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Stadtarchiv

Khalil war auf der Stelle tot

Von Thorsten Moeck und Tim Stinauer, 12.03.09, 20:31h, aktualisiert 26.02.10, 10:56h

Nach der Bergung des beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs getöteten Khalil K. werden die Arbeiten am Unglücksort etwas zurückgefahren. Unterdessen hat OB Fritz Schramma die Stadtbahn-Planung als „nicht optimal” bezeichnet.

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Innenstadt - Khalil G. war sofort tot. Als das Historische Archiv einstürzte und zwei Nachbarhäuser mit in die Tiefe riss, hielt sich der 24-jährige Student in seiner kleinen Dachgeschosswohnung auf, zwölf Meter über der Straße. Seinen Leichnam fanden die Retter neun Meter unter dem Erdboden. Neben ihm entdeckten die Feuerwehrleute die grün gestrichenen Mauerreste seiner Zimmerwand und Dachbalken, die senkrecht in den Boden gerammt waren. „Khalil starb, noch während das Haus einstürzte“, berichtete ein Polizeisprecher. Zu diesem Ergebnis kamen die Rechtsmediziner bei der Obduktion.

Über dem Toten türmten sich fünf Meter Schutt, auf seinen Oberkörper drückten etwa zehn Tonnen Gewicht. „Er hatte null Chance“, sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. „Es war eine aussichtslose Situation.“ Khalils Vater hat den Toten „zweifelsfrei als seinen Sohn identifiziert“, schilderte der Polizeisprecher. Der Leichnam wurde noch am Freitag nach Marokko überführt, wo er in den kommenden Tagen beigesetzt wird. „Die quälende Ungewissheit der vergangenen Tage war für die Familie das Schlimmste, was sie je erlebt hat“, sagte Oberbürgermeister Fritz Schramma. Nun sei es traurige Gewissheit, „dass diese Katastrophe ein zweites Menschenleben gekostet hat“.

Allen Helfern attestierte Schramma, „beinahe Übermenschliches“ geleistet zu haben. Ab sofort habe die Rettung der wertvollen Dokumente Priorität. Am Freitag gelang es den Helfern, die zweite Handschrift von Albertus Magnus zu bergen. „So etwas sage ich meinen Einsatzkräften auch immer sofort, um sie zu motivieren, emsig und sorgfältig weiterzusuchen“, berichtete Neuhoff.

Erster Ruhetag seit Katastrophe

Am Sonntag werden die Arbeiten an der Einsatzstelle zum ersten Mal seit dem Einsturz ruhen. Die Sechs-Tage-Woche soll zur Regel werden. Künftig werde von Montag bis Samstag zwischen sieben und 19 Uhr gearbeitet, kündigte Schramma an. Auch die Zahl der Helfer werde reduziert. Sie können sich auch deshalb eine Auszeit gönnen, weil das Notdach fast komplett errichtet ist. Es fehlen nur noch 15 Meter. Zwei Zäune schützen die Einsturzstelle. Polizei und Ordnungsamt bewachen die beiden einzigen Zugänge Tag und Nacht.

Die verschütteten Kulturgüter werden mit Baggern und bloßen Händen geborgen. Das kann noch Monate dauern. Einen Einsatzplan für das genaue Vorgehen gibt es noch nicht - den Helfern fehlt schlicht die Erfahrung. „Es gibt niemanden, den wir in Europa fragen könnten, wie man die Bestände eines zusammengestürzten historischen Archivs rettet“, sagte Neuhoff. „Wir müssen jetzt erst langsam Erfahrung gewinnen, wie man am schnellsten und schonendsten vorgehen kann.“ Die neue Einsatzleitstelle befindet sich auf dem Gelände des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums. Am Freitag veröffentlichte die Stadt erstmals das Ergebnis von Bodenproben aus dem Umkreis der Einsturzstelle. „Wir haben bislang keine Auffälligkeiten festgestellt“, berichtete Neuhoff. „Es sind keine weiteren Gebäude einsturzgefährdet.“



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