Von Unserer Redaktion, 09.03.09, 07:34h, aktualisiert 10.03.09, 13:47h
In einem Büro im dritten Stock hätte sich ein Betonstück aus der Decke gelöst, in einem Treppenhaus seien Gipskarton-Platten von der Wand gefallen, zahlreiche Brandschutztüren ließen sich nicht mehr schließen. Deshalb habe sich die KVB dazu entschlossen, die Decke über der Trasse schon in den nächsten Tagen einzuziehen, um der U-Bahnröhre und dem Erdreich zusätzliche Stabilität zu geben.
KVB-Sprecher Franz Wolf Ramien konnte diese Angaben am Montagabend nur zum Teil bestätigen. Die Schäden seien seit längerem bekannt. Die letzte Begehung mit dem Eigentümer habe im September 2008 stattgefunden. Das Gießen der Bodenplatte für die Haltestelle Heumarkt sei von der KVB planmäßig für diese Woche vorgesehen. „Wir sind vielleicht zwei Tage früher dran“, so Ramien.
21.30 Uhr: Unter den Feuerwehrleuten macht sich Ernüchterung und Frustration breit. Sie können derzeit noch nicht absehen, wann sie den vermissten 24-Jährigen unter den Trümmern bergen. Die Suche wird weitergehen - die ganze Nacht hindurch.18 Uhr Der Regen hat den Schutt durchnässt, was die Arbeiten erschwert. 20 Einsatzkräfte sind am Kern der Ausgrabungen beschäftigt, insgesamt sind immer noch 150 vor Ort. Es ist kalt und windig. Die Lage soll stabil sein, keine weiteren Gebäude sind einsturzgefährdet.
17.50 Uhr: Die Einsatzkräfte räumen weiter unermüdlich den Schutt von der Einsturzstelle, um den Vermissten zu finden - immer noch ohne Erfolg. Rund um die Unglückstelle ist an Normalität noch lange nicht zu denken. Immer mehr Schaulustige kommen zu den Absperrungen, die Polizisten geben bereitwillig Auskunft.
17 Uhr: Anwohner Cosimo Erario, 40 Jahre alt, ist Musiker, hat bis vor einer Woche im Haus Nr. 220 gewohnt. Er ist nach dem Unglück bei Freunden untergekommen, aber seine zahlreichen Instrumente befinden sich noch in der Wohnung. Nun setzt Erario seine Hoffnungen auf die Feuerwehr. Er hat einen Skizze gezeichnet, wo genau welche Instrumente zu finden sind. Am Montag Nachmittag übergibt er sie dem Einsatzleiter der Feuerwehr.
15.35 Uhr: Stephan Neuhoff: "Wir sind an einer schwierigen Stelle, über uns steht eine sechs Meter hohe Stützwand des Archivs." Ob die standfest ist, sei nicht sicher. Deshalb gehe die Suche nun langsamer weiter. Auch wo der Verschüttete liegen könnte, ist vollkommen unklar. Seine Jacke lag ganz vorne in der Grube, Teile seines Sofas ganz hinten. Deshalb müsse die ganze Anlage abgesucht werden. Dazu muss der großer Bagger, der hinter dem Gelände stand, über die Bäche nach vorne gefahren werden. Das sei sehr mühsam, zunächst müssen Gummimatten auf die Straße gelegt werden. Erst dann kann der Bagger ganz langsam um Block herumfahren. Des weiteren entdeckte die Feuerwehr einen großen Hohlraum in sechs bis sieben Metern Tiefe. Darin soll sich ein Auto befinden. Der Keller des Archivs hätte sich dort wie ein Dach aufgestellt.
15.20 Uhr: Oberbürgermeister Schramma kritisiert die KVB, weil die U-Bahn-Bauarbeiten weiter gingen. "Mein Schreibtisch wackelt, meine Mitarbeiter haben Angst." Am 17. März soll eine Gedenkfeier für Opfer und Angehörige im Gürzenich stattfinden.
15.00 Uhr: Die Feuerwehr rechnet damit, dass der Einsatz noch bis zu einem Jahr dauern kann. Der Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sagte: "Wir gehen erst, wenn die letzten Trümmerstücke entfernt und die Reste der Bestände aus dem Stadtarchiv geborgen sind." Derzeit stelle die Feuerwehr für die Einsatzstelle an der Severinstraße ein eigenes Leitungsteam zusammen.
