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Pressekonferenz

KVB schweigt zu Gutachten

Von Matthias Pesch, 07.03.09, 13:43h, aktualisiert 10.03.09, 20:59h

KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske hat angekündigt, sich nicht mehr zu den „aktuellen Spekulationen“ äußern zu wollen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte berichtet, dass das Unternehmen schon länger von ernsten Grundwasser-Problemen gewusst haben soll.

Severinsviertel
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Luftaufnahme der Einsturzstelle im Kölner Severinsviertel. (Bild: Hennes)
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Luftaufnahme der Einsturzstelle im Kölner Severinsviertel. (Bild: Hennes)
Innenstadt - „Wir können und dürfen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht durch Kommentierungen beeinflussen“, sagte KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske am Samstagnachmittag auch auf mehrmaliges Nachfragen von Journalisten. Dies entspreche auch den Erwartungen der Staatsanwaltschaft. Daher nahm der KVB-Chef auch nicht zu einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ Stellung, nach dem das Unternehmen und die beteiligten Baufirmen schon seit längerem von ernsten Problemen bei der Grundwasser-Ableitung in der Baustelle vor dem eingestürzten Stadtarchiv gewusst haben sollen.

Auch zu einem Bericht von „Spiegel online“ äußerte sich Fenske nur knapp. Dort wird aus einem Gutachten zitiert, das das Wülfrather Ingenieurbüro Zorn 2004 angefertigt hatte, nachdem sich der Turm der Kirche St. Johann Baptist im Zuge der U-Bahn-Bauarbeiten um mehr als 70 Zentimeter geneigt hatte. Laut „Spiegel online“ war der gemessene Stützdruck beim Bau eines Versorgungstunnels zu niedrig, um die unterirdische Baustelle ausreichend zu stabilisieren. Die neu gegrabenen Abschnitte seien nicht immer sofort mit einem schnellhärtenden Ring aus Bentonit umschlossen worden. Dadurch verbleibe „ein Hohlraum, in den sich das umgebende Gebirge absetzen kann". So habe sich der Kirchturm mehr als 15-mal so stark geneigt wie vorher einkalkuliert.

Beweissicherungsverfahren eingeleitet

„Dieses Gutachten war damals von der Staatsanwaltschaft beauftragt worden“, sagte Fenske, „und auf der Grundlage dieses Gutachtens sind die Ermittlungen eingestellt worden.“ Der KVB-Chef wies darauf hin, dass das Unternehmen zusätzlich zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren beantragt habe. In beiden Verfahren „werden sich anerkannte und neutrale Fachleute gutachterlich mit der Frage der Verursachung befassen und hier zu einem Ergebnis kommen“. Die KVB habe bereits alle verfügbaren Unterlagen zur Verfügung gestellt und sei „an lückenloser und zeitnaher Aufklärung in höchstem Maße interessiert“. Das Unternehmen „wird nichts, kann nichts und will nichts verbergen“.

Die KVB weist allerdings auch darauf hin, dass Planung und Ausführung der Arbeiten auch am Bauwerk Waidmarkt „in der Verantwortung beauftragter Unternehmen“ erfolgten. Fenske erklärte, dass die KVB alle Anwohner entlang der rund vier Kilometer langen U-Bahn-Trasse anschreiben werde . Man biete Anliegern, die über den Zustand ihrer Gebäude verunsichert seien, an, die Häuser vom TÜV begutachten zu lassen. Laut KVB-Vorstand Walter Reinarz hätten bereits rund 20 Anwohner erklärt, dieses Angebot annehmen zu wollen. Zudem werden laut Fenske alle aktuellen KVB-Baustellen noch einmal „hinsichtlich Technik, Statik und Geologie“ überprüft.

Die Ermittler konzentrieren sich bei der Untersuchung des Unglücks dem Münchner Magazin "Focus" zufolge auf zwei mögliche Ursachen. Demnach wird vermutet, dass die ein Meter dicke Schlitzwand aus Beton wegbrach, die das Grundwasser von der Baugrube abhalten sollte. "Möglicherweise ist die Wand fehlerhaft montiert worden und hat dem Druck nachgegeben oder ist schlicht eingedrückt worden", sagte ein Beamter dem Magazin.

Laut der zweiten Theorie könnte das Wasser durch den unbefestigten Boden eingedrungen sein. Bei diesem Effekt lenken die Trennwände das Grundwasser um, es fließt daran herunter und hebt den Boden der Grube abrupt an. Wasser und Erdreich sprudelten dann wie in einem Vulkan nach oben.

Staatsanwalt Günther Feld teilte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" auf Anfrage mit, auch die Resultate des süddeutschen Gutachtens würden in die Ermittlungen zur Ursache des Archiv-Einsturzes einbezogen.



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