Von Unserer Redaktion, 11.03.09, 07:59h, aktualisiert 12.03.09, 09:03h
An der Unglücksstelle sind unter dem Schutt weiterhin keine persönlichen Gegenstände von Khalil gefunden worden.
18:30 Uhr: Notfallseelsorger der Feuerwehr bringen die Angehörigen des verstorbenen Kevin in die Kirche St. Georg, wo sie Blumen niederlegen und sich ins Kondolenzbuch eintragen. Danach stellen sie am Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt große Lichter auf, die an den 17-Jährigen erinnern sollen. Die Blumen und Kerzen am Brunnen werden immer mehr.
18:00 Uhr: Ein Mann erzählt, dass er von seiner Wohnung am Waidmarkt aus jetzt den Rhein sehen kann. Auch für die Bewohner des Seniorenheims, das auf der Rückseite der Stelle liegt, an der das Stadtarchiv stand, hat sich der Blick aus den Fenstern verändert: Sie schauen nun direkt auf das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.
17:45 Uhr: Immer wieder versuchen Menschen, die rund um den Waidmarkt wohnen, durch die Absperrungen zu gelangen, um in ihre Wohnungen zu kommen. Doch der Zugang zu vielen Häusern ist weiterhin aus Sicherheitsgründen nicht möglich.
17.30 Uhr: Während das Dach über der Unglückstelle immer größer wird, laufen die Abrissarbeiten ununterbrochen weiter. Von Haus Nummer 232 steht mittlerweile nur noch die Fassade.
16:00 Uhr: Wann der Vermisste gefunden wird, ist an der Unglücksstelle vollkommen unklar. "Die Suche kann noch Wochen dauern, wir können ihn aber auch in den nächsten zwei Stunden finden", sagte ein Feuerwehrsprecher.
15:45 Uhr: In St. Georg, im Raum der Stille, liegt ein Buch aus, in das sich Einwohner mit ihren Gedanken und Gefühlen eingetragen haben. Dort steht zum Beispiel: "Ein paar Minuten vor dem Unglück bin ich mit einem Bus voller Schüler durch die Severinstraße gefahren. Ich danke unserem Schutzengel." Aber auch einige wütende Einträge finden sich, wie zum Beispiel: "Den Verantwortlichen ein zorniges Vergeltsgott."
15:00 Uhr: Auf dem Spendenkonto für die Betroffenen sind inzwischen 44.000 Euro eingegangen. Das berichtete Stadtdirektor Guido Kahlen. Desweiteren informiert er darüber, dass es am Donnerstagabend im Bürgerhaus Stollwerck eine Versammlung für die Betroffenen geben wird. Die Verwandten des Verschütteten Khalil G. haben nach Auskunft Kahlens in der Nacht zum Mittwoch die Unglücksstelle besucht.
14:45 Uhr: Reinartz berichtet, der Baustopp werde so lange andauern, bis Gutachter alles überprüft haben.
14:30 Uhr: Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sagt: "Im schlimmstmöglichen Fall ist unter dem historischen Archiv ein Trichter entstanden. Dorthinein könnte der Schutt mitsamt dem Vermissten hinuntergerutscht sein." Der Vermisste könnte sich dann bis zu zehn Metern unter der Erde befinden. Von Mittwochabend an werde ein Teil des historischen Archivs freigeräumt. Erst anschließend, am Abend des Donnerstag könne dann noch tiefer gegraben werden.
14:15 Uhr: Peter Hartl, Technischer Einsatzleiter der Feuerwehr, war vergangenen Dienstag als einer der Ersten an der Unglücksstelle. Was er dort erlebt und gesehen hat, sei "bizarr und unvorstellbar" gewesen. Er habe beispielsweise in die 28 Meter tiefe Baugrube geblickt, die mit Wasser und Kies und Trümmern gefüllt war. Feuerwehrmann Johannes Feyrer ist schon seit 32 Jahren bei der Feuerwehr. Trotzdem sei dieser Einsatz "der komplexeste, den ich jemals erlebt habe." Wenn überhaupt sei der Einsatz vergleichbar mit dem nach dem Unglück bei Ineos.
