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Anstoss

Wähler, schaut auf Nordkorea!

Von Tobias Kaufmann, 09.03.09, 12:49h, aktualisiert 25.05.09, 12:41h

Qual der Wahl? Zu viele Produkte im Supermarkt und zu viele Parteien auf der Liste? Das muss nicht sein. Das Arbeiter- und Bauernparadies Nordkorea zeigt, dass es auch anders geht. Anstoß - der tägliche Kommentar auf ksta.de

Kim Jong Il bei der Wahl
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Nordkoreas Diktator Kim Jong Il. (Bild: dpa)
Kim Jong Il bei der Wahl
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Nordkoreas Diktator Kim Jong Il. (Bild: dpa)
Wenigstens auf Nordkorea ist Verlass. Hierzulande bekommt man ja schon Panikausbrüche, wenn man an die nahende Bundestagswahl überhaupt nur denkt. Wen soll man bloß diesmal wählen? Und warum? Die Sozialdemokratin Merkel, damit sich die Steinbeißer vom rechten C-Flügel ärgern? Die Grünen, damit wir einen türkischen Obama bekommen, an der Spitze von Rot-Roth-Grün? FDP vielleicht - nur so aus Daffke, damit die Partei die 18 Prozent erreicht und sich in der nächsten Welt jemand so richtig ärgern muss, weil er zu früh gesprungen ist?

Im Ernst: Das ist doch Kokolores. Wir werden im September wieder einen Patt haben zwischen denen, die nicht regieren wollen und denen, die nicht können. Und der Wille des Volkes - naja. Wer kennt den schon, und wer will ihn wirklich kennen?

Nordkorea dagegen ist anders. Dort gab es gerade Parlamentswahl. Die Regierung geht nach ersten Hochrechnungen davon aus, dass den Wählern ein unerfreuliches Kopf-an-Kopf-Rennen erspart bleibt. Vielmehr wird die kommunistische Partei ihr Ergebnis von der letzten Wahl vermutlich noch einmal ausbauen können – und schon damals erreichte sie 100 Prozent der Stimmen.

Westliche Kulturimperialisten, die gerade Manöver mit Südkorea veranstalten und dadurch die friedliche Demokratische Volksrepublik zur allgemeinen Mobilmachung zwingen, unken jetzt wieder rum. Nach dem Motto: Kein Wunder, pro Wahlkreis gab es ja auch nur einen Kandidaten, und den hatte entweder die Regierungspartei ausgewählt – oder gleich Staatschef Kim Jong Il höchstselbst. Und bei manchen Kandidaten wussten die Wähler gar nicht, ob er zum Zeitpunkt der Wahl überhaupt noch lebt. Dass die Wähler aber auch die Möglichkeit hatten, diese Kandidaten abzulehnen, indem sie "Nein" ankreuzen wird von diesen Kalten Kriegern natürlich wieder nicht erwähnt. Typisch.

Nein, nein. In diesem Land herrscht noch Einigkeit, da steht man noch zu seiner Regierung. Kein Wunder, dass es eine sensationelle Wahlbeteiligung gab. In Nordkorea weiß das Volk, dass es sich auf seine Führung verlassen kann. Und wenn da einer mal was falsch macht, wird nicht lange rumgeprüft und geredet und ausgeflüchtet - der wird einfach erschossen und fertig. Es gibt so viele Menschen, und die Finanzkrise zeigt doch, dass wir den Individualismus ohnehin überbewerten.

Wir arroganten Westler müssen uns endlich mal abgewöhnen, alles nach unseren Maßstäben zu beurteilen. Der Islamist hat nun einmal traditionell andere Vorstellungen von den Rechten einer Frau - und dafür gibt es doch auch gute Argumente. Und in Nordkorea wählt man eben traditionell schneller als bei uns. Wer keine Wahl hat, hat auch keine Qual. Wähler, schaut auf Nordkorea!

Und wem's nicht gefällt, der kann ja einfach hierbleiben.



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