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Stadtarchiv

Suche nach Vermissten erst am Morgen

Erstellt 05.03.09, 06:44h, aktualisiert 06.03.09, 07:51h

Die Suche nach den beiden beim Gebäudeeinsturz im Kölner Severinsviertel vermissten Männern verzögert sich. Nach dem Einsturz des historischen Archivs kommen Hilfsangebote aus ganz Deutschland. Hier finden Sie die aktuellen Informationen zur Katastrophe.

Severinsviertel
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Am Abend begannen im Severinsviertel die Bergungsarbeiten. (Bild: Hennes)
Severinsviertel
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Am Abend begannen im Severinsviertel die Bergungsarbeiten. (Bild: Hennes)
Historisches Archiv
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Der Einsturz des historischen Archiv. (Grafik: ksta,dpa)
Einsturz Stadtarchiv
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In einer der eingestürzten Wohnungen hängen Jacken an einem Wäscheständer. (Bild: Arton Krasniqi)
Historisches Archiv
Einsturz Stadtarchiv
Innenstadt - Die Suche nach den zwei Vermissten an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs verzögert sich weiter. Sie werde wahrscheinlich nicht vor dem Mittag beginnen, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Raphael am frühen Freitagmorgen. Die Feuerwehr sei immer noch dabei, die Kellerräume der inzwischen abgetragenen Gebäude an der Rückseite des Archivs mit Schutt aufzufüllen. Erst dann könne der mehr als 100 Tonnen schwere Abrissbagger zu der Hausruine gelangen, unter der die Vermissten vermutet werden. "Wenn die Abbrucharbeiten an der Hausnummer 230 abgeschlossen sind, kann mit der Suchaktion begonnen werden."

Zudem müssten nun auch einsturzgefährdete Teile des daran angrenzenden Gebäudes mit der Nummer 232 abgetragen werden. "Wir müssen mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt arbeiten", sagte Raphael. Die Sicherheit der Arbeiter und Rettungskräfte müsse gewährleistet sein. Der Abriss der Ruinen geht nach Angaben der Feuerwehr langsamer voran als geplant. "Die Gebäude leisten doch massiven Widerstand gegen das Einreißen", sagte Raphael.

Für die jungen Männer besteht allerdings kaum noch eine Überlebenschance. "Die Bagger arbeiten sich nur sehr langsam vor", sagte am Abend ein Feuerwehrsprecher. Mit Baggern und anderem schweren Gerät mussten die Rettungskräfte am Tag zunächst ganze Hausruinen einreißen und Hohlräume im Boden auffüllen, um einen neuen Erdrutsch zu verhindern.

Nach dem Einsturz des historischen Archivs erreichen die Stadt Köln Hilfsangebote aus ganz Deutschland - in finanzieller und materieller Form, es wird aber auch direkte Mitarbeit bei der Bergung der Archivalien aus den Trümmern zugesagt. Aus zahlreichen Archiven des Landes kommen Archivare nach Köln, zur Koordinierung freiwilliger Helfer hat sich in Köln eine Bürgerinitiative gegründet. Die Kulturstiftung der Länder stellte eine finanzielle Soforthilfe von 50 000 Euro zur Verfügung, der deutsche Kulturrat appellierte an Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), dem Stadtarchiv zu helfen.

Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte sich die Stadtverwaltung Anfang des Jahres über die Empfehlung eines Gutachtens zur Statik des Historischen Archivs hinweggesetzt. Eine Ingenieurin aus Leverkusen legte den Verantwortlichen am 5. Januar nahe, zur Vermeidung möglicher weiterer Schäden an dem Gebäude „einen öffentlich anerkannten Sachverständigen für Bauwerkschäden einzuschalten.“ Das sei jedoch nicht geschehen, teilte der Leiter der Gebäudewirtschaft, Engelbert Rummel, dazu mit. Da es bereits zuvor solche Begutachtungen gegeben hatte, habe man auf eine weitere Untersuchung verzichtet.