13:10 Uhr: Maf Räderscheidt (56) kommt gerade aus der Kirche St. Georg. Sie hat für die Opfer gebetet, die ihr Leben noch vor sich gehabt hätten. Ihre Tochter hat lange das Friedrich-Wilhelm Gymnasium besucht. "Trotzallem bin ich unendlich dankbar, dass nicht noch mehr Menschen ihr Leben verloren haben. Von meiner Tochter weiß ich, dass mittags sonst mindestens hundert Schüler auf der Straße vor dem Stadtarchiv standen." Räderscheidt hat ein Haus in der Südstadt und stellt das denjenigen zur Verfügung, die durch das Unglück obdachlos geworden sind.
12:50 Uhr: Dieter Frisch (72) war früher Polier und hat viel im Hoch- und Tiefbau gearbeitet. Er kommt seit Sonntag jeden Tag mit dem Fahrrad aus Krefeld zur Unglücksstelle. An seinem Fahrradkorb ist ein Schild befestigt, auf dem steht: "Ohne Gott arbeiten die Bauleute vergeblich. Wir beten!" Frisch sagt, dass die Bauleute seine Unterstützung schätzen: "Ich bin immer da, um für die Opfer zu beten, aber auch für die Rettungskräfte. Kranführer und Gerüstbauer mit denen ich gesprochen habe sagten, sie seien in brenzligen Situationen dankbar für die Unterstützung durch Gebete."
12:15 Uhr: Reger Besuch im "Raum der Stille" in St. Georg. Die Menschen gehen dort ein und aus, um sich zwischendurch für einige Minuten zu sammeln.
12:00 Uhr: Endlich - mit einer Flexsäge und einer Zange ist es gelungen, das überstehende Rad von dem aus der Baugrube geborgenen Lastwagen abzubekommen. Der soll nun in Kürze auf einem Anhänger abtransportiert werden.
11:45 Uhr: Immer wieder wird in Möbelwägen gesichertes Archivgut abtransportiert, das aus dem Schutt gezogen werden konnte. Paradox: Die wertvollen Materialien, die geborgen werden, landen zum Abtransport zunächst mal in Mülltonnen.
11:15 Uhr: Bei den Bergungsarbeiten ist inzwischen mit Hilfe eines Krans ein Lkw der Bauarbeiter aus der Baugrube gezogen worden. Dieser war dort in rund 10 Meter Tiefe verschüttet. Das komplett verformte Fahrzeug wurde auf einen Anhänger verladen. Der Auspuff und ein Rad standen dabei so über die Ladefläche, dass der Hänger nicht in Bewegung gesetzt werden konnte. Deshalb müssen zunächst noch Montagearbeiten an dem Lastwagen vorgenommen werden. Rund vierzig Schaulustige sehen zu.
11:00 Uhr: Die erste Bilanz über die Welle der Hilfbereitschaft ist beeindruckend. Aus der Bevölkerung und vielen Unternehmen gingen weiter zahlreiche Geld- und Sachspenden ein, 210 Wohnungen wurden angeboten, Gutscheine verteilt, wie die Stadt berichtete. Ein Möbelhaus schenkte den 41 Haushalten mit 60 Personen, die ihr Zuhause verloren haben, Einkaufsgutscheine für die Einrichtung einer neuen Wohnung. Der 1. FC Köln lud die Betroffenen zu einem Spiel ins Stadion ein, um sie für ein paar Stunden abzulenken. Ein Taxiunternehmen stellte 100 Taxigutscheine bereit. Die Spenden summierten sich inzwischen auf 38 000 Euro.
