Erstellt 09.02.09, 14:48h
Die vom Bund finanzierte Anstalt müsse bei knapper Kasse gegen starke Auslandssender wie BBC World, Al-Dschasira oder France 24 bestehen, das Internet habe Hör- und Sehgewohnheiten verändert. Geplant sind der Ausbau des TV-Angebots auf Englisch und Spanisch, die Ausstrahlung des deutschen Programms über einen zweiten Kanal sowie ein erweitertes Hörfunkangebot im Internet mit "Live-Stream" und "Audio On Demand". "Wir wollen dafür noch in diesem Jahr die Weichen stellen", sagte der Intendant.
Mit einem Strategiepapier, das Bettermann dem Bundestag vorgelegt hat, will er nun eine Debatte über das Selbstverständnis des Auslandsrundfunks auslösen. "Deutschland tut sich noch schwer, seine Rolle in der Weltpolitik zu finden - und so geht es der Welle auch". Der Sender wolle seine Zielgruppen noch genauer ansprechen und damit das Profil schärfen. Angesichts der technologischen Entwicklung werde die Deutsche Welle als Brücke zur Heimat immer weniger nötig, die Vermittlung deutscher Perspektiven gewinne dagegen an Bedeutung.
Nach einer Testphase mit dem erweiterten Programm soll bis Ende 2009 der künftige Kurs feststehen. Dafür hat Bettermann bei einem Etat von 275 Millionen Euro einen Mehrbedarf von 78 Millionen Euro von 2009 bis 2013 angemeldet, nachdem der Sender in den vergangenen Jahren deutliche Einbußen hinnehmen musste. "Wenn wir nicht das Bewusstsein für unsere mediale Visitenkarte schärfen, werden wir vor der wachsenden internationalen Konkurrenz nicht bestehen können", warnte der Intendant auch zum Nachteil Deutschlands.
Das Programm werde im Wettbewerb nur mit Qualitätsjournalismus bestehen, wie die Debatte um die China-Berichterstattung des Senders gezeigt habe. Notwendig sei die interne Auseinandersetzung um journalistische Inhalte. "Das können wir aber nur leisten, wenn wir dafür auch die ausreichenden personelle Kapazitäten haben", sagte Bettermann. Diese Botschaft wolle er der Politik vermitteln.
Als Beispiel für den ungleichen Konkurrenzkampf nannte Bettermann den Etat des arabischen TV-Programms der Deutschen Welle in Höhe von sechs Millionen Euro. Der BBC stehen für das arabische Programm dagegen 24 Millionen Euro zur Verfügung.
Die DW spiele bereits jetzt als Förderer von Demokratie eine wichtige Rolle, sagte Bettermann. Mit dem Global Media Forum, das dieses Jahr vom 3. bis 5. Juni in Bonn geplant ist, biete der Sender eine Plattform für die weltweite Mediengesellschaft. Die DW mit Sitz in Bonn und Berlin produziert Programm für Hörfunk und Fernsehen sowie im Internet in 30 Sprachen und beschäftigt 1500 Mitarbeiter. (dpa)
Deutsche Welle
10.02.2009 | 09.01 Uhr | winy
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