Von Thorsten Moeck, 22.02.09, 23:51h, aktualisiert 23.02.09, 14:18h
Der Karneval entwickelt in diesem Jahr in Köln brutale Auswüchse. Bereits nach der Eröffnung des Straßenkarnevals an Weiberfastnacht hatte die Polizei eine deutliche Zunahme von Gewaltdelikten verzeichnet. Der Trend hat sich in den vergangenen drei Tagen fortgesetzt. Die Zahl der Schlägereien hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, alleine von Samstag- bis Sonntagmorgen musste die Polizei in der Stadt 45 handgreifliche Auseinandersetzungen beenden. „Es herrscht eine latent aggressive Stimmung bei vielen alkoholisierten Karnevalsbesuchern“, sagte Polizeisprecherin Maren Leisner. Die Gewaltbereitschaft hat Folgen: Die Beamten haben bislang doppelt so viele Körperverletzung protokollieren müssen wie noch 2008.
Lebensgefährlich verletzt
Seit dem frühen Sonntagmorgen beschäftigt sich auch die Mordkommission mit den Schattenseiten des Frohsinns. Auf der Zülpicher Straße, im Studentenviertel der Stadt, war gegen 4.45 Uhr ein Mann (21) von einem Gewalttäter mit einer abgebrochenen Bierflasche attackiert und lebensgefährlich verletzt worden. Der Angreifer soll seinem Opfer mit der Flasche in den Hals gestochen haben. Als der 21-Jährige blutend zu Boden sackte, ergriff der Täter die Flucht. In einer mehrstündigen Notoperation retteten Ärzte das Leben des 21-Jährigen. Die Männer sollen zunächst verbal aneinandergeraten sein und sich anschließend kurz geprügelt haben. Dann folgte der Stich mit der Bierflasche. Noch in der Nacht bildete die Polizei die Mordkommission „Zülpich“. Nach Angaben der Ermittler bestehe der Verdacht eines versuchten Tötungsdeliktes.
Das Opfer liegt auf der Intensivstation, eine Vernehmung durch die Polizei war noch nicht möglich. Die Ermittler haben bereits mehrere Zeugen vernommen, doch den Anlass der Auseinandersetzung hat offenbar niemand mitbekommen. Nun fahndet die Polizei nach einem muskulösen Mann mit langen schwarzen Haaren, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hat. Zu seiner Verkleidung habe eine Art Militärhelm gehört.
Der Karneval wird offenbar von vielen Gewalttätern gezielt als Bühne für Schlägereien und Krawall genutzt. Polizeidirektor Peter Römers nennt dies eine karnevalistische Form des „Hooliganismus“ (siehe Interview). Die Innenstadt werde zum Ziel gewaltbereiter Jugendlicher, die bei geringstem Anlass zuschlagen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Polizei bei der Präsentation ihrer allgemeinen Kriminalitätsstatistik eine starke Zunahme von Gewaltdelikten verzeichnen müssen. Dieser Trend überschattet nun auch den Karneval.
Dass die Kombination aus Alkohol, Frohsinn und Menschenmassen Konfliktpotenzial birgt, ist freilich keine neue Erkenntnis. Lediglich die Qualität der Gewalt überrascht. „Schon am Donnerstag wurden viele Menschen verletzt, weil Flaschen geworfen wurden“, sagte Polizeisprecherin Leisner. Auch auf Polizisten und Sanitäter prasselten Flaschen nieder. Vor vier Jahren gipfelten die schon üblichen Schlägereien in einem Aussetzer mehrerer Karnevalstouristen aus Bayern. Sie hatten in der Altstadt einen Studenten gepackt und „aus Spaß“ acht Meter tief in den Rhein geworfen. Die Geistesgegenwart eines Schiffskapitäns rettete damals dem Opfer das Leben. Die Täter wurden später vor Gericht zu Geldstrafen verurteilt - eine Mordabsicht hatte ihnen nicht nachgewiesen werden können.
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@HaJoWolf
23.02.2009 | 14.01 Uhr | Gutverdiener
Ich finde es nicht gleichgültig, welche Nationalität die Täter haben. Wenn doch, dann sollte man nicht auch jede mögliche Gewalttat von…
Gewalt an Fastelovend
23.02.2009 | 13.54 Uhr | make.myday
Köln - Ballermann-City für Jugendliche
Welche Nationalität die Schläger auch besitzen, die Frage lautet: Warum reisen sie nach Köln - und nicht…
nicht zimperlich
23.02.2009 | 08.35 Uhr | karl.madinsky
Die Brutalität auf der Straße ist ein Graus, viele derer die angeblich zum Feiern in die Stadt kommen haben nichts anderes im Sinn als…
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