10:45 Uhr: Die Suche nach dem vermissten Studenten wird fortgesetzt, betont ein Feuerwehrsprecher. Zwar bleibe die Aktion an der Stelle bis zum späten Mittag unterbrochen, an der zunächst das einsturzgefährdete Haus 232 ganz abgerissen werden muss. "Parallel dazu suchen die Einsatzkräfte aber unmittelbar vor dem Trümmerfeld weiter im U-Bahn-Bereich", erklärt der Sprecher.
10:00 Uhr: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich auch nach dem Stadtarchiv-Einsturz für eine rasche Fortsetzung des U-Bahn-Baus ausgesprochen. Trotz des tragischen Unglücks müsse man in die Zukunft schauen, die Erweiterung der Stadtbahn sei unverändert notwendig, sagte Hauptgeschäftsführerin Claudia Langowsky in Köln.
9:45 Uhr: Ein Bauarbeiter, der in der Nacht im Gebäude 232 gearbeitet hat, beschreibt das Haus als extrem baufällig. "Ich konnte durch die Risse nach draußen gucken." Mittlerweile steht nur noch das Erdgeschoss des Hauses.
9:30 Uhr: Vom Georgsplatz aus werden Teile des Hauses 232 weiter abgerissen. Feuerwehrsprecher Daniel Leupold berichtet von Zeugenaussagen, die vermuten lassen, dass das Haus 230 nicht wie das Archiv nach vorne umkippte, sondern in sich zusammengefallen ist. "Dadurch könnte eine Sogwirkung entstanden sein, die auch den Vermissten tief nach unten gerissen haben könnte. Möglicherweise liegt der Vermisste noch unter den Trümmern des Archivs."
8:55 Uhr: Der Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Landesbauministerium, Günter Kozlowski, lehnt neue Bauvorschriften ab. Die Gebäudesicherheit sei durch die bestehenden Regeln bereits in hohem Maße gewährleistet, sagte er am Mittwoch im Deutschlandfunk.
8:45 Uhr: An der Absperrung zur Unglücksstelle hängt ein Schild, das auf die Kirche St Georg hinweist: "Für Angehörige und Einsatzkräfte: Raum zum Verweilen und stilles Gebet." Die Kirche von St. Georg steht offen. Laufend gehen Menschen rein und raus und zünden Kerzen an.
8:30 Uhr: Ein Bagger durchsucht die U-Bahn-Baustelle nach dem Vermissten. Vom Haus 232 stehen nur noch Erdgeschoss und Keller. Wenn alles abgetragen ist, können die Feuerwehrleute auch in den Trümmern des Hauses 230 noch tiefer nach dem möglicherweise Verschütteten suchen.
07:45 Uhr: Voraussichtlich kann heute das Schutzdach, welches das verschüttete Archivmaterial vor Niederschlägen schützen soll, erheblich ausgebaut werden.
05:00 Uhr: Mit einem Seilbagger wird weitergesucht; Menschen können die Grube nicht betreten, weil dies zu gefährlich ist. Die gemeinsame Giebelwand von den Häusern Nummer 218 und 220 wurde in der Nacht abgetragen; in einer bis zwei Stunden soll auch das Erdgeschoss von Haus 232 in Richtung Severinstraße geschleift werden.
02:00 Uhr: Das Haus Nummer 232 wird abgerissen. Das Gebäude ist inzwischen bis aufs Erdgeschoss abgetragen. Währenddessen wurde die Suche nach dem Vermissten im Bereich der U-Bahn-Baustelle von 2 bis 5 Uhr morgens unterbrochen, weil die Gefahr bestand, dass Trümmer der Abrissaktion in den Schacht fallen.
Dieter Frisch(72)
12.03.2009 | 00.08 Uhr | axelfriedrich
macht seinem Namen alle Ehre, wenn er jeden Tag ca. 120 km mit dem Fahrrad von Krefeld nach Köln und zurück fährt.
Frau Langowsky
11.03.2009 | 11.28 Uhr | primzahl
Die U-Bahn weiterbauen bis es wieder kracht! Wichtig ist nur der Fortschritt, weitere Tote müssen wir in Kauf nehmen, oder wie?
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