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Federal Mogul

300 Kollegen droht Kündigung

Von Timm Gatter, 10.03.09, 12:07h, aktualisiert 10.03.09, 23:00h

Protestmarsch und Provokationen: Der Ton bei Federal-Mogul in Burscheid verschärft sich. Die Geschäftsführung nennt auf der Betriebsversammlung erstmals die Zahl von 300 Kündigungen.

Demo in Burscheid
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Mit einer Demonstration in Burscheid machten die Mitarbeiter von Federal Mogul auf ihre Situation aufmerksam. (Bild: Berg)
Demo in Burscheid
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Mit einer Demonstration in Burscheid machten die Mitarbeiter von Federal Mogul auf ihre Situation aufmerksam. (Bild: Berg)
Burscheid - Knapp 200 Mitarbeiter von Federal-Mogul machten sich am Dienstagmittag gegen 13.30 Uhr von Werk II aus auf den Marsch zur Sporthalle Auf dem Schulberg. An der Bürgermeister-Schmidt-Straße schlossen sich die Kollegen von Werk I an - rund 500 mögen es gewesen sein, die sich gegen 14 Uhr zur über zweistündigen Betriebsversammlung in die Halle drängten. Längst waren da die Schriftzüge auf den mitgeführten Transparenten mit „Entlassungen sind keine Alternative“ vom Regen aufgelöst.

Dass Entlassungen aus Sicht der Unternehmensführung unvermeidbar seien, machte FM-Geschäftsführer Karsten Evers deutlich: „Zum ersten Mal nenne ich die Zahl: 300 Mitarbeiter können wir langfristig nicht mehr beschäftigen.“

Man werde nur die Zahl anpassen, die der Standort Burscheid braucht, um nach der Krise wieder Tritt zu fassen: „Kurzarbeit allein reicht nicht.“

Betriebsrat kämpft

Das sieht Betriebsratsvorsitzender Michael Bergmann völlig anders. Das Unternehmen habe bereits seit Einführung der Kurzarbeit unter anderem mit Kündigung der Leiharbeiter, Auslauf befristeter Verträge sowie der freiwilligen Altersteilzeit einen bis zu 20-prozentigen Stellenabbau betrieben. „Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, auf nur einen Arbeitsplatz zu verzichten“, sagte er unter großem Beifall.

Gegen seinen Vorwurf, das Management würde die derzeitige wirtschaftliche Situation ausnutzen, um Personal abzubauen, wies FM-Geschäftsführer Michael Hedderich zurück: „Sollte jemand glauben, dass für den Stellenabbau andere Gründe vorliegen“, so befände er sich im Irrtum: „Wir wollen einen sozial verträglichen Stellenabbau mit Augenmaß.“ Angesichts von 24 Millionen Euro Verluste im Jahr könne das Unternehmen nicht tatenlos zusehen. Dem Betriebsrat verübelte er, dass er ein externes Anwaltsbüro eingeschaltet und einen aus Sicht des Unternehmens nicht akzeptablen Fragenkatalog vorgelegt habe: „Der Betriebsrat will sich inhaltlich nicht mit uns auseinandersetzen.“ Die Methoden des Betriebsrates entstammten der Mottenkiste des Klassenkampfes. Unterstützung erhielt die Belegschaft vom 1. Bevollmächtigten der IG Metall Köln-Leverkusen, Witich Rossmann: Laut Betriebsverfassungsgesetz habe der Betriebsrat sogar die Pflicht, einen Rechtsbeistand einzuschalten. Auch der Fragenkatalog sei völlig legitim: „Es ist keine Majestätsbeleidigung, wenn man vom Betriebsrat kritische Fragen gestellt bekommt. Er hinterfragt letztlich, was Sie, Herr Hedderich, eigentlich planen.“ In seiner von viel Beifall unterbrochenen Rede lobte er die Geschäftsführung einerseits für geplante Investitionen in die Gießerei und andere Qualitätsbereiche sowie für die beabsichtigte Übernahme der insolventen Firma TMD-Friction in Leverkusen. Andererseits könne Federal nicht nach „Schema F“ verfahren: „Es müssen alle an Bord gehalten werden, um eine Spirale nach unten in Richtung Hartz IV zu vermeiden.“ Vor einer Kündigung müssten alle Möglichkeiten freiwilliger Lösungen ausgelotet werden: „Es darf nicht immer der Profit im Vordergrund stehen.“



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