerne wieder lachen, doch ich fühle mich so leer.“ Der Junge stammt aus einer musikalischen Familie: Die Mutter spielte Orgel, der ältere Bruder Gitarre. Im heimischen Keller standen stets ein paar ausrangierte Instrumente rum. Marvin: „Da gab es ein Schlagzeug, auf dem man mit Löffeln und einem Pinsel spielte.“ In diesem Keller entstand auch die Idee für den Bandnamen. „Wir wollten zusammen Videofilme gucken“, erzählt Marvin. „Aber da gab es nicht viel Gescheites. Uns gefiel nur der Film Apollo 13. Das war auch ein cooler Bandname für uns drei: Apollo 3.“ Ein Raumschiff unter der Bezeichnung hatte es offiziell im Weltraum-Programm der Nasa nie gegeben, aber bei den Apollo-Missionen waren die Astronauten immer zu dritt - genau wie in der Rock-Mission der Kölner Jungs. „Nichts auf der Welt kann uns jetzt stoppen. Wir sind jung und drehen auf. Wir sind gekomm'n um euch zu rocken. Und wir stehn auf den Applaus. Jeder bewegt sich. Das hier ist unsere Mission“, heißt es im Song „Adrenalin“.

Die Titel schreibt Produzent Floss für die Jungs. „Wir quatschen viel darüber, was in den Köpfen der Jungs vorgeht. Daraus mache ich dann einen Song, der in der Arbeit mit ihnen noch verändert wird. Schließlich muss alles gut zusammenpassen.“ So sind auch Lieder über die erste Liebe entstanden, wie „Wir sind 1“ oder „Brich mein Herz“. Darin wird gesungen: „Und wenn du denkst, dass dein Neuer besser ist. Und wenn du fühlst, dass du mich nicht mehr vermisst. Und wenn du meinst, dass das alles, alles mit uns zu Ende ist: Dann geh und brich mein Herz. Yeah.“ Freundinnen hatten die drei schon reichlich. „Soll ich im Kindergarten anfangen, zu zählen. Da hieß die erste Jacqueline“, meint Dario, der vor fünf Tagen mit seiner letzten Liebschaft Schluss gemacht hat. „Manchmal hat der auch drei Freundinnen in einer Woche - und immer dieselbe“, weiß Marvin und lacht. Henry ist seit sechs Tagen frisch verliebt. „Oder sind es schon sieben?“

Gemeinsam träumen sie von der großen Karriere. „Ein Auftritt bei The Dome. Das wär was“, sind sich die drei einig. „Da sind viele Stars und viele Fans.“ Rock am Ring ist der nächste Traum. „Aber dafür sind wir wohl noch zu jung.“ Die Plattenfirma glaubt an Apollo 3. In der Altersstufe haben ja einst auch Tokio Hotel angefangen. Das ganze Drumherum scheint schon zu stimmen. Produzent Floss kümmert sich wie ein Manager um die drei Minirocker. Fürs passende Outfit und den akkuraten Sitz der Frisuren bei öffentlichen Auftritten sorgen zwei Stylistinnen. Ein Video zur Superhelden-Single - da machte auch „Vorstadtkrokodil“-Darstellerin Leonie Tepe mit - wurde in einem Kino in Hannover gedreht, und für kommende Live-Auftritte wird gerade eine Begleitband zusammengestellt. Floss: „Vorrangig auch mit jüngeren Musikern.“

Musiker, die vorgestellt werden möchten, wenden sich an den „Kölner Stadt-Anzeiger“, Ruf 2 24-23 23, E-Mail: KSTA-Stadtteile@mds.de, Anschrift: Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln.



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