Von Daniela Greulich, 12.02.09, 11:52h
Zunächst referierte Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität zu Ulm, danach konnten die Lehrer die neuen Erkenntnisse in Workshops gleich umsetzen. Bis zu den Osterferien sollen sie im Unterricht ausprobiert und danach bewertet werden.
Manche Forschungsergebnisse klingen banal: Man müsse bei den Schülern positive Emotionen durch den Lern-stoff selber wecken, sagt Spitzer. Sprich: den Inhalt spannend rüberbringen. „Das klingt ganz einfach, ist es aber nicht“, warnt Spitzer. Zudem müsse man mit vielen Beispielen arbeiten, damit die Schüler die zugehörigen Regeln abspeicherten. „Wenn die Regeln nur an die Tafel geschrieben werden, werden sie wieder vergessen.“ Die Schüler sollten sich selber Beispiele ausdenken - zum Beispiel bei der Bruchrechnung -, um aktiv darüber nachzudenken.
Lernen unter Angst
funktioniert nicht
Weiterer Punkt: „Schulisches Lernen unter Angst funktioniert nicht“, sagt Lüder Ruschmeyer, Rektor der Realschule Lindlar und Sprecher der Realschulen in Oberberg. Aber an den Schulen werde immer noch maßgeblich unter Angst gelernt - Stichwort nächste Mathearbeit. „Den Paradigmenwechsel haben wir noch nicht realisiert.“ Das Dilemma sei jedoch, dass man nicht umhin komme, bestimmte Standards zu erfüllen. Aber vielleicht müsse man ja nicht für alle die gleiche Klassenarbeit stellen, nennt er eine Möglichkeit der Individualisierung. Oder den Zeitpunkt der Arbeit dem Schüler überlassen, ergänzt Spitzer.
„Die Freude am Lernen ist wichtig“, sagt Ruschmeyer. „In die Richtung muss sich Schule entwickeln.“ Für die Schüler müsse der Unterricht transparent werden, sie müssten wissen, warum sie ein Thema lernen sollten - das erhöhe den Lernerfolg.
Dazu gehöre im Übrigen auch das Klassenzimmer und dessen Gestaltung. Denn in einer angenehmen Umgebung könne man besser lernen.
Ein solchermaßen verbesserter Unterricht sei zwar aufwendiger in der Planung, sagt Trompetter, aber der Unterricht werde entlastet. Bis zu den Osterferien sollen die Lehrer nun Stunden nach den neuen Vorgaben planen und halten, ein anderer Lehrer diesen beobachten. Nach den Sommerferien folgen regionale Fachkonferenzen. Ein zweiter gemeinsamer pädagogischer Tag für alle 14 Realschulen des Kreises ist für nächstes Jahr geplant. Nebeneffekt: Die Konferenzen fördern den Austausch und ein hochkarätiger Referent kann verpflichtet werden. „Die Zusammenarbeit der Schulen ist uns ein zentrales Anliegen. Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Ruschmeyer. Spitzer: „Das klingt trivial, aber es ist ein echter Fortschritt, dass das passiert.“
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