14.30 Uhr: Immer wieder tragen kräftige Möbelpacker Umzugskisten aus dem Haus in der Gefahrenzone in Köln. Es muss schnell gehen an diesem Montag. "Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben", sagt Hermann-Josef Berkele von der Speditionsfirma. "Meine Wohnung wird jetzt wohl verschwinden", sagt ein Bewohner, den Kassettenrekorder unter dem Arm. Er werde sich jetzt in die Arbeit stürzen, das soll ihn auf andere Gedanken bringen. Er wirft noch einen Blick zurück, dann eilt er davon.
14.15 Uhr: Derzeit bereitet die Feuerwehr den Abbruch einer instabilen Giebelwand des Hauses Severinstraße 218 vor. Die Wand hatte das Wohnhaus und das bereits abgebrochene Gebäude Severinstraße 220 verbunden. Die Räume des Gebäudekomplexes werden derzeit von den Nutzern geräumt. Mit dem Abbruch wird frühestens in 24 Stunden be-gonnen.
14.00 Uhr: Jacke und Portemonnaie des Vermissten wurden gefunden - an zwei verschiedenen Stellen des Trümmerkegels. Zwischenzeitlich wurde ein Hundeführer mit Hilfe einer Arbeitsgondel hinter die Spundwand heruntergefahren. Die Suche des Hundes gab keine Anzeichen.
13.47 Uhr: Rund 50 Mitarbeiter der Archivschule im hessischen Marburg sind nach Köln aufgebrochen und wollen in den kommenden drei Tagen verschüttetes Archivgut bergen, erfassen und nach Schadensgruppen klassifizieren. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bot seinem nordrhein-westfälischen Amtskollegen Jürgen Rüttgers (CDU) ebenfalls Hilfe an. Die Staatlichen Archive Bayerns seien bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Rettung und Restaurierung zu helfen, sagte Seehofer.
12.47 Uhr: Der beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschüttete Nachlass von Nobelpreisträger Heinrich Böll ist nach Ansicht des Deutschen Literaturarchivs durch nichts zu ersetzen. In Marbach existierten nur ganz wenige Original-Manuskripte Bölls, sagte der Leiter der Handschriftenabteilung, Ulrich von Bülow.
12.15 Uhr: Direkte Augenzeugen des Einsturzes der Häuser auf der Severinstraße, die bei sich seit dem Unglücksfall Anzeichen einer außergewöhnlichen psychischen Belastung wahrnehmen, können über das Bürgertelefon psychologische Hilfsangebote anfragen. Das Bürgertelefon mit der Nummer 0700 / 0221 1111 vermittelt einen Kontakt zu qualifizierten psychotherapeutischen Anlaufstellen, durch die eine individuelle Beratung erfolgt.
12.00 Uhr: Feuerwehrsprecher Leupold kann nichts Neues verkünden: "Es gibt immer noch keine sicheren Anzeichen, dass sich noch Menschen unter den Trümmern befinden. Die Hunde schlagen nicht mehr an." Die Suche gehe aber weiter. Die Dokumente werden in sehr kleinen Mengen aus dem Schuttberg geborgen. Einsatzkräfte tragen Kriegsversehrtenmedaillen, Urkunden und Schriften aus den Trümmern.
11.30 Uhr: Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das vorübergehend als einsturzgefährdet galt, sei nun doch "absolut sicher", sagte ein Feuerwehr-Sprecher nach umfassenden Prüfungen durch Experten. Für die ausquartieren Schüler begann am Montag der Unterricht an anderen Orten im Stadtgebiet, für voraussichtlich mehrere Monate.
10.40 Uhr: Die Anwohner der Severinstraße 232 dürfen nur etagenweise in das Haus. Derzeit sind die Bewohner der Erdgeschosswohnung im Gebäude und kleben unterschiedliche Aufkleber auf ihre Möbel. Rote Aufkleber bedeuten: Diese Sachen dürfen drin bleiben. Die Umzugsfirma appeliert an die Bewohner, riesige Sachen mit wenig Wert in der Wohnung zu lassen. Zwischendurch wird immer wieder gemessen, ob der Bau noch sicher ist.
