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Online-Shopping

Hier ist der Kunde wirklich König

Von Berti Kolbow, 17.03.09, 11:56h

Ob Müsli, T-Shirt, Glückskeks oder Parfum: Immer mehr Einkaufsportale bieten im Internet individuelle Produktzusammenstellungen an. Das ist zwar meistens teurer als die Massenware, aber dafür bekommt der Kunde auch das „Prozesserlebnis“ und den „Snob-Effekt“.

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Endlich meine ganz persönliche Lieblingsmischung: Wem der Tee aus dem Supermarkt nicht gut genug ist, kann sich online seinen ganz eigenen zusammenstellen. (Bild: dpa)
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Endlich meine ganz persönliche Lieblingsmischung: Wem der Tee aus dem Supermarkt nicht gut genug ist, kann sich online seinen ganz eigenen zusammenstellen. (Bild: dpa)
Das Supermarktregal strotzt nur vor Müslisorten und trotzdem ist die Lieblingsmischung nicht dabei? Für Freunde von Frühstücks-Cerealien ist das kein Beinbruch, denn inzwischen mixen Online-Shops die Wunschsorte zusammen. Der Trend beschränkt sich nicht nur auf Müsli. Über das Internet werden immer mehr individuell gefertigte Produkte vertrieben. Kunden bekommen so genau das, was sie wollen, zahlen aber einen höheren Preis.

„Es gibt inzwischen fast keine Produktkategorie, die sich nicht individuell anfertigen und online bestellen ließe“, erklärt Frank Piller, Wirtschaftswissenschaftler an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Große Beachtung fand vor eineinhalb Jahren der Start von www.mymuesli.com. Dort lassen sich individuelle Müslis mit verschiedenen Zutaten in angeblich 566 Billiarden Varianten mixen. Inzwischen existieren gleich mehrere Online-Shops fürs Wunschmüsli, etwa www.cereal-club.de und www.mybestmix.de.

Spezielle Geschmäcker werden auch in anderer Hinsicht bedient. Wem zum Beispiel nach Schokolade mit Gummibärchenfüllung oder anderen ausgefallenen Zutaten ist, der wird bei www.deineschokoladen.com fündig. Nette Grüße können unter www.mymms.de auf Schokoladenlinsen gedruckt werden. Und einen Heiratsantrag aus einem persönlichen Glückskeks (www.wunschkeks.de) erhält man auch nicht alle Tage. Selbst Fruchtsaft (www.saftfabrik.de), Tee (www.allmytea.de), Kaffee (www.sonntagmorgen.com) oder Likör (www.wunschlikoer.de) können Genießer im Internet kombinieren. Diese Produkte sind im Schnitt rund 40 Prozent teurer als die Standardversionen, sagt Piller.

„Prozesserlebnis“ steigert den Preis

Warum die Kundschaft das akzeptiert? Auf der Hand liegt der größere Produktnutzen. „Es ist grundsätzlich von Vorteil, wenn die Anbieter versuchen, immer näher an die Kundenwünsche heranzukommen. Die Konsumenten kaufen somit genau die Artikel, die ihren Bedürfnissen entsprechen und bezahlen nichts Überflüssiges“, erklärt Uwe Spiekermann, Konsumhistoriker an der Universität Göttingen.

„Zudem können die Kunden auf diese Weise relativ sicher sein, dass ihr Lieblingsprodukt immer erhältlich ist“, so Spiekermann. Dass die Wunschvariante vergriffen ist, ist so gut wie ausgeschlossen. „Eine Rolle spielt auch das "Prozesserlebnis"“, erklärt Piller. Etwas zu nutzen, was man selbst gestaltet hat, macht Spaß. Das mag auch den Reiz von factory.lego.com erklären. Dort kann man sich ein Programm zum Entwerfen eigener Lego-Modelle herunterladen und die Kreationen dann bestellen.

Schuhe, Hemden, Parfums und T-Shirts

Hersteller von Individual-Produkten setzen auch auf den „Snob-Effekt“. Manche Zeitgenossen kaufen eben gerne Artikel, die voraussichtlich niemand anderes besitzt. Dies kommt besonders bei Kleidung und Accessoires zum Tragen. So können im Internet Schuhe (www.adidas.com/de/miadidas und nikeid.nike.com) individuell designt werden. Auf www.myparfuem.com entsteht mit wenigen Klicks ein eigener Duft. Maßgeschneiderte Hemden zu massentauglichen Preisen sind bei www.hemdwerk.de oder www.tailorstore.de erhältlich. T-Shirts im Wunschdesign versenden www.spreadshirt.net, www.shirtinator.de oder www.shirtcity.com und andere. Eine Übersicht mit 500 Shops, die individualisierte Produkte anbieten, listet www.configurator-database.com auf.

   Die Wahlfreiheit bei der sogenannten individualisierten Massenfertigung hat aber auch Grenzen. „Letztlich müssen die Anbieter die Varianten begrenzen, damit sich die Herstellung von Einzelstücken in Großserien noch einigermaßen günstig realisieren lässt“, erklärt Spiekermann. Kunden sollten zudem bedenken, dass sie durch die Gestaltung der Produkte ein Profil hinterlassen. Wem am Schutz persönlicher Daten liegt, der mag das befremdlich finden. (dpa)



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