Oberbürgermeister Fritz Schramma forderte eine „temporäre Atempause“ beim U-Bahn-Bau. Die „absolute Sicherheit“ habe Vorrang. Er regte an, auf „Eingriffe in das Erdreich und Arbeiten mit schwerem Gerät“ zu verzichten. Den Kölner Verkehrs-Betrieben zufolge finden solche Tätigkeiten derzeit ohnehin nur an zwei Stellen statt. Diese Arbeiten sollen nun ruhen. In der Nacht zum Freitag wollte die Feuerwehr die Suche nach den zwei vermissten Männern aufnehmen.

Die Familie eines der beiden Vermissten teilte mit, dass sich der 23-jährige Designstudent zum Unglückszeitpunkt wohl in seiner Wohnung in einem der ebenfalls eingestürzten Nachbarhäuser aufgehalten habe. Er hatte sich zuvor bei seiner Praktikumsstelle krankgemeldet und wollte sich zu Hause auskurieren. "Von diesem Zeitpunkt an fehlt von Khalil jedes Lebenszeichen. Wir als Khalils Familie und viele seiner Freunde bangen um Khalils Leben und hoffen, dass er vielleicht doch lebend geborgen werden kann", schrieb die Familie.

Khalil G. studierte an seiner Schule an der Wehrstraße in Hennef Design, war aber gerade wegen eines Praktikums in einer Werbeagentur beurlaubt. Dort hat er sicher am Dienstag gegen elf Uhr krank gemeldet, ihm ging es nicht gut. „Zwei Kollegen haben ihn am Dienstag an der Apotheke in der Severinstraße gesehen“, schreibt seine Familie in einer Erklärung. Zudem: „Khalil wollte nach Hause, um sich dort auszukurieren.“ Lehrer und Studenten der Rhein-Sieg-Akademie sind geschockt: "Er war ein Sonntagskind“, sagt der Leiter der Akademie, Heinz Lingen dem Kölner Stadt-Anzeiger. Seit Dienstagmittag fehlt von dem 23-Jährigen, der im Dachgeschoss eines der eingestürzten Nachbargebäude wohnte, jedes Lebenszeichen. Nach WDR-Informationen soll zudem das Mobiltelefon des Vermissten in den Trümmern geortet worden sein.

Auch die Identität des zweiten Vermissten scheint klar zu sein. Es soll sich um einen 17 Jahre alten Bäckerlehrling handeln, der in einer Dachgeschosswohnung in einem der eingestürzten Häuser lebte. Einsatzkräfte glauben nicht, dass aus den Trümmern noch lebende Personen geborgen werden können.

Das Archivgebäude und zwei Nachbarhäuser waren am Dienstag eingestürzt, möglicherweise aufgrund von Arbeiten zum Ausbau der U-Bahn. Dennoch sprach sich Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) für die Fertigstellung der Nord-Süd-Bahn aus. "Am Ende muss die U-Bahn so fertiggestellt werden, wie sie geplant war", sagte er. Allerdings plädierte er für eine "temporäre Atempause". Die Kölner Verkehrsbetriebe und die Bauunternehmen müssten den Bau nun erst einmal unterbrechen und alle Gefahrenpunkte noch einmal durchgehen, da die Bürger beunruhigt seien, sagte Schramma.

Am Donnerstag war auch das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium einsturzgefährdet, das an das eingestürzte Archiv grenzt. Es wurde mit einer Holzkonstruktion gestützt. Insgesamt müssen 2000 Schüler aus mehreren Schulen nun vorläufig in Ausweichquartieren unterrichtet werden. Den Anwohnern, die ihre Wohnungen wegen Einsturzgefahr verlassen mussten, sagte Schramma schnelle Hilfe zu: "Wir können die Leute jetzt nicht mit bürokratischem Gedöns aufhalten." Insgesamt werden 20 bis 25 neue Wohnungen für diese Menschen benötigt.

Die Schuldezernentin ist derweil auf der Suche nach einem Ausweichquartier für die Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums sowie der Kaiserin-Augusta-Schule. Im Gespräch ist das Gebäude der Volkshochschule, sowie die Fachhochschule. Dort werden die Schüler des FWGs nach Auskunft Kleins mindestens bis zu den Sommerferien unterrichtet. "Wir hoffen, die Schüler der Kaiserin-Augusta-Schule können nach den Osterferien in ihre Schule zurückkehren", sagt Klein. Der unaufhörliche Regen erschwert die Arbeiten. (ksta,dpa)



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