10.20 Uhr: Kartons werden aus der Severinstraße 232 in die ankommenden Möbelwagen getragen. Feuerwehrleute verstauen einen kleinen Tisch, eine Lampe, Sessel und einen zusammengerollten Teppich. Der Besitzer des Hauses Georgsplatz 2a kommt aus Wipperfürth und macht sich keine Sorgen um sein Haus: "Ich glaube nicht, dass das Haus abgerissen werden muss. Meine meisten Mieter bleiben da wohnen, sie wohnen da schon so lange. Nur eine Frau möchte ausziehen."
9.50 Uhr: Der zweite Umzugswagen ist am Georgsplatz vorgefahren. Anwohnerin Sabine Wever wohnt mit ihrer Tochter seit zwei Jahren am Georgsplatz 2a: "Ich will da auf jeden Fall nicht wohnen bleiben. Schon deshalb, weil nebenan vermutlich zwei Menschen gestorben sind. Vieles ist unorganisiert, obwohl viele Menschen helfen wollen." Derzeit kreisen Hubschrauber über der Unglücksstelle.
9.15 Uhr: Ehe das Haus Severinstraße 232 abgerissen wird, können Bewohner es noch einmal betreten, um Wertsachen und persönliche Gegenstände aus ihren Wohnungen zu retten. Zur Stunde sind Bewohner unter Aufsicht der Feuerwehr dabei, Persönliches aus ihren Räumen zu holen.
8.45 Uhr: Ein etwa vier Meter breiter Streifen des Schuttkegels wurde bis zu einer Tiefe von 5,50 Metern mit Gerät, per Hand und mit Suchhunden kleinteilig untersucht und abgetragen. Zudem suchen die Hilfskräfte in einem zweiten, rückwärts gelegenen Teil des Schuttberges. Dort hatte ein Suchhund in der Nacht angeschlagen. Bei dem schichtweisen Abtrag und der Durchsuchung werden immer wieder Rettungs- und Leichenspürhunde eingesetzt. Derzeit sind zwei Suchhunde auf dem Gelände im Einsatz, ein weiterer Suchhund wird gerade nach Köln gebracht. Damit waren alle in NRW verfügbaren, für diese Aufgabe ausgebildeten Suchhunde auf der Kölner Unglücksstelle im Einsatz. Weitere Hunde werden aus anderen Bundesländern angefordert.
8.25 Uhr:: Seit dem Morgen wird an einer zweiten Stelle gesucht, an der ein Spürhund in der Nacht angeschlagen hat. Die Helfer tragen teilweise mit bloßen Händen die Trümmer beiseite. Weiterhin gibt es keine Spur von dem vermissten 24-jährigen Khalil G.
7.00 Uhr: Die Suche nach den Vermissten ist die ganze Nacht hindurch weiter gegangen, rund 70 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich derzeit auf den Bereich zwischen der Fundstelle von Kevin K. und der Baugrube des U-Bahn-Baus. Sie haben sich mittlerweile bis in eine Tiefe von fünf Metern unter der Straße vorgearbeitet. "Wir hoffen, dass wie den zweiten Vermissten heute finden", sagte Feuerwehrsprecher Stephan Raphael am Montagmorgen. Bisher hätten die Spürhunde jeoch nicht wieder angeschlagen.
Relativitäts - Theorie
10.03.2009 | 03.13 Uhr | Sulfur
Weshalb regen sich die Kölner bloß so auf? Ist wohl schon lange nichts mehr passiert? Im Krieg sind viel mehr Häuser eingestürzt, da war das ganz…
Wer den Schaden hat ...
10.03.2009 | 03.10 Uhr | Sulfur
Immerhin sind´s ja bloß 2 Tote (und nicht Tausende, wie bei vergleichbaren Unglücken in Drittweltländern), oder?
Häusle - Versenken?
10.03.2009 | 03.08 Uhr | Sulfur
Die Kölner haben jetzt ein neues Spiel erfunden, es heißt NICHT "Schiffe - Versenken". Sondern?! 3 x raten.
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