Von unserer Redaktion, 03.03.09, 14:18h, aktualisiert 05.03.09, 12:28h
Am Tag nach dem Einsturz ging es für Rettungskräfte immer noch darum, die Unglücksstelle zu sichern. Weil die Reste zweier stark beschädigter angrenzender Wohnhäuser einzustürzen drohen, konnte die Feuerwehr nicht mit der Suche nach den Vermissten beginnen. Um die rund 28 Meter tiefe U-Bahnbaustelle zu verfestigen und einem Anstieg des Grundwassers entgegen zu wirken, wurden 1300 Kubikmeter Beton in die Grube gegossen. Neuhoff zufolge ist die Unglücksstelle erst Donnerstagmittag so weit abgesichert sei, dass nach möglichen Opfern gesucht werden kann.
Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Baugefährdung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Die Ursache für den Einsturz der Gebäude in der Kölner Südstadt blieb zunächst ungeklärt.
Ein Zusammenhang mit dem nahe gelegenen U-Bahn-Bau wird jedoch immer wahrscheinlicher. Der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff, sagte, in der benachbarten Baugrube für die U-Bahn-Erweiterung sei eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht und dadurch sei dem Historischem Archiv praktisch der Boden entzogen worden und das Gebäude sei nach vorne in die Grube gekippt.
Augenzeugen berichten im Gespräch mit ksta.de, dass am Dienstag, etwa eine Stunde vor dem Einsturz, noch Baggerarbeiten vor dem Stadtarchiv an der Baustelle stattgefunden haben. "Ich fuhr gegen 12:45 Uhr am Stadtarchiv vorüber. Ich bin stehen geblieben, weil ich mich darüber gewundert habe, dass da noch ein Bagger steht und Erde aus der doch eigentlich fertig ausbetonierten Grube herausholt", sagt ein 56 Jahre alter Zeuge, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte. "Das kam mir vor, als wäre ein Haus fertig gebaut und danach würde da jemand das Dach abnehmen und mit dem Bagger nochmal Erde aus dem Keller rausholen. Das muss doch Erschütterungen ausgelöst haben."
"Wir wissen, was passiert ist, aber nicht warum"
Die KVB bestätigt die Baggerarbeiten am Unglückstag. Der Baggerfahrer war beauftragt, Erde auszuheben, um den noch nicht vorhandenen Boden des Tunnels mit Beton auszugießen. Ob die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Unglück stehen, kann bislang niemand sagen. Dazu muss zunächst der Untergrund untersucht werden. Jürgen Fenske, Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe, gibt zu: "Wir wissen, was passiert ist, aber noch nicht warum." Zwischen Erdrutsch und Einsturz des Gebäudes lagen nur wenige Minuten.
Im Laufe des Tages wurde auch ein Kran abgebaut, der am Rande des Trümmerfelds umzufallen drohte. Dann können auch 115 Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren, die evakuiert worden waren. In der Nacht hatten einhundert Feuerwehrleute und Helfer des Technischen Hilfswerkes zusammen mit Archivaren begonnen, die Bestände des Archivs zu sichern. Sie wurden in der Turnhalle eines gegenüberliegenden Gymnasiums gelagert. Weitere historische Dokumente liegen in den Trümmern des Archivs. Um sie vor Regen zu schützen, wurden Plastikbahnen über die Unglücksstelle gelegt.
Die Höhe des Schadens lasse sich noch nicht einmal grob schätzen, sagte Stadtdirektor Guido Kahlen. Allein das Archivmaterial sei mit einem Wert von 400 Millionen Euro versichert, sagte Kulturdezernent Georg Quander. Der Verlust der historischen Dokumente sei schwerwiegender als bei dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Das Gebäude, in dem es schön länger Risse in den Wänden gab, war zuletzt im Dezember 2008 von einem Baubüro begutachtet worden. Oberbürgermeister Fritz Schramma bezeichnete die Rettung der Kulturgüter als nationale Aufgabe.
Mehrere Kölner Politiker haben einen sofortigen Baustopp gefordert. Schramma regte an, die Arbeiten auf der gesamten rund vier Kilometer langen Strecke ruhen zu lassen, bis die Unglücksursache geklärt ist. Er stellte den Weiterbau insgesamt in Frage. Künftige U-Bahn-Planungen in Großstädten müssten sehr kritisch betrachtet werden. Der rot-grüne Oberbürgermeisterkandidat Jürgen Roters sprach sich für „eine Atempause“ aus, stellte die Vollendung der neuen Verbindung jedoch nicht in Frage. Die Kölner Verkehrs-Betriebe lehnen einen Baustopp ab. „Der Schadensfall am Waidmarkt fand bei einer Baustelle statt, die sich in einer Phase befindet, die alle anderen Haltestellenbauwerke bereits hinter sich gelassen haben“, hieß es. Die Kontrollen in allen Baustellenbereichen seien „sicherheitshalber verstärkt worden“.
Für mehr als 2000 Schüler der beiden Gymnasien Kaiserin-Augusta-Schule und Friedrich-Wilhelm-Gymnasium sowie der LVR-Schule für Sehen sucht die Stadt dringend neue Unterrichtsräume. Die Schulbauten liegen in unmittelbarer Nähe zur Einsturzstelle. Ob der Verwaltungstrakt des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums stark einsturzgefährdet ist, muss sich nach Auskünften des Feuerwehrsprechers Daniel Leupold noch zeigen.
Unglück: Alle Bilder zum Einsturz des Archivs
Newsticker zum Stadtarchiv: Chronik der Katastrophe: Der Tag danach
Vermisstensuche: Goße Herausforderung für Spürhunde
Bagger??
10.03.2009 | 09.46 Uhr | Stromstoss
Das Bild ist auch in "groß" so winzig das man beim besten Willen nichts erkennen kann.
Gefährliche Zentralisierung
10.03.2009 | 00.28 Uhr | Sulfur
Warum eigentlich hebt man so wichtige Dokumente ALLE in DEMSELBEN Gebäude auf? Wenn man keine Sicherheitskopien woanders auslagern kann, kann…
es ist unglaublich
05.03.2009 | 22.43 Uhr | Mrs.Singer
zwei Verschüttete und keiner fühlt sich bemüßigt, die zu retten (na, wie wäre das in anderen Ländern?) und ein OB, der sein kleines Fähnchen mal so